Jurist soll  Frist versäumt haben

Anwalt als Beklagter

Weilheim - Elfeinhalb Jahre ist es her, dass eine Oberhausenerin durch eine Dachlawine verletzt und gesundheitlich beeinträchtigt wurde. Dennoch wartet sie noch immer auf Schadensersatz und Schmerzensgeld. Inzwischen klagt sie gegen ihren damaligen Anwalt.

Ein Einkauf im März 2005 in der Murnauer Innenstadt veränderte das Leben der damals 59-Jährigen Frau aus Oberhausen komplett: Eine Schneelawine stürzte vom Dach eines Hauses und traf sie am Kopf. In dem Schneematsch war ein Eisbrocken, der bei der Oberhausenerin eine Gehirnblutung auslöste.

Die Frau wurde im Unfallklinikum in Murnau behandelt und erholte sich auch einigermaßen von den Unfallschäden. Aber sie wurde nie mehr die, die sie vor dem Vorfall mit der Dachlawine war. Sie litt unter Konzentrationsstörungen, war nicht mehr so belastbar wie zuvor und hatte quälende Kopfschmerzen.

Bis die Dachlawine sie am Kopf traf, war die Oberhausenerin voll berufstätig gewesen, was anschließend nicht mehr möglich war. Da rieten ihr die Ärzte, sich einen Anwalt zu nehmen, dieser würde ihr dabei helfen können, Schmerzensgeld, Schadensersatz und Verdienstausfall zu bekommen. Durch den Unfall habe sie einiges an Geld verloren, weil sie danach nur noch in Teilzeit arbeiten konnte, schilderte die Frau, die inzwischen 71 Jahre alt ist, gegenüber der Heimatzeitung. „Ich hätte ja noch voll weitergearbeitet.“

Sie suchte sich einen Rechtsanwalt und war sich sicher, dass dieser ihr weiterhelfen würde. Sie ahnte nicht, dass der Ärger damit erst richtig losging.

Die Oberhausenerin schildert, dass der Anwalt nichts unternommen, Fristen versäumt und Gerichtstermine nicht wahrgenommen habe, und wenn sie ihn erreichen wollte, habe das Telefon durchgeklingelt. Irgendwann seien ihre Ansprüche verjährt gewesen. Damit hatte die 71-Jährige keine Chance mehr, das Geld von der Versicherung des Hausbesitzers erstattet zu bekommen. Obwohl dieser jederzeit dazu bereit gewesen wäre, Schadensersatz und Schmerzensgeld über seine Versicherung regulieren zu lassen, so die Oberhausenerin.

Irgendwann hatte sie genug: Sie suchte sich einen anderen Rechtsanwalt. Sie will ihren Schaden nun von dem zuerst beauftragten Juristen, der die Fristen verstreichen ließ und damit ihrer Ansicht nach schuld daran ist, dass sie bei der Versicherung des Hausbesitzers keinen Schadensersatz geltend machen kann, ersetzt bekommen. Es gab auch schon einige Gerichtstermine in dieser Sache.

Ursprünglich wurde der gesamte Schaden auf über 30 000 Euro geschätzt. Kürzlich endete ein Verfahren vor dem Amtsgericht Weilheim mit der Entscheidung, dass der Anwalt seiner ehemaligen Mandantin 800 Euro zahlen muss plus fünf Prozent Zinsen, die seit dem Jahr 2005 angefallen sind. Bei dieser Summe handelt es sich aber lediglich um den Vorschuss, den die Versicherung des Hausbesitzers vor Jahren bereits an den Anwalt ausgezahlt hatte.

Auch, wenn der Anwalt diesen Anspruch in der Gerichtsverhandlung in Frage stellte – schließlich sei ihm die Oberhausenerin noch seine Anwaltsgebühren schuldig – der Weilheimer Richter sah das anders.

Dennoch ist die Oberhausenerin überzeugt davon, dass sie auch dieses Mal noch warten muss, bis das Geld auf ihrem Konto landet. Sie ist sich sicher, dass der Anwalt in Berufung geht. Denn jedesmal, wenn ein Gericht eine Entscheidung zu Gunsten der Oberhausenerin gefällt hatte, legte der beklagte Anwalt Berufung oder Revision ein, und die Sache ging eine Instanz weiter. In der Schwebe ist also, ob – und wenn ja –, wieviel Schmerzensgeld und Schadensersatz der 71-Jährigen zugesprochen wird.

Kathrin Hauser

Rubriklistenbild: © dpa

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