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Stellten das Projekt für Analphabeten vor, v.r.: Eva Kaletsch-Lang, Monika Funk, Ulrich Brinkmeier, 3. Bürgermeisterin Angelika Flock und Barbara Mahlke.

Alphabetisierungs-Projekt im Mehrgenerationenhaus

„Ich hab’ meine Brille vergessen“

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Menschen, die nicht lesen  und schreiben können, verbergen diese Schwäche oft gekonnt.  Im Mehrgenerationenhaus bietet man Hilfe an.

Weilheim – „Können Sie das schnell für mich aufschreiben, Sie haben eine so schöne Schrift“ oder auch „Ich hab’ meine Brille vergessen“: Mit Ausreden wir diesen versuchen Menschen die nicht lesen und schreiben können gern, diese Schwächen zu vertuschen. Und es sind nicht wenige, die, obwohl sie in der Schule waren, davon betroffen sind, sagte Eva Kaletsch-Lang vom Mehrgenerationenhaus bei einem Pressegespräch gestern Nachmittag.

Die Caritas stellte ein neues Programm des Mehrgenerationenhauses vor, in dem es um Hilfe für Menschen mit Lese- und Schreibschwierigkeiten geht. Die Volkshochschule ist ebenso mit von der Partie wie das „Bildungskolleg“, die „Agentur für Arbeit“ und das Jobcenter. Wobei, so Monika Funk, Geschäftsführerin der Kreiscaritas, „wir froh sind, wenn wir Einzelnen helfen können“.

Eva Kaletsch-Lang sprach davon, dass rund 14 Prozent der erwerbsfähigen Bevölkerung im Alter von 18 bis 65 Jahren so genannte funktionale Analphabeten seien. Sie können demnach laut einer Studie der Universität Hamburg aus dem Jahr 2011 keine zusammenhängenden Texte lesen oder deren Sinn erfassen. 58 Prozent haben Deutsch als Muttersprache, die anderen seien schon mindestens 30 Jahre im Land. Asylbewerber wurden in der Studie nicht berücksichtigt.

„Die gesellschaftliche Teilhabe ist für diese Menschen ein Problem“, so Eva Kaletsch-Lang, sie könnten beispielsweise keine Arbeitsanleitungen umsetzen. Um die Lese-, Schreib- und Rechenkompetenz dieser Menschen zu verbessern, legten Bund und Länder das Förderprogramm „Alpha-Dekade“ auf. Das Mehrgenerationenhaus Weilheim hat sich dafür beworben – und bekam den Zuschlag. Es erhält dafür laut Monika Funk einen Zuschuss von 15 000 Euro im Jahr.

Zuerst, so erklärte Eva Kaletsch-Lang., gelte es, auf das Problem aufmerksam und Hilfsangebote bekannt zu machen. „Vorurteile sollen abgebaut, Tabus aufgebrochen und das Lerninteresse der Betroffenen gestärkt werden“. Am 16. Mai wird das „Alfa-Mobil“ in Weilheim Station machen, an dem über Analphabetismus informiert wird. Am 17. Mai ist im Pfarrheim „Miteinander“ eine Sensibilisierungsaktion für Mitarbeiter in Verwaltungen und Organisationen im Hinblick auf Analphabetismus vorgesehen und bei Vorlesungen der Volkshochschule sollen ab dem Herbstsemester spezielle einfache Themen des Alltags angesprochen werden. Geplant sind zudem wöchentliche Sprechstunden für Betroffene, aber auch für Lehrer und Arbeitgeber, eine Lernwerkstatt, eine Selbsthilfegruppe und letztlich ein Alphabetisierungskurs beim „Bildungskolleg“. Menschen, die weder lesen noch schreiben könnten, mangle es oft nicht an Intelligenz, so Ulrich Brinkmeier, Geschäftsführer des „Bildungskollegs“, „einige haben sogar einen Schulabschluss“.

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