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Die Ammermühle in Rottenbuch ist seit Au gust 2015 eine Asylbewerber-Unterkunft.

Ausländerbehörde umstrukturiert

Zuweisungen: Landratsamt erwartet wieder mehr Asylbewerber

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Das Landratsamt hat seine Ausländerbehörde neu aufgestellt. Menschen mit Asylhintergrund werden jetzt zentral in Weilheim betreut. Die Kreisbehörde erwartet, dass die Zahl an Asylbewerbern wieder steigt.

Landkreis – Der Landkreis und die Asylbewerber. Es war ein Thema, das alle Beteiligten intensiv beschäftigte. Im Jahr 2014 stieg die Zahl der Asylbewerber an, der Kreis kaufte damals die Ammermühle in Rottenbuch und das Haus an der Schongauer Pöllandtstraße als zusätzliche Unterkünfte. 2015 folgte die Belegung von Turnhallen, 2016 wurde der Höchststand mit fast 2000 Asylbewerbern erreicht.

800 Asylbewerber

Derzeit werden im Landkreis 800 Asylbewerber in 109 Unterkünften gezählt. Diese Zahlen nennt Helmut Hartl, Sachgebietsleiter „Asyl und Integration“ am Landratsamt. Dazu kommen um die 240 Fehlbeleger – Menschen, deren Asylverfahren abgeschlossen ist und die eigentlich die Unterkunft verlassen müssten. „Das ist ein Riesenproblem“, sagt Hartl. Auch, weil die Tendenz steigend sei, viele Verfahren näherten sich jetzt ihrem Ende.

Zuweisungen steigen wieder

Allein in den großen Gemeinschaftsunterkünften in Penzberg und Schongau, die von der Regierung von Oberbayern betrieben werden, leben jeweils rund 100 Menschen. In der Rottenbucher Ammermühle sind es 70 Personen, am Leprosenweg in Weilheim circa 60, rund 70 in Altenstadt. Dazu kommen Asylbewerber in angemieteten Wohnungen und Häusern. Dass die Gesamtzahlen weiter zurückgehen, erwartet man allerdings nicht. Im Gegenteil: Im Landkreis werde man sich auf einem Stand von 1200 bis 1300 Asylbewerbern bewegen, rechnet Hartl vor. Abteilungsleiter Matthias Seitz rechnet mit weiteren Zuweisungen aus den Ankerzentren, vor allem München, in den nächsten sechs Monaten. „Hauptsächlich sind es jetzt Familien.“ Eine Dimension, die jedoch keine Sorgen mehr machen wie vor ein paar Jahren. „Damit kann man umgehen“, bekräftigt Hartl. „Die Lage ist ruhig und entspannt.“

Personal kräftig aufgestockt

Das liegt auch daran, dass sich die Abläufe eingespielt haben. Das Landratamt hatte das zuständige Personal kräftig aufgestockt. Seit Februar gibt es zudem eine organisatorische Änderung mit dem zweiten Sachgebiet „Ausländerwesen“. Dort wurde die Betreuung von „Bürgern mit Flüchtlingshintergrund“, wie es sperrig heißt, zentralisiert. Anerkannte oder abgelehnte Asylbewerber haben ab sofort ihre Ansprechpartner in der Dienststelle Weilheim, an der Steinhartstraße. „Das hat logistische Vorteile“, begründet Abteilungsleiter Seitz die neue Organisation. Denn bislang galt: Asylbewerber werden so lange in Weilheim betreut bis ihr Verfahren rechtskräftig beendet war – danach waren je nach Wohnort entweder die Dienststellen in Schongau oder in Weilheim für sie zuständig. Nun würden die Sachbearbeiter nicht mehr so häufig wechseln, auch gebe es eine bessere interne Kommunikation, hört man von Seitz. Was zudem Vorteile für die Kunden habe: Der feste Sachbearbeiter „kennt die Lebensgeschichte“, sagt der Abteilungsleiter. „Er braucht sich nicht neu in den Akt einlesen“, ergänzt Helene Lipp, stellvertretende Sachgebietsleiterin. Am aufgestockten Personal ändert sich nichts. Maximal 62 Mitarbeiter waren es einst, aktuell arbeiten 61 Kollegen in beiden Sachgebieten. Es bleibt genug zu tun. „Die Arbeit hat sich inhaltlich verändert“, sagt Lipp.

Helferkreise bluten aus

Geblieben sind aber alte Probleme. Vor allem geht die Zahl an Ehrenamtlichen in den Helferkreisen zurück. „Zu unserem Leidwesen“, kommentiert es Hartl. Zu Spitzenzeiten hatten sich rund 900 Menschen engagiert. Doch viele sind frustriert und ausgebrannt. Dabei sei deren Arbeit immer noch wichtig, heißt es. „Auch für anerkannte Asylbewerber sind sie eine wichtige Stütze“, weiß Abteilungsleiter Seitz – gerade bei der Suche nach einem Job oder einer Wohnung. Letztere werden im Landkreis dringend benötigt. Eigentümer „können uns jederzeit eine Wohnung anbieten“, bittet Hartl deshalb. „Gerade für zugezogene Familien.“

Große Heime bleiben vorerst

Dass die großen Asylunterkünfte des Landkreises geschlossen werden, ist in absehbarer Zeit nicht zu erwarten. „Die werden mit Sicherheit weiterbetrieben“, sagt Landrätin Andrea Jochner-Weiß. In der Regel laufen die Mietverträge des Landratsamts mit der Regierung von Oberbayern über zehn Jahre. Die Zeiten werden „wahrscheinlich voll genutzt“. Auch als Vorsorge, wenn die Flüchtlingszahlen steigen. Eine Verlängerung der Mietdauer wäre mit Sicherheit möglich, erklärt Jochner-Weiß – „aber da müssen wir die Kommune mitnehmen.“ Im Jahr 2025 läuft zum Beispiel der Vertrag zur Ammermühle in Rottenbuch aus. Wird diese nicht weiter als Unterkunft genutzt, gibt es einen Plan im Landratsamt: Die ehemalige Herzklinik soll Jugendheim werden. Im Landkreis wurden 2018 zwei größere Unterkünfte geschlossen: In Wildsteig hatte das Landratsamt den Mietvertrag mit dem Eigentümer nicht verlängert, in Pähl ließ der Freistaat den Vertrag mit dem Besitzer der Hirschbergalm auslaufen.

Kontakt und Infos

Die neuen Zuständigkeiten in der Ausländerbehörde sind auf www.weilheim-schongau.de zu finden. Wohnungsangebote können an das Landratsamt (Telefon 0881/681-1437 oder 681-1450) gerichtet werden.

Lesen Sie auch: Asylbewerberheim in Wildsteig schließt.

Ebenfalls interessant: Rottenbucher Ammermühle bleibt noch Asylheim - Landrätin weist Vorwürfe zurück.

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