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Umweltreferent Emeis mahnt „Kulturwandel“ an

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Von: Magnus Reitinger

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Der Fußabdruck in Sachen Klima muss kleiner werden: Stefan Emeis bei Vorstellung einer Aktion in Weilheim. Stadt der kurzen Wege
Der Fußabdruck in Sachen Klima muss kleiner werden: Stefan Emeis bei Vorstellung einer Aktion in Weilheim. Stadt der kurzen Wege © Ralf Ruder

„Ein weiter so mit nur kleinen Korrekturen wird die Probleme nicht lösen“: Weilheims Umweltreferent Stefan Emeis mahnt einen „Kulturwandel“ an, um vor Ort die Klimaziele zu erreichen. Sein Katalog reicht von Verbesserungen für Radler über die Beendigung des Torfabbaus bis zur „Schwammstadt“.

Weilheim – Es war kein depressives Lied, das Stefan Emeis (Grüne) dieser Tage im Weilheimer Stadtrat bei seinem Jahresbericht als Umwelt- und Klimareferent anstimmte. Man habe in Weilheim schon manches erreicht in puncto Klimaschutz, sagte der Meteorologie-Professor, der am Institut für Meteorologie und Klimaforschung des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) in Garmisch-Partenkirchen arbeitet. Mit der städtischen Klimamanagerin Katharina Segerer sei die Arbeit im Klimaausschuss wesentlich effektiver geworden. Im Sommer werde der Energienutzungsplan für die Stadt vorliegen, dem die Erarbeitung eines Klimaschutzkonzeptes folge. Und dass der Stadtbus seit Januar elektrisch fahre, sei „ein ganz wichtiges Zeichen, dass wir auf diesem Weg vorangehen“ – das sind nur drei von mehreren Punkten, die Emeis lobend hervorhob.

Ende des Torfabbaus

Doch die Arbeit geht erst richtig los. Als wichtige Ziele für die nächste Zeit nannte der 65-Jährige: den Aufbau eines Fernwärmenetzes – dieses sei „vermutlich die beste Strategie zur Wärmewende in der Stadt“;
das Fahrradkonzept „mit Leben zu erfüllen“;
Konsequenzen zu ziehen aus der Starkregenrisiko-Karte fürs Stadtgebiet, die das Forschungsprojekt KARE bald liefere: In Bebauungsplänen gelte es beispielsweise reichlich Dachbegrünung und Versickerungsflächen festzulegen, „langfristig muss es in Richtung ,Schwammstadt’ gehen“;
Lösungen zur Beendigung des Torfabbaus im Weilheimer Moos zu finden: Kompensationsflächen wie das Moos oder der Stadtwald seien dringend nötig, trockengelegte Moorflächen („die ca. 25 Tonnen CO2 pro Hektar und Jahr emittieren“) seien da kontraproduktiv.

Zu weit für den Stadtbus

Das Ziel der Klimaneutralität für Weilheim bis 2035 hält Emeis für erreichbar. Bausteine dafür seien ein höherer Anteil erneuerbarer Energien im bundesweiten Strommix, Fernwärme, neue Antriebsarten im Verkehr und klimafreundliche Baustoffe. Doch sei zum Erreichen des Klimaziels auch ein „Kulturwandel“, ein grundsätzliches Umdenken nötig.

Als Beispiel für veraltetes Denken nannte der Grünen-Stadtrat das in den vergangenen Jahren entstandene Gewerbegebiet Achalaich. Dessen Lage „vor den Toren der Stadt“ folge der 89 Jahre alten Charta von Athen, die eine strikte Trennung von funktionalen Einheiten in einer Stadt vorsah – was heute aber unter anderem erhebliche Verkehrsströme verursache. So liege dieses Gewerbegebiet für Fußgänger zu weit von der Stadt weg, ein Radweg dorthin sei schwierig auszuweisen, und für den Stadtbus sei es außerhalb des Konzessionsgebiets. „Also bleibt nur das Auto, selbst für Weilheimer, die dort arbeiten“, folgerte Emeis: „Das kann nicht das letzte Wort in unserer Stadtplanung gewesen sein.“

Stadt der kurzen Wege

Seit 2007 werde international an der Charta von Leipzig gearbeitet, die genau diese strikte Trennung wieder aufhebe und eine „Stadt der kurzen Wege“ als Ziel hat. Die Ziele einer „integrierten, gemeinwohlorientierten Stadtentwicklung“ sollten auch Weilheim bei der zukünftigen Stadt- und Bauplanung leiten, forderte der Klimareferent. So gelte es in Bebauungspläne neben Pflanzlisten etwa auch Baustoffempfehlungen aufzunehmen: „Holz, Lehm und Stroh eignen sich für bestimmte Gebäudeteile ebenso we die klimaschädlichen Stoffe auf Zementbasis.“

Eine Stadt der kurzen Wege werde zudem einen Beitrag leisten zu reduziertem Verkehr, reduziertem Flächenverbrauch und „zur Bewahrung der noch vorhandenen Biodiversität“.

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