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Ritterlicher Auftritt: Sein 101. Konzert seit Gründung vor 35 Jahren gab das „Allschlaraffische Symphonie-Orchester“ am Sonntag vor 350 Zuhörern in der Weilheimer Stadthalle. 

„Allschlaraffische Symphonie-Orchester“

Ein bisschen Brahms, ein bisschen Karneval

Das „Allschlaraffische Symphonie-Orchester“ beehrte“Wilhaim“. Und hinterließ ein begeisterndes Konzert.

Weilheim – Dass Ritter sich die Ehre geben in der Weilheimer Stadthalle, das kommt nicht alle Tage vor. Am Sonntagvormittag indes veranstalteten sie dort ein munteres Stelldichein, angereist aus ganz Deutschland und der Schweiz. Die „Schlaraffia Wilhaim“ war Gastgeber für das 101. Konzert des 1982 gegründeten „Allschlaraffischen Symphonie-Orchesters“ (ASO), dem derzeit insgesamt 130 aktive Teilnehmer angehören. Mehr als die Hälfte davon saß auf der Bühne der gut gefüllten Stadthalle, die von einigen auswärtigen Besuchern als „toller Saal“ bestaunt wurde. Die Schlaraffen geben regelmäßig solche Benefizkonzerte, deren Erlös sozialen Projekten zugute kommt. Alle Musiker agieren ehrenamtlich.

Dass die Schlaraffen eine Gemeinschaft mit sehr eigenen Gesetzen sind, zeigt schon der erste Blick ins Programmheft: „Der Ehrendirigent Josef Beischer, München (Rt Don Beppone, 384) dirigiert sein Werk Musica fanfaresca – Die große Phrygische.“ Die Schlaraffen trügen bei ihren Versammlungen einen Helm, der der phrygischen Mütze nachempfunden sei, hatte „Ritter Musimax“, Vorsitzender des ASO, zuvor erläutert. Wilder Paukenwirbel, eine heroische Trompetenfanfare, darauf der gigantische Tutti-Einsatz: Wie die Filmmusik zu einem mittelalterlichen Epos rauscht das „dem ASO zum 25. Wiegenfest“ gewidmete Werk vorüber. Stimmungsvoll und als Ouvertüre bestens geeignet.

Dann betreten Dirigent Jürgen E. Müller alias „Ritter Gutzgauch“ und Klarinettist Dietrich Fritsche das Podium. In der Orchestereinleitung zu Mozarts Klarinettenkonzert KV 622 wackelt das Tempo trotz des schnörkellos klaren Dirigierstils Müllers. Doch mit dem Klarinetteneinsatz ist alles vergessen: Fritsche begeistert mit einem schönen Ton und farbig nuancierter Ausgestaltung, die auch die Mozart’schen Abgründe aufscheinen lässt. Das Orchester ist sehr bemüht, all diese Facetten ebenfalls aufzunehmen. Der geheimnisvolle Zauberton des 2. Satzes gelingt der Klarinette hervorragend, dem Orchester beachtlich gut. Mit ausgelassener Heiterkeit schließt das Werk.

Johann Franz Xaver Sterkels Sinfonie B-Dur hebt darauf unverkennbar „mozartisch“ an, kann aber nicht dessen Genialität erreichen. Sie ist eine stimmungsvolle Unterhaltung ohne Tiefgang, ein sogenanntes gefälliges Werk. Nach der Pause entert mit Robin Fairhurst alias „Ritter Robinhut“ eine wahrhaft ritterliche Erscheinung das Podium: Seine wallende weiße Mähne und der wohlgestutzte Bart lassen tatsächlich an Robin Hood in älteren Jahren denken. Vital und gestenreich dirigiert er die „Schlaraffische Festouvertüre“ von Hans-Günter Hässy: eine pompös grandiose Eröffnung, gefolgt von lieblichen Bläserkantilenen, darauf heroische Klänge, die ein wenig an Wagner, dann an Brahms und schließlich an den rheinischen Karneval denken lassen – den Außenstehenden jedenfalls, denn nur den Insidern erkennbar werden hier diverse Schlaraffenlieder verarbeitet.
 Léhars Walzer „Gold und Silber“ eröffnet darauf mit lieblichem Geklingel, das eine wahre Walzerseligkeit einläutet, sodass man glauben möchte, sich in Wien statt in Wilhaim zu befinden. Offenbachs Ouvertüre zu „Orpheus in der Unterwelt“ wird zum optimalen Rausschmeißer: Alles gelingt – und endet mit dem berühmt-berüchtigten Can Can, bei dem der Zuhörer die Röcke wirbeln sieht, obwohl gar keine Tänzerinnen auf der Bühne stehen. Tosender Beifall. Und der „Schlaraffen-Marsch“ als Zugabe. Dann sind die edlen Herrschaften nach über zweistündigem Programm zum wohlverdienten Mittagessen entlassen. Oder wie man in diesen Kreisen sagt: zur Atzung.

Sabine Näher

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