Bei der Hegeschau wurden die Trophäen ausgestellt. 

Abschusszahlen und mehr bei Hegeschau

„Der Biber darf alles, der Rehbock nichts“

Bei der Hegeschau ging es nicht nur um Abschusszahlen. Die knapp 200 Besucher bekamen am Samstag in der Stadthalle auch Kritik an Biber und unwissenden Städtern zu hören.

Weilheim – „Denkanstöße eines Jägers und Funktionärs“ gab Moritz Fürst zu Oettingen-Wallerstein in seinem Vortrag. Der Vize-Präsident des bayerischen Jagdverbands übte Kritik an Städtern, die nichts von Wald und Wild verstehen, aber jeden als „Baummörder“ bezeichnen, der einen morschen Baum umschneidet. Manche hätten auch zweierlei Maß für Tiere: „Der Biber darf alles, der Rehbock nichts.“Auch vor gewissen Vertretern seiner Gilde machte Oettingen-Wallerstein nicht Halt. Es gebe Leute, die eigentlich Wilderer seien, „obwohl sie sich als Jäger verkleiden“.

Helmut Stork, der im Landratsamt für Jagdrecht zuständig ist, präsentierte Zahlen. Von den Hegegemeinschaften im Landkreis haben nur fünf eine tragbare Verbissbelastung, in den anderen sieben ist die Belastung zu hoch. Bei den Abschussempfehlungen gehe es noch weiter auseinander. Für vier Hegegemeinschaften werde eine Beibehaltung der Abschüsse empfohlen, für sieben einen Erhöhung und für eine sogar eine deutliche Erhöhung.

Bei der Abschusserfüllung beim Rehwild liegt Penzberg laut Stork mit 100 Prozent an der Spitze, gefolgt von Peißenberg (91), Seeshaupt (88), Eberfing (87) und Weilheim und Wessobrunn (jeweils 79 Prozent). Im Schnitt liegt die Abschusserfüllung im Altlandkreis Weilheim bei 87 Prozent. Im Altlandkreis Schongau sieht es schlechter aus. Hier liegt der Durchschnitt bei 84 Prozent. Rottenbuch liegt mit 89 Prozent an der Spitze, es folgen Schongau (87), Peiting (86), Steingaden (84) und Bernbeuren (74).

Stork wies darauf hin, dass die Unterschiede beim Abschuss zwischen den Revieren sehr groß sind: „Von 50 Prozent bis 118 Prozent ist hier alles vertreten.“ Beim Schwarzwild schwankt laut Stork die Zahl der erlegten Tier von Jahr zu Jahr sehr stark. Die Statistik weise für die aktuelle Jagdsaison zum 15. Januar eine Zwischenmeldung von 356 Stück aus, im Vorjahr seien es 676 Stück gewesen, ein Jahr zuvor 352 Stück. Die meisten Wildschweine wurden heuer in Eberfing erlegt (97). Eine Prognose ist laut Stork aufgrund der schwankenden Zahlen schwer möglich, sicher sei aber: „Das Thema wird uns weiter beschäftigen.“

Forstdirektor Martin Kainz vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Weilheim sieht den Waldumbau auf einem guten Weg. In den Baumbeständen sei die Fichte seit 1991 um zehn Prozent zurückgegangen und von der Buche ersetzt worden. Sorgen macht ihm aber die Tanne. Diese leide stark unter dem Verbiss und komme so nicht auf. Probleme habe der Wald auch mit dem Klimawandel. Wind, Schnee und Borkenkäfer würden ihm immer mehr zusetzen: „Dem Wald geht’s schlecht, sauschlecht.“

Der Vorsitzende des Kreisjagdverbands, Florian Pfütze, übte Kritik an der seiner Ansicht nach zu starken Reglementierung der Jäger. Er findet es nicht gut, dass es immer nur von oben heiße „ihr müsst das jetzt machen“. Eine gute Zusammenarbeit aller bringe mehr. Seit 1986 der Grundsatz „Wald vor Wild“ eingeführt wurde, werde „die Waldarbeit mit der Kugel ausgeübt“, so Pfütze. Für seine Kritik am Bund Naturschutz – „man schimpft sich Bund Naturschutz und hat keinen Respekt vor der Schöpfung“ – erhielt Pfütze Applaus.

Auch der Biber kam in der Rede des obersten Jägers im Landkreis nicht zu kurz: Mit dessen Heiligenstatus müsse „endlich Schluss sein“, so Pfütze.

Alfred Schubert

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Für Metropol-Umbau müssen Bäume fallen
Die Vorbereitungen für den Umbau des alten Metropolkinos zur neuen Musikschule laufen. Nächstes Jahr soll es losgehen. Um die Baustelle einzurichten, müssen allerdings …
Für Metropol-Umbau müssen Bäume fallen
Wieder „Lesepause“ im großen Stil - diese bekannten Autoren lesen in Weilheim auf dem Kirchplatz 
Autorenlesungen bei freiem Eintritt: Im Juli gibt es wieder die „Weilheimer Lesepause am Kirchplatz“. Auch der ein oder andere Stargast ist mit von der Partie.
Wieder „Lesepause“ im großen Stil - diese bekannten Autoren lesen in Weilheim auf dem Kirchplatz 
Verpackung aus Maisstärke und Zuckerrohr: Bäckerei „Kasprowicz“ setzt auf Bioplastik
“Grüner“ einkaufen können Kunden in den Filialen der „Bäckerei und Konditorei Kasprowicz“. Nicht nur Schnittbeutel für Brot sind aus umweltfreundlicherem Material. 
Verpackung aus Maisstärke und Zuckerrohr: Bäckerei „Kasprowicz“ setzt auf Bioplastik
Urgestein Holzmann hört auf
Klemens Holzmann ist ein politisches Urgestein im Landkreis. Seit 1996 amtiert der Bürgermeister in Eglfing. Bald ist Schluss: Zur Wahl 2020 tritt der heute 67-Jährige …
Urgestein Holzmann hört auf

Kommentare