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Anlässlich des Jubiläums  enthüllten (von links) Professor  Pascale Ehrenfreund, DLR-Vorstand  Hansjörg Dittus, Marcel Huber, Leiter der bayerischen  Staatskanzlei, und  Dr. Rolf Kozlowski vom DLR-Raumfahrtbetrieb eine Gedenktafel. 

50 Jahre Satelliten-Bodenstation Lichtenau

Vom Agrarland zum High-Tech-Standort

Die DLR feierte  mit  Prominenz  das 50-jährige Bestehen  der Satelliten-Bodenstation in der Lichtenau.  Die ist künftig auch beim Katastrophenschutz  gefragt.

Weilheim/Wielenbach Vor 50 Jahren begann in Bayern das Weltraumzeitalter. Dort, wo bis dahin nur Wald und Wiesen waren und ein Ochse weidete, wurde auf dem „Hochplateau der Lichtenau“, so die DLR-Vorstandsvorsitzende Professor Pascale Ehrenfreund, der Grundstein für die Satelliten-Bodenstation des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) gelegt. Das Ereignis wurde am Montag in einem Festzelt auf dem Gelände gefeiert, in dem 200 Gäste mit je 70 Watt Leistung für eine angenehme Raumtemperatur sorgen sollten, wie der Leiter des Raumflugbetriebs Professor Felix Huber bei der Begrüßung sagte.

Dem Bau vorausgegangen waren 1966 der Beschluss zur Einrichtung der Station und Grundstücksverhandlungen mit 17 Eigentümern, wie der heutige Chef der Bodenstation, Martin Häusler, berichtete. Schließlich konnten mehr als zwei Dutzend Parzellen erworben werden, wobei ein Bauer seinen Grund nur zusammen mit einem Ochsen verkaufen wollte. Was aus dem Ochsen wurde, ist laut Häusler nicht mehr bekannt.

Dokumentiert ist hingegen, wie es mit der Station weiterging. Im März 1967 wurde der Wald gerodet, im Oktober erfolgte die Baugenehmigung und 20. November wurde der Grundstein gelegt. 1968 wurde die Station gebaut, 1969 ging sie in Betrieb. Erste Arbeit brachte der Start des „AZUR“. Der von der NASA in die Umlaufbahn gebrachte Satellit untersuchte unter anderem den Van-Allen-Strahlungsgürtel, der die Erde umgibt. Es folgten zwei weitere Ausbaustufen, bei denen drei Antennen zur Bahnbestimmung von Satelliten und eine 30-Meter-Antenne gebaut wurden. Mit Letzterer können die Forscher Kontakt zu Sonden halten, die sich weit von der Erde entfernen. Bisher wurde von der Lichtenau aus Kontakt zu rund 170 Satelliten gehalten.

Die Arbeit wird den Forschern nicht ausgehen, wie in einer Podiumsdiskussion festgestellt wurde. Derzeit sind rund 1400 Satelliten in der Umlaufbahn, 39 davon stehen aktuell in Kontakt mit der Bodenstation, in der 44 Mitarbeiter beschäftigt sind. Zu den zukünftigen Aufgaben wird auch das Katastrophen-Management – etwa bei Überschwemmungen - gehören, weil man vom Weltall aus den besten Überblick hat. Über geostationäre Relais-Satelliten lassen sich die Bilder von tief fliegenden Satelliten in Echtzeit auf eine Bodenstation übertragen. Am Abend stand eine Ballettaufführung auf dem Programm: der „Tanz der Antennen“. Zu sphärischer Musik, die in intergalaktischer Lautstärke aus dem Lautsprecher kam, drehen die Antennen ihre grazilen Schüsselkonstruktionen, während ein Feuerwerk die Beleuchtung der Naturbühne übernahm.

Alfred Schubert

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