Das Coronajahr 2020 mit seinen Lockdowns hat auch auf dem Arbeitsmarkt im Landkreis deutliche Spuren hinterlassen. So meldeten sich viel mehr Menschen arbeitslos als noch 2019.
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Das Coronajahr 2020 mit seinen Lockdowns hat auch auf dem Arbeitsmarkt im Landkreis deutliche Spuren hinterlassen. So meldeten sich viel mehr Menschen arbeitslos als noch 2019.

12175 Menschen im Landkreis arbeitslos geworden

Arbeitsmarkt: Auf und Ab im 1. Coronajahr

  • Stephanie Uehlein
    vonStephanie Uehlein
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12 175 Menschen sind im vergangenen Jahr im Bezirk der Arbeitsagentur Weilheim arbeitslos geworden, das ist gegenüber dem Jahr davor eine Steigerung von 37,6 Prozent. Diese Zahlen veröffentlichte die Agentur in ihrem Abschlussbericht für 2020. Und sie stellt fest: Die Corona-Pandemie hat „deutliche Spuren“ hinterlassen.

Weilheim – „Nachdem das Jahr 2020 anfangs noch dem positiven Trend der vergangenen Jahre folgte, traf der erste Lockdown im März des Jahres den Arbeitsmarkt mit ganzer Wucht“, heißt es im Jahresbericht der Agentur für Arbeit Weilheim, die für die Landkreise Weilheim-Schongau, Garmisch-Partenkirchen, Landsberg, Starnberg und Fürstenfeldbruck zuständig ist. Die Kurve zu den Arbeitslosenzahlen im Landkreis Weilheim-Schongau kletterte infolge der Corona-Krise bis August immer weiter nach oben – auf 2470. Am Jahresende lag die Zahl dann bei 2187 (Stichtag: 10. 12.). Die Arbeitslosenquote im Dezember betrug 2,9 Prozent – der höchste Dezember-Wert seit 2009. Um 11,3 Prozent geringer als 2019 war war in dem Monat die Zahl der zu vermittelnden Stellen.

„Ohne den massiven Einsatz von Kurzarbeit“ wären laut Oliver Wackenhut, Vorsitzender der Agentur-Geschäftsführung, „viel mehr sozialversicherungspflichtige Beschäftigungsverhältnisse verloren gegangen“. Im Mai wurden in Bezug auf das gesamte Jahr 2020 im Agenturbezirk die meisten Kurzarbeiter verzeichnet: 39 384 (davon Landkreis Weilheim-Schongau: circa 7500).

Viele Branchen von pandemiebedingtem Beschäftigungsrückgang betroffen

Bei den Jahresausgaben der Agentur Weilheim schlägt das Kurzarbeitergeld am meisten zu Buche. Nach Berechnungen betragen die damit verbundenen Kosten knapp 150 Millionen Euro, davon über 83 Millionen Euro für das Kurzarbeitergeld und über 64 Millionen Euro für die Sozialversicherungsbeiträge der Arbeitnehmer.

Vom pandemiebedingten Beschäftigungsrückgang waren im Agenturbezirk viele Brachen betroffen – der Dienstleistungsbereich (etwa das Gastgewerbe) genauso wie der Handel und das Gesundheitswesen. „Es gab aber auch konstante Branchen, teilweise sogar mit geringem Beschäftigungszuwachs“, stellt die Agentur in ihrem Bericht fest. Dazu gehörten etwa die öffentliche Verwaltung, der Bereich „Erziehung und Unterricht“ und das Baugewerbe. Bis 30. Juni, einem Stichtag, konnte der Agenturbezirk sogar eine leichte Steigerung bei der Beschäftigung verzeichnen: Es gab 224 793 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte, 419 mehr als ein Jahr zuvor.

Als die coronabedingten staatlichen Einschränkungen gelockert wurden, machte sich das auch auf dem Arbeitsmarkt im Landkreis bemerkbar: Ab Mitte Mai kam es vor allem in den Bereichen „Gastronomie“ und „Einzelhandel“ zu Neueinstellungen. Die Kurve der sogenannten Abgänge aus Arbeitslosigkeit bewegte sich bis in den Herbst hinein nach oben – die meisten Abgänge seit März gab es mit 708 im Oktober.

Auftragsarme Phase nutzen, um Beschäftigte fortzubilden

„Nach einer ausgesprochen guten Herbstbelebung dämpfen die weltweite zweite Corona-Welle und der Lockdown in Deutschland die wirtschaftliche Erholung“, so die Agentur. Der Aufschwung sei zum Ausklang der Jahres gebremst worden. Laut Wackenhut ist der regionale Arbeitsmarkt aber 2020 besser durch die Krise gekommen, als zu befürchten war. „Alles in allem noch ein verträglicher Abschluss, nachdem nicht abzusehen war, wie sich das vergangene Jahr entwickeln würde. Es gab für diese Krisensituation ja keine Blaupause für uns“, wird der Agentur-Chef im Jahresbericht zitiert.

Wackenhut ermutigt die Unternehmen, die auftragsarme Phase zu nutzen, um Beschäftigte fortzubilden: „Zeiten des pandemiebedingten Bezuges von Kurzarbeitergeld sollten verstärkt für berufliche Weiterbildung genutzt werden.“

„Unsere Berufsberaterinnen und Berufsberater können zwar momentan keine Präsenzveranstaltungen an den Schulen wie etwa Berufsorientierungs-Veranstaltungen und Beratungstermine anbieten“, sagt Wackenhut, „doch wir müssen besonderes Augenmerk darauflegen, die Jugendlichen zu erreichen, um keine Corona-Jahrgänge entstehen zu lassen.“ Durch Beratung per Telefon oder Videokommunikation könne die Agentur in Kontakt mit jungen Menschen bleiben.

An den Strukturen innerhalb der Arbeitsagentur hat die Corona-Zeit diverse Spuren hinterlassen. „Innerhalb kürzester Zeit mussten wir unseren Arbeitsbetrieb und die gesamte Organisation umstrukturieren. Die Bearbeitung der Anzeigen und Anträge im Zusammenhang mit Kurzarbeit erforderten einen zusätzlichen Personaleinsatz, hier wurde immens aufgestockt“, wird Wackenhut zitiert. Die Agentur habe „auffangen“ müssen, dass Arbeitsbereiche verwaist waren, weil die Mitarbeiter anderweitig eingesetzt wurden. „Ohne das große Engagement aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die Übernahme zusätzlicher Aufgaben und die Bereitschaft zu Wochenendarbeit und Überstunden“ wäre die Bewältigung des Ansturmes laut dem Agentur-Chef „kaum möglich gewesen“.

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