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Dorle Heilbock arbeitet seit etwa 20 Jahren als Hebamme in Weilheim. 

Aktuelles Interview mit Dorle Heilbock

Hebamme in Weilheim: „Ältere Schwangere haben mehr Ängste“

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Es gibt immer mehr spätgebärende Frauen - auch im Landkreis. Die Hebamme Dorle Heilbock  weiß, wie viele es sind.

Weilheim – Wenn Frauen mit Mitte 30 oder älter ein Kind bekommen, ist das heute keine Seltenheit. 1217 Frauen wurden 2016 im Landkreis Mutter – fast genau ein Viertel von ihnen war älter als 34 Jahre und gilt damit als „spätgebärend“. Im Interview fragten wir Hebamme Dorle Heilbock, wie sie die späte Mutterschaft sieht. Heilbock, die seit etwa 20 Jahren in Weilheim als Hebamme arbeitet, ist 45 Jahre alt, verheiratet und hat selbst einen 22-jährigen Sohn und eine 20-jährige Tochter.

Zunächst die Frage: Betreuen Sie selbst überhaupt mehr ältere Mütter als früher?

Ich habe in den letzten etwa 20 Jahren rund 1100 Frauen als freiberufliche Hebamme betreut, derzeit sind es etwa 60 bis 70 im Jahr. Mein Eindruck ist schon, dass der Anteil der Spätgebärenden größer geworden ist. Bei den Frauen, die ich in den vergangenen zehn Jahren versorgt habe, lag der Altersschwerpunkt bei 31 Jahren. Es waren aber auch eine 15-Jährige und eine 46-Jährige dabei.

Halten Sie persönlich ein späte Mutterschaft für problematisch?

Medizinisch gesehen gibt es bei Schwangeren ab 30 Jahren mehr Probleme als bei jüngeren, so ist die Rate der Fehlgeburten und Zwischenblutungen prozentual höher. Auf der anderen Seite sind ältere Gebärende in der Regel finanziell besser abgesichert.

Wie ist Ihr Eindruck, gehen ältere Frauen mit ihrer Schwangerschaft anders um als jüngere?

Ja, das ist so. Sie nutzen die pränatale Diagnostik – etwa Gentests – mehr als jüngere, suchen sich Geburtskliniken mit angeschlossenem Kinderkrankenhaus aus und recherchieren mehr im Internet. Sie suchen gezielt und im vernünftigen Rahmen Rat. Jüngere Schwangere schauen sich eher Soaps zum Thema „Baby“ im Fernsehen an. Die normalen Vorsorgeuntersuchungen nehmen aber im Regelfall jüngere und ältere Frauen nach meiner Einschätzung konsequent wahr.

Jüngere haben aber trotzdem eine unbeschwertere Einstellung zu ihrer Schwangerschaft?

Das haben sie. Ich betreue gerade eine 15-Jährige, die sehr unbeschwert mit ihrer Schwangerschaft umgeht. Das Mädchen ist aber schon ein spezieller Fall. Von den 821 Frauen, die ich in den vergangenen zehn Jahren begleitet habe, waren nur sechs bei der Niederkunft unter 18 Jahre alt. Ältere Schwangere haben im Vergleich zu den jüngeren mehr Ängste. Sie sind verantwortungsbewusster, wodurch sie sich aber auch gewissermaßen selbst Knüppel zwischen die Beine werfen.

Welche Fragen beschäftigen ältere Schwangere denn nach Ihrer Erfahrung besonders?

Fragen zur Ernährung in der Schwangerschaft beschäftigten sie sehr, aber etwa auch der plötzliche Kindstod. Sie fragen sich etwa auch: „Wie richtet man dem Baby den optimalen Schlafplatz her?“ Ältere wollen häufiger als Jüngere von mir wissen, was sie dem Kind bei einem bestimmten Wetter anziehen sollen. Jüngere verhalten sich da oft instinktiv richtig. Ältere machen sich mehr Gedanken, ob sie etwas falsch machen.

Und wie sieht es mit dem Stillen aus?

Die Stillquote ist nach meiner Erfahrung bei den Älteren höher. Die Jüngeren wollen oft etwas früher wieder unabhängig werden.

Ist denn aus Ihrer Sicht die frühe oder die spätere Schwangerschaft besser?

Generell finde ich: Wie’s kommt, so kommt’s. Ich habe selten Frauen, die sagen „Das Kind kommt jetzt total ungelegen“. Ich rate aber nicht zu einer Schwangerschaft unter 18 Jahren. In dem Lebensabschnitt gibt es noch zuviel anderes, das geregelt werden muss. Und wenn Eltern beim Schuleintritt ihres Kindes schon längst Großeltern sein könnten, halte ich das auch nicht für so gut. Man braucht zum Beispiel auch Energie, um dem Kind hinterherzurennen, wenn es mit dem Dreirad unterwegs ist. Die älteste Gebärende, die ich betreut habe, war – wie gesagt – 46 Jahre. Dieses Alter sollte nach meiner persönlichen Meinung auch eine Obergrenze sein.

Warum gibt es heute so viele späte Mütter?

Das kann ich Ihnen nicht auf Anhieb sagen, aber mein Eindruck ist, dass die Karriere nicht unbedingt der Grund ist. Da gibt es auch noch andere Faktoren.

Was empfehlen Sie Frauen generell für die Schwangerschaft?

Wichtig ist, dass sie ihre Schwangerschaft genießen, sich nicht verunsichern lassen durch Medien und andere Frauen. Man sollte auf sich selbst hören und sich vertrauen – eine Schwangerschaft ist etwas Natürliches und keine Krankheit.

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