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Einer der Arbeitsplätze des Stadttürmers war der Turm von Mariae Himm elfahrt.

Weilheimer G’schichte(n)

Als der Stadtrat Eheprobleme behandelte

Liest man im „Weilheimer Tagblatt“ die Berichte über die heutigen Stadtratssitzungen, dann ist das, was dort behandelt wird, doch relativ harmlos. Anders sah es anno dazumal aus, als der Rat der Stadt noch die niedere Gerichtsbarkeit besaß und in Schuldsachen und Eheangelegenheiten Recht sprechen durfte

Weilheim Nachzulesen ist das in dem „Rats Protokoll der kurfürstlichen Stadt Weilheim pro Anno 1767“ . Gleich  gleich bei einem der ersten Einträge bleiben wir hängen: hängen.

In der Sitzung am 28. Januar hatte man gleich eine Ehesache zu verhandeln. Da klagte Regina Häberlin gegen ihren Ehemann Joseph Häberl, Bürger und Stadttürmer, wegen der zwischen ihnen entstandenen Uneinigkeit, und dass sich „beide schon etliche Täg voneinander begeben“, also getrennt von Tisch und Bett lebten. Nachdem man sich beratschlagt hatte, wurde dem Häberl „obrigkeitlicherseits aufgetragen, gedacht seine Ehekonsortin wiederum zu sich zu nehmen und mit selber in Frieden und Einigkeit zu leben.“

Um dem Auftrag auch den entsprechenden Nachdruck zu verleihen, drohte man, dass man ihm widrigenfalls den Quartal-Genuss „unmittelbar“ einziehe. Sollte er jedoch anderer Meinung als der Rat sein, so „hat er sich an die gehörige Instanz zu wenden, was ihm unverwehrt sein solle“.

Wer von den beiden Eheleuten nun am Zerwürfnis schuld war, lässt sich aus dem Protokoll nicht herauslesen – vielleicht lag der Grund darin, dass die 36 Jahre alte Frau Gemahlin die Erfahrenere war, denn immerhin hatte sie schon eine Ehe hinter sich. Im September 1757 war sie, die Tochter des Weilheimer Stadttürmers Caspar Seinfelder, im Heilig-Kreuz-Kircherl dem damaligen Stadttürmer Jacob Baur angetraut worden. Nicht einmal acht Jahre währte das Glück, denn am 3. Juni 1765 zertrennte der Tod das Eheband. Jetzt stand die junge Witwe da und musste schauen, wie sie sich und ihre „vorhandenen 4 Kindlein“, wie es im 1765-er Ratsprotokoll unter dem 12. Juli heißt, nun fortbringe.

Immerhin erhielt sie vom Rat den Dienst ihres verewigten Gemahls „gegen Stellung eines tauglichen Subjekts“ verliehen. Jetzt hieß es also Umschau halten, und so fiel ihr Blick auf den aus Neuburg an der Donau gebürtigen und „dermal in Landsberg bei dasigem Stadttürmer in Condition gestandenen“ Joseph Häberl. Dieser hatte beim Herrn Amtsbürgermeister Ignaz Fischer bereits nachgesucht, „auf dasigem Stadtchor seine Musik in Violin und Clarin (Trompete, Anm. d. Verf.) in Gegenwart der dasigen Stadtmusikanten hören dürfen zu lassen.“ Nachdem das Vorspiel die Musici befriedigt hatte, stellte er die Bitte, „ihm die vakante Stadttürmerstelle gegen Ehelichung der Wittib und der christlichen Erziehung“ der Kinder zu verleihen. Schon am 30. Juli läuteten die Hochzeitsglocken und aus der Witwe Baur wurde die Gemahlin des „ehrengeachteten und kunstreichen“ Joseph Häberl.

Doch kehren wir zurück zum Ehezerwürfnis. Die obrigkeitlichen Ermahnungen scheinen gefruchtet zu haben, denn unterm 7. November 1768 vermerkt die Taufmatrikel der Stadtpfarrei Mariae Himmelfahrt, dass den Häberlschen Eheleuten eine kleine Elisabeth aus der Taufe gehoben wurde.

Vielleicht hatte der Grund an der „entstandenen Uneinigkeit“ aber auch am Herrn Gemahl gelegen, denn er wurde 1767 ein zweites Mal aktenkundig. In seiner am 5. Juni abgehaltenen Sitzung beschloss der Rat, da Häberl sich „letzthin gegen den amtierenden Bürgermeister Herrn Georg Rauscher respektlos mit Worten und ungebührlicher Klag nachts um halb 10 Uhr vergangen“, dass er „nebst ernstlichem Verweis und gemachter Certioration (Belehrung, Anm. d. Verf.), 12 Stund lang auf den Turm gesperrt“, sprich eingelocht, werde. Hoffentlich hat’s zur Besserung beigetragen!

Dr. Joachim Heberlein

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