In der Filiale von K&L in der Weilheimer Innenstadt war auch schon mal mehr los. Wie es um das von Schuh Schmid übernommene Traditionsunternehmen steht, ist unklar. Die Mitarbeiter sind in Sorge.
+
In der Filiale von K&L in der Weilheimer Innenstadt war auch schon mal mehr los. Wie es um das von Schuh Schmid übernommene Traditionsunternehmen steht, ist unklar. Die Mitarbeiter sind in Sorge.

Web-Shop geschlossen

K&L: Mitarbeiter bangen um ihre Jobs

  • Jörg von Rohland
    vonJörg von Rohland
    schließen

Die Corona-Krise setzt offensichtlich auch dem Weilheimer Traditionshaus K&L zu. Das seit dem Jahr 2019 zur Augsburger „Schuh Schmid“-Gruppe gehörende Unternehmen hat Anfang November seinen Web-Shop geschlossen. Mitarbeiter in den Filialen bangen um ihre Jobs.

Weilheim – Eine Weilheimer Angestellte von K&L, die sich jüngst bei der Heimatzeitung meldete, klingt verzweifelt: „Es wird eine Abteilung nach der anderen zugemacht“, klagt die Frau, die aus Angst um ihren Job anonym bleiben will. Zehn bis 15 Leute seien schon gegangen, die übrigen „hängen in der Luft und haben Existenzängste“, sagt die Mitarbeiterin. „Wir kommen uns vor wie das Aschenputtel, alles was toll ist und glänzt, kommt nach Augsburg.“

Erst Schutzschirmverfahren, dann Übernahme

Wie mehrfach berichtet, wurde K&L vergangenes Jahr von der Augsburger „Schuh Schmid“-Gruppe übernommen. Unter ihrem Dach sollten das in Weilheim gegründete Modehaus und seine noch übrigen Filialen in eine sichere Zukunft steuern. Bekanntlich war K&L in den Jahren davor in Schieflage geraten. Eine Insolvenz konnte nur durch ein sogenanntes Schutzschirmverfahren abgewendet werden. 13 der deutschlandweit 54 Filialen wurden geschlossen, auch die Schongauer Dependance musste dicht machen.

Nach Neuausrichtung blieben 1000 Jobs erhalten

Im Zuge einer Neuausrichtung gelang es, 1000 Arbeitsplätze zu erhalten. K&L-Chef Jens Bächle machte das Schiff wieder flott und fand mit Robert Schmid den ersehnten Investor, der allerdings die Logistik von Weilheim nach Augsburg verlagerte.

Corona-Pandemie setzt Traditionsunternehmen zu

Nun aber setzt die Corona-Krise K&L zu: Von einer „einzigen Tragödie“ sprach schon im Frühjahr Rüdiger Herrmann, Marketing-Chef und Prokurist bei K&L, als beim ersten Lockdown unter anderen das K&L-Haus in der Weilheimer Schmiedstraße schließen musste. „Dass der Gesamtkonzern in einem Monat 20 Millionen Euro verliert, ist eine Katastrophe.“

Zwar bleibt der Einzelhandel im jetzigen Lockdown geöffnet, die Kunden rennen den Geschäften aber nicht gerade die Bude ein. Da verwundert es um so mehr, dass K&L Anfang November sein Online-Angebot zurückgefahren hat. Wer im Internet bei dem Modeunternehmen einkaufen möchte, erhält seit einigen Tagen die Meldung, dass der Online-Shop „aufgrund von Umbauarbeiten für einige Zeit nur zur Ansicht zur Verfügung steht“. Dass der Shop längst Geschichte ist, verrät auf Anfrage K&L-Gesamtbetriebsratschef Christian Mautner. Einen größeren Beinbruch sieht er darin aber nicht. Das Online-Geschäft ist laut Mautner seit jeher nicht rentabel. Es zu schließen, sei „eine unternehmerische Entscheidung“ gewesen. Sie sei nicht „mitbestimmungspflichtig“, so der Betriebsratschef.

Großer Teil der Belegschaft in Kurzarbeit

In der Weilheimer K&L-Zentrale im Paradeis gehen derweil offenbar mehr und mehr die Lichter aus. Die Logistik ist verschwunden, die Verwaltung zu großen Teilen verwaist. Nur mit Glück ist gelegentlich jemand ans Telefon zu bekommen. Meist läutet es durch. Wie zu hören ist, ist ein großer Teil der Belegschaft in Kurzarbeit.

Betriebsrat: Unternehmen stockt Kurzarbeitergeld auf 80 Prozent auf

Betriebsrat Mauten bricht dennoch eine Lanze für das Management, weil es das Kurzarbeitergeld aufstockt – auf immerhin 80 Prozent des Lohns, berichtet Mauten und bleibt optimistisch: „Der Schmid weiß, wenn er Mist baut, dann stehe ich vor seiner Tür.“

Von der Geschäftsführung war trotz mehrfacher Anfrage der Heimatzeitung weder aus Weilheim, noch aus Augsburg, eine Stellungnahme zur aktuellen Lage zu bekommen.

Auch interessant:

Pläne für Areal an der Römerstraße in Weilheim: „Haus der Begegnung“ wird abgerissen - und in klein neu errichtet

Mehr Aktuelles aus der Region lesen Sie hier.

Auch interessant

Kommentare