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Der Lagerturm (links) soll unter anderem auf dem BayWa-Gelände verschwinden.

Landratsamt schreitet ein

BayWa in Weilheim: Turmfalken stoppen Turm-Abriss

  • Andreas Baar
    vonAndreas Baar
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Das Landratsamt hat den Abriss des markanten BayWa-Turms in Weilheim gestoppt. Grund ist der Artenschutz.

Weilheim – Im Weilheimer Landratsamt ging am 21. April bei der Unteren Naturschutzbehörde ein Hinweis aus der Bevölkerung ein. Der besorgte Bürger teilte mit, dass um den BayWa-Lagerturm, ein Wahrzeichen in der Kreisstadt, zwei Turmfalken kreisen würden. Ausgerechnet jetzt, nachdem das Unternehmen mit dem Abriss begonnen hatte.

Zwei Turmfalken kreisten

Der Hinweis hatte Folgen. Eine Mitarbeiterin des fachlichen Naturschutzes und ein Baukontrolleur fuhren noch am gleichen Tag an die Münchener Straße. „Vor Ort konnten zwei Turmfalken beobachten werden, die während der laufenden Abrissarbeiten immer wieder Anflugversuche auf den Turm starteten“, teilt Landratsamtssprecher Hans Rehbehn auf Nachfrage mit. „Infolgedessen stellten wir die Bauarbeiten ein.“

Nistplatz ist möglich

Die BayWa leistete dem sofort Folge. Die artenschutzrechtlichen Bedenken der Kreisbehörde „beziehen sich auf die Möglichkeit, dass der Turm von einem Turmfalkenpaar als Nistplatz genutzt werden könnte“, heißt es aus der Münchener Zentrale. Die BayWa habe im Vorfeld, noch vor Beginn der Abbrucharbeiten, in Abstimmung mit dem Landesbund für Vogelschutz einen Ersatznistplatz für das Turmfalkenpaar eingerichtet und damit die in der Baugenehmigung von 2015 enthaltene Auflage erfüllt, teilt Pressereferentin Maria Crusius mit.

Baugenehmigung von 2015

Der Abbruch des Turms sei zwar dem Landratsamt fristgerecht angezeigt worden, allerdings habe man den in der Baugenehmigung von 2015 festgelegte Zeitraum für die Abbrucharbeiten wegen Verzögerungen nicht einhalten können. „Die zeitliche Vorgabe aus der Baugenehmigung wurde deshalb überschritten“, bedauert das Unternehmen.

Turmfalke unter EU-Schutz

Hintergrund: Der Turmfalke fliegt unter dem Schirm der EU-Vogelschutzrichtlinie. Als besonders geschützte Art greift bei ihm das Bundesnaturschutzgesetz. Deshalb erteilt das Landratsamt laut Sprecher Rehbehn seine Genehmigungen „regelmäßig mit Nebenbestimmungen“ – etwa ein Abriss nur außerhalb der Brutzeit, also von 1. Oktober bis 28. Februar. Überwacht werde alles von der Höheren Naturschutzbehörde, deshalb sei die Regierung von Oberbayern über die Vorgänge in Weilheim informiert worden.

Gespräche über Bauarbeiten

Derzeit ist unklar, wie es auf dem Gelände weitergeht. Zum Zeitpunkt des Baustopps habe der Abbruch „bereits einen Fortgang erreicht, der eine Überprüfung der Standsicherheit verlangt, um eine etwaige Gefährdung durch unkontrollierten Einsturz oder herabfallende Teile auszuschließen“, so die Sprecherin. Crusius zufolge steht das Unternehmen derzeit im engen Austausch mit Kreisbehörde und Regierung von Oberbayern, um das weitere Vorgehen zu klären.

Bußgelder drohen

Konkretes kann auch das Landratsamt nicht sagen. „Wir befinden wir uns noch bei der Sachverhaltsermittlung“, so Sprecher Rehbehn. Lägen belastbare Ergebnisse vor, werde entschieden, wie es mit der Baueinstellung weiter geht. Dem Konzern könnte Ungemach drohen: Im Bundesnaturschutzgesetz sind Bußgeld- beziehungsweise Straftatbestände für Verstöße gegen den besonderen Artenschutz geregelt. Verfolgt werden diese aber nicht vom Landratsamt, sondern von der Regierung von Oberbayern oder der Staatsanwaltschaft.

Das plant die BayWa

Der Abriss des Weilheimer BayWa-Turms ist Teil eines großen Bauprojekts auf dem Gelände an der Münchener Straße (wir berichteten). Der dortige Baustoffbetrieb soll die frei werdenden Flächen für eine „Erweiterung und Modernisierung“ nutzen, heißt es aus der Konzernzentrale. Die Stadt hatte dem Vorhaben bereits 2015 seinen Segen erteilt. Wie BayWa-Pressereferentin Maria Crusius auf Anfrage mitteilt, sollen eine neue Lagerhalle sowie ein Büro- und Verkaufsgebäude mit Ausstellungsflächen entstehen. Zuerst wird das jetzige Agrargebäude einschließlich Turm abgebrochen, dann erfolgt der Neubau des Baustoffgebäudes mit Büro- und Verkaufsflächen. In einem dritten Abschnitt ist der Abbruch des bestehenden Bürogebäudes vorgesehen. Den Schlusspunkt setzt die Errichtung einer neuen Lagerhalle für Baustoffe. Die Fertigstellung und Eröffnung des Komplexes ist für Herbst 2021 angepeilt. „Der Betrieb bei den Baustoffen wird während der gesamten Bauphase aufrechterhalten“, so die Sprecherin. 

Rund 2,5 Millionen Euro

Die BayWa investiert nach eigenen Angaben in den Standort Weilheim rund 2,5 Millionen Euro. Dass das Vorhaben erst jetzt gestartet wurde, dafür führt das Unternehmen interne Gründe an: Das grundsätzliche Konzept für die Baustoffbetriebe sei überarbeitet worden. „Die Pläne für Weilheim wurden dem angepasst“, so Crusius. „Abbruch und Neubauplanung müssen aufeinander abgestimmt werden, was Zeit erfordert“.

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