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Der neue AfD-Vorstand im Landkreis: (v.l.n.r.) Andreas Mehling, Kathrin Filser, 1. Vor-sitzender Rüdiger Imgart, Frau Wiggens (ein Vorname wurde nicht übermittelt), Reno Schmidt, Gerda Siedentopf und Markus Böck.   

Zweifel an Rechtmäßigkeit der Wahl 

Rechtsruck im AfD-Kreisverband Weilheim-Schongau

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Der neu gewählte Kreisvorstand der AfD im Landkreis Weilheim-Schongau lässt keine Zweifel an seiner politischen Ausrichtung aufkommen. Der neue Kreisvorsitzende Rüdiger Imgart holte sich zahlreiche Rechtsaußen-Vertreter an seine Seite.

Landkreis – Die einen nennen es Zoff, für Christof Schramm, Pressesprecher des AfD-Kreisverbandes, ist es „Beleg für die Debattenkultur innerhalb der Partei“. Fakt ist, dass die Neuwahlen des AfD-Kreisvorstands vor einigen Tagen nicht ganz so reibungslos abgelaufen sein dürften, wie es die Partei im Nachhinein gern darstellen würde.

„Bei den Vorstandswahlen des AfD-Kreisverbands Weilheim-Schongau konnte sich Rüdiger Imgart mit seinen Wunschkandidaten durchsetzen“, schreibt Schramm im Nachgang der Wahlveranstaltung, zu der die Presse nicht eingeladen war.

AfD-Mitglieder zweifeln an Rechtmäßigkeit der Wahlen des Kreisvorstands   

Direkt im Nachgang der Wahl meldeten sich AfD-Mitglieder bei der Heimatzeitung und äußerten Zweifel an der Rechtmäßigkeit der Wahlen. Kurz vor der Versammlung seien zahlreiche Familienmitglieder der einzelnen Kandidaten in die AfD aufgenommen worden, um die Mehrheiten für Imgarts „Wunschkandidaten“ zu organisieren, behaupten sie.

Pressesprecher Schramm streitet das nicht einmal ab. „Wir haben mittlerweile über 70 Mitglieder, die Zahl steigt langsam, aber stetig.“ Dass es im Vorfeld der Vorstandswahlen Beitritte von Familienmitgliedern gegeben habe, sei „keine große Sache“. „Es kommt vor, dass sich drei oder vier Mitglieder einer Familie gemeinsam in der AfD engagieren“, sagt er. Das komme auch bei anderen Parteien vor. Vehementer stritt er indes ab, dass es nach dem Rechtsruck der Landkreis-AfD Austritte von gemäßigten Mitgliedern gegeben habe: „Die Austritte, die wir verzeichnen müssen, sind vor allem dadurch begründet, dass unsere Mitglieder Druck seitens ihrer Arbeitgeber ausgesetzt sind.“

Ehemaliger Landtagskandidat der AfD, Rüdiger Imgart aus Weilheim, setzt sich durch 

Der ehemalige Landtagskandidat der AfD, Rechtsanwalt Rüdiger Imgart aus Weilheim, hatte sich bei der Wahl zum 1. Vorsitzenden der Landkreis-AfD gegen den ehemaligen 2. Vorsitzenden und Bezirkstagskandidaten Alexander Neumeyer durchgesetzt.

Neumeyer ist im neuen Vorstand gar nicht mehr vertreten. Der bisherige 1. Vorsitzende Reno Schmidt ist nun 2. Vorsitzender, neue Schatzmeisterin ist die stellvertretende Landesvorsitzende der AfD-Nachwuchsorganisation „Junge Alternative“, Katrin Filser. Ihr wird von den bayerischen Ermittlungsbehörden vorgeworfen, Kunstblut vor der CSU-Landeszentrale verschüttet zu haben. Deswegen gab es auch eine Hausdurchsuchung bei Filser. Zudem wird die „Junge Alternative“ bereits seit einiger Zeit vom Verfassungsschutz beobachtet. Alter und neuer Schriftführer im Vorstand ist Markus Böck.

Imgart ordnet sich selbst dem rechtsnationalen AfD-Flügel zu

Sie alle sind nun laut AfD-Pressemitteilung die „Wunschkandidaten“ von Rüdiger Imgart, der bereits im Landtagswahlkampf keine Zweifel daran aufkommen ließ, dass er zum rechtsnationalen AfD-Flügel gezählt werden möchte. So sprach er auf einer Demonstration der rechten Gruppierung „Kandel ist überall“ in Lenggries, nachdem die AfD-Landtagskandidatin Anne Cyron, die in Lenggries eigentlich ihren Stimmkreis hatte, einen Auftritt abgelehnt hatte. Cyron sitzt übrigens mittlerweile im Landtag, Imgart nicht.

Dass die Wahl Imgarts zum Kreisvorsitzenden parteiintern umstritten ist, bestätigt auch AfD-Pressesprecher Christof Schramm. „Es gibt Vorsitzende, die sind ausgleichend zwischen den einzelnen Flügeln innerhalb einer Partei. Und dann gibt es Vorsitzende wie Rüdiger Imgart, die sind führungsstark und treten dabei ein paar Leuten auf die Füße.“

Imgart wurde dieser Tage übrigens auch auf Vorschlag der bayerischen AfD hin als ehrenamtlicher Richter am Bayerischen Verwaltungsgerichtshof vereidigt. „Dabei wird meine Parteizugehörigkeit bei der Entscheidungsfindung mit Sicherheit keine Rolle spielen“, lässt sich Imgart von Pressesprecher Schramm zitieren.

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