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500-Euro-Scheine: Anna-Maria Diehl (l.) und Nathalie Tach von der Sparkasse Oberland haben Exemplare aus dem Bestand geholt.

Abschied vom 500-Euro-Schein - und nur wenige stört es

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Der 500-Euro-Schein wird aus dem Rennen genommen. Im Landkreis trauert die Geschäftswelt dem größten Euro-Schein kaum nach. Mit ihm wird nur sehr selten gezahlt.

Landkreis– Die Deutsche Bundesbank sowie die Österreichische Nationalbank geben nur noch bis 26. April den 500-Euro-Schein aus. Bei allen anderen 17 Notenbanken im Euro-Raum ist bereits seit 26. Januar damit Schluss. Begründet wird der Schritt damit, dass Kriminalität und Schwarzarbeit das Wasser abgegraben werden soll.

Die Sparkasse Oberland verfügt zwar noch über Bestände. Doch die Nachfrage der Kunden nach der Banknote ist gering, wie Pressesprecher Robert Christian Mayer erklärt. „Genutzt werden die Geldscheine schon, aber selten.“ Wenn, dann für größere Anschaffungen mit Barzahlung. „Für einen Autokauf oder als Geschenk zum Beispiel für Hochzeiten oder Geburtstage.“

Die geringe Resonanz bestätigen Geschäftsleute in der Region. Wenn der lilafarbene Schein in der Kasse auftauchte, dann „vielleicht im Weihnachtsgeschäft“, sagt Erich Stöppel von der gleichnamigen Weilheimer Buchhandlung. Circa fünf Mal im Jahr zückt ein Kunde solch ein Exemplar. Eine Situation, die beim Kassenpersonal für besondere Aufmerksamkeit sorgt. Die Mitarbeiter sind angewiesen, jene Banknote mit dem Prüfgerät zu testen, so Stöppel. Für den Geschäftsmann war der Geldschein nur eines: unpraktisch. „Ich trauere ihm nicht nach.“

Genauso geht es Christine Marksteiner von der Finanzkasse im Peißenberger Rathaus. „Wir merken gar nicht, wenn es keine mehr gibt.“ Bei Marksteiner gehen täglich Euros über den Tisch. Lediglich rund ein Mal jährlich sei ein 500-Euro-Schein darunter gewesen. Beispiel: „Wenn jemand seine Friedhofsgebühren bezahlt hat.“ An der Kasse ist Geld für alle Gebühren wie für Ausweise, Urkunden und Gewerbeanmeldung fällig. Das meiste wird allerdings per Überweisung oder mit Karte beglichen. Wer mit Bargeld komme, sei meist älter, hat Marksteiner festgestellt.

Doch es gibt Gewerbetreibende, die das Aus für den 500-Euro-Schein bedauern. Autoverkäufer zum Beispiel. „Für uns ist es unschön, dass es ihn nicht mehr gibt“, sagt Richard Rieser, Geschäftsführer Verkauf des gleichnamigen Mazda-Hauses in Peiting. Dass ein Kunde bei An- oder Barzahlung solche Banknoten vorlegt, „kommt regelmäßig vor“. Der Verkäufer findet den großen Schein praktisch für seine Arbeit, gerade beim Nachzählen.

Keine Chance mit Europas wertvollster Banknote hat man in der Regel bei Tankstellen. „Wir haben den Schein gar nicht genommen“, verweist der Iffeldorfer Inhaber Robert Greil auf den Sicherheitsaspekt. Aus diesem Grund schüttelt er übrigens auch bei einem 200-Euro-Schein den Kopf.

Der 500-Euro-Pendant jedoch verliert ab Freitag nicht seine Gültigkeit. Der Schein „bleibt trotzdem gesetzliches Zahlungsmittel“, heißt es beim Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken. Denn Geschäfte müssen laut Verband die Banknote weiter annehmen. „Es sei denn, der zu zahlende Betrag steht in keinem Verhältnis zum Wert des Scheins.“ Bei der Sparkasse Oberland rechnet man damit, dass nun vor allem ältere Kunden das Auslaufmodell zum Umtausch bringen werden. „Sie haben die Scheine bewusst zur eigenen Sicherheit als Reserve gehortet“, sagt Sprecher Mayer. Er geht davon aus, dass nun wohl Sammler verstärkt nach dem Geldschein nachfragen werden. Die übrigen Bestände gibt das Geldinstitut zum Umtausch an die Bundesbank zurück.

So wenig der 500-Euro-Schein genutzt wurde, es gibt bei der Sparkasse Oberland auch „einen eindeutigen Gewinner“, wie deren Sprecher sagt: der 50-Euro-Schein. Diesen wollen die Kunden bewusst an der Kasse ausgezahlt haben. Im Gespräch sind bei einem künftigen EU-weiten Austausch immer wieder 1- und 2-Euro-Scheine. Davon hält man bei der Sparkasse nichts. „Dafür sehen wir keine Notwendigkeit“, so Mayer. „Wenn schon eine Änderung, dann wäre es vernünftig, die 1- und 2-Cent-Münzen abzuschaffen.“ Eine Debatte, die sich angesichts zunehmend bargeldloser Geschäfte bald stellen wird.

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