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Gaben ein furioses Konzert mit ihrem Programm „Süden II“ in der voll besetzten Weilheimer Stadthalle: (v.l.) Martin Kälberer, Werner Schmidbauer und Pippo Pollina.

Schmidbauer, Pollina & Kälberer in der Stadthalle

800 Weilheimer feiern den „Süden“

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Das war nicht einfach nur ein Konzert. Das war ein Fest. Mit „Süden II“ brachten Werner Schmidbauer, Pippo Pollina und Martin Kälberer 800 Besucher in der Weilheimer Stadthalle zum Träumen und Tanzen.

Weilheim – Ach, das kann furchtbar schiefgehen, wenn Künstler ein Werk abliefern, an dessen Titel hinten eine „2“ hängt. Die Neuauflage von etwas Großem, aber Vergangenem ist allzu oft leider nur ein müder Abklatsch. Buch- und Filmfortsetzungen künden zuhauf davon. Doch im Falle des gemeinsamen Musikprojekts von Schmidbauer, Pollina und Kälberer ist die zweite Auflage schlichtweg: ein Glück! Randvoll war Weilheims Stadthalle am Sonntagabend bei „Süden II“; beseelt war am Ende wohl jeder einzelne der 800 Zuhörer.

Das Geheimnis dieses Erfolges erklärten die Drei gleich selbst: Nachdem sie 2013 ihre erste „Süden“-Tour mit einem 100. Konzert gekrönt hatten (nicht irgendwo, sondern vor 10 000 Fans in der Arena di Verona), sei offen gewesen, ob man je wieder gemeinsame Sache machen würde. Doch vergangenen Sommer hätten sie bei ein paar ausgewählten Konzerten gemerkt, wirklich wieder Lust darauf zu haben. Kaum sechs Wochen dauerte es, bis sie die neuen Lieder fürs Album „Süden II“ komponiert hatten.

Und dieses Feuer hört und sieht man den Dreien an. Wenngleich seit März schon wieder satte 35 Auftritte quer durch Deutschland, Österreich und die Schweiz zusammenkamen, ließen sie am Sonntagabend in Weilheims Stadthalle pure Spielfreude spüren. Dabei klang alles so harmonisch und perfekt, dass es geradezu guttat, als Schmidbauer das zweite Lied („Eis und Schnee“) nach ein paar Takten kurz abbrach: Er hatte das Kapodaster versehentlich im falschen Bund an seine Gitarre geklemmt.

Mit seiner feinen bayerisch-italienischen Mischung aus Folk, Rock, federleichtem Bossa und Liedermacherpathos bedient das Trio virtuos die Sehnsucht nach Süden, Wärme, Menschlichkeit. Dabei scheut es nicht das Vollbad im mehrstimmigen Gesang, zaubert Harmonien, die direkt ins Herz zielen.

Doch es bleibt nicht beim Wohlfühlsüden. In einer anrührenden Ballade verarbeitet Pollina den plötzlichen Tod seines Bruders, in einer anderen reflektiert der 56-Jährige die ständige Abwesenheit des Künstlervaters – der er selbst ist – aus Kindersicht. Es geht in „Süden“ auch um jene, die von dort flüchten (müssen). Und in „Stolz drauf“ entlarvt Schmidbauer die Hohlheit dumpfer Nationalparolen. „Süden“ steht auch für Haltung, für entschiedene Humanität.

Dabei kommt die Neuauflage noch reifer und ausgefeilter daher als die Premiere vor sechs Jahren. Musikalisch ist dies insbesondere das Verdienst von Martin Kälberer. Er zaubert mit viel Feingefühl an Piano, Percussion und Akkordeon, sorgt für einen packend dichten Sound, der nach mehr als drei Musikern klingt und doch stets transparent bleibt.

Als am Ende Pollinas Ur-Hit „Camminando“ von Schmidbauers „Pfeilgradaus“ abgelöst wird, ist das bunt gemischte Publikum längst berauscht von dieser Musik, von so viel Energie. Und beim bewegenden „Passa il tempo“ („Die Zeit vergeht“) steht die ganze Halle. So gesetzt viele „Süden“-Fans sein mögen – für die folgenden vier Zugaben setzt sich keiner mehr. Sie klatschen, tanzen, feiern die bairisch-afrikanische Hommage „Mandela“ und die italienische Partisanenhymne „Bella ciao“ – und werden noch mal mit zwei Balladen belohnt. Keine Frage: Bei solcher Qualität und Intensität freut man sich jetzt schon auf „Süden III“.

Magnus Reitinger

Weitere Konzerte von „Süden II“ in der Region sind am Samstag, 27. Juli, in Benediktbeuern (Open-Air im Maierhof, nur noch Restkarten), am 21. Oktober im „Modeon“ Marktoberdorf und am 22. Oktober in der Philharmonie in München. Beginn ist jeweils um 20 Uhr, Info: www.suedenmusik.de.

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