Anfang Dezember hat der Nikolaus die Kinder und Jugendlichen im Heim in Elbasan besucht. 
+
Anfang Dezember hat der Nikolaus die Kinder und Jugendlichen im Heim in Elbasan besucht. 

Pandemie hat die Armut in Elbasan verstärkt

„Albanienhilfe Weilheim“ braucht Unterstützung

  • Kathrin Hauser
    vonKathrin Hauser
    schließen

Albanien galt schon vor der Corona-Zeit als Armenhaus Europas. Die Pandemie hat die Armut dort noch verstärkt. Das wirkt sich auch auf den Alltag in den Einrichtungen der „Albanienhilfe Weilheim“ aus und insbesondere auf das Leben im Kinderheim.

  • Ein Kinderheim, einen Kindergarten, ein Mädchenwohnheim und eine Suppenküche betreibt die „Albanienhilfe Weilheim“ in Elbasan und Lac
  • Dafür muss der Verein rund 250 000 Euro jährlich aufbringen
  • In der Corona-Pandemie ist die Unterstützung nun besonders wichtig

Weilheim/Elbasan – Die kleine Gledisa und ihre beiden Brüder hatten Hunger, großen Hunger, als sie sich im Kinderheim der „Albanienhilfe Weilheim“ in Elbasan vorgestellt haben. Das Essen, das sie bekamen, haben sie sofort verschlungen. Marsid Cerriku und seine Frau Enereida Omeri, die zusammen die Einrichtung in Elbasan leiten, haben schon viel Leid bei Kindern gesehen, doch „dass es heute noch so hungrige Kinder gibt, die dazu mit Händen und Füssen essen“, habe sogar sie überrascht, wie Marsid Cerriku in einer Mail an die Heimatzeitung berichtet.

„Sie hatten nichts zum Anziehen und die Ernährung ist überhaupt kein Thema“

Gledisa und ihre Brüder sind 2020 ins Kinderheim der Albanienhilfe gekommen. Die Sechsjährige lebte zuvor im Kinderheim der Mutter-Theresa-Schwestern, ihre Brüder in Gramsh. Die Situation in der Familie sei sehr schlimm gewesen, schreibt Cerriku. Der Vater der Kinder ist nicht bekannt, die Mutter kann sich nicht um ihre Kinder kümmern. Sie schafft es nicht, die beiden Buben und das Mädchen zu betreuen. Die Mutter habe ihre Kinder heftig geschlagen und sei ihnen auch sonst kein gutes Vorbild gewesen, so Cerriku. „Sie lebten in einem kleinen Dorf und die Hütte, in der sie wohnen, ist voller offener elektrischer Kabel und die Kinder sind jederzeit in einer sehr großen Gefahr gewesen. Sie hatten nichts zum Anziehen und die Ernährung ist überhaupt kein Thema.“ Inzwischen besucht Gledisa den Kindergarten der Albanienhilfe. Wie ihre beiden Brüder hat sie sich gut eingewöhnt, und die Kinder haben schon vieles gelernt.

Der Heimleiter und seine Frau leben mit ihren beiden Töchtern auf dem Gelände der Albanienhilfe in Elbasan, wo der Weilheimer Verein einen Kindergarten, ein Kinderheim und ein Mädchenwohnheim unterhält. Marsid Cerriku und Claus Nitzinger, der Vorsitzende der Albanienhilfe, telefonieren mehrmals pro Woche, sodass die Vereinsführung in Weilheim immer im Bilde darüber ist, wie es in Elbasan läuft, wie es den Kindern und Jugendlichen dort geht.

Inzwischen haben sich die Geschwister gut eingewöhnt

Der Heimleiter hat auch die Geschichte der drei Geschwister Mateo (13), Merlina (11) und Fabiana (10) erzählt, die ebenfalls 2020 aus einer äußerst armen Gegend nach Elbasan gekommen sind: Der Vater der Kinder ist gewalttätig, die Mutter hat die Familie verlassen und ist nach Griechenland ausgewandert. Nachdem Mateo, Merlina und Fabiana erst in einem anderen Heim untergebracht waren, leben sie nun bei der Albanienhilfe. Inzwischen haben auch diese Geschwister sich gut eingewöhnt, „jedoch ist vieles für sie neu“, schreibt der Heimleiter über seine Schützlinge: „Sie kannten vieles nicht.“

Albanien war schon immer ein armes Land, doch durch die Pandemie hat sich die Lage dort noch zugespitzt. Auch davon berichte Cerriku in den Telefonaten, erzählt Nitzinger bei einem Pressegespräch: „Die Not ist in Albanien durch Corona noch größer geworden. Die wirtschaftliche Situation hat sich sehr verschärft.“ Essen, Trinken, alles sei teurer geworden. „Die Eltern unserer Kinder stehen vor unserem Tor und betteln um Essen“, sagt der Vorsitzende der Albanienhilfe. Und es gehe ihnen nicht darum, Fleisch, Wurst oder Käse zu erbetteln, sondern um ein Stück Brot. „Seit Corona kommen viele Bettler zu uns, die um etwas zu essen bitten.“

Nur noch wenige Elternbesuche

Viele der Buben und Mädchen im Kinderheim haben den Kontakt zu ihren Eltern verloren, weil während der Corona-Krise die Busse so gut wie gar nicht mehr gefahren sind und die eine Zuglinie, die es in Albanien gab, auch abgeschafft wurde. „Viele Eltern können ihre Töchter und Söhne nicht mehr besuchen kommen und darunter leiden die Kinder“, so Nitzinger. Wenn die Verhältnisse so sind, dass die Kinder aus dem Kinderheim ihre Eltern besuchen können, dann bekommen sie inzwischen Essen für die Zeit des Besuchs mit, damit die Familie in dieser Zeit keinen Hunger leidet.

Durch Corona ist das Engagement des kleinen Weilheimer Vereins in Albanien – die Albanienhilfe hat derzeit sieben Mitglieder – noch wichtiger geworden. Der Verein unterhält neben den Einrichtungen in Elbasan noch eine Suppenküche in Lac, einem Dorf in einer armen Bergregion. Auch die Suppenküche ist in diesen Zeiten eine große Hilfe für Familien, die nicht wissen, was sie ihren Kindern zu essen geben können.

Corona beschert der Albanienhilfe Spendeneinbruch

Doch auch die Albanienhilfe leidet unter coronabedingten Spendeneinbrüchen, wie Nitzinger schildert: „Jubiläen, Geburtstage, Feste – all das, was uns oft Spenden beschert hat, findet nicht statt.“ Dabei muss der Verein rund 250 000 Euro jährlich aufbringen, um Kinderheim, Kindergarten, Mädchenwohnheim und Suppenküche am Laufen zu halten.

Vor etwa 30 Jahren begann der Verein seine Tätigkeit mit Hilfstransporten nach Albanien. Nach und nach kamen verschiedene Projekte hinzu. Dass diese Hilfe für die Ärmsten der Armen schon so lange währt, dass so vielen Kindern ein besseres Leben mit einer Zukunftsperspektive ermöglicht werden konnte, das sei großteils den vielen Unterstützern aus Weilheim und Umgebung zu verdanken, betont Nitzinger. Und in Corona-Zeiten sei die Hilfe wieder besonders gefragt. Auch kleine Spenden seien möglich und erwünscht. Die Albanienhilfe bietet auch Patenschaften an.

Spenden

Bankverbindung: Sparkasse Oberland, IBAN: DE38 7035 1030 0000 0253 61 SWIFTBIC: BYLADEM1WHM

E-Mail: info@albanienhilfeweilheim.de

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare