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Farbmischungen der besonderen Art: Astrid Stöppel hat ihren eigenen Kompositionsstil entwickelt – der seine Abnehmer findet. 

Astrid Stöppel im Porträt

Neue Karriere mit Acryl

Weilheim – Astrid Stöppel ist bekannt im Landkreis Weilheim-Schongau. Wer den zweiten Stock des gleichnamigen Buchladens in Weilheims Innenstadt betritt, der trifft dort auf die 42-Jährige, deren Leidenschaft die Malerei ist.

Nach der Übergabe des Familienbetriebs der Eltern an sie und ihren Bruder Robert vor vielen Jahren, hat Astrid Stöppel dort etwas aufgebaut. Neben Kinder- und Jugendbücher, diversen Kalendern, Geschenkartikeln und Spielwaren findet man dort auch mit Bastel- und vor allem Künstlerbedarf ein Angebot, das seit fünf Jahren eine wichtige Rolle im Leben der Weilheimerin spielt. Denn dass Astrid Stöppel dabei ist, sich weltweit einen Namen als Malerin zu machen, hängt damit zusammen.

Das Ganze grenzt an ein kleines Wunder – mit dieser Art von Karriere hat Astrid Stöppel nicht gerechnet. Geplant war etwas ganz anderes in ihrem Leben. Nach dem Abitur studierte sie in Erlangen und München Biologie und Humangenetik. Immer schon hatte sie sich für Naturwissenschaften interessiert. Als sie dann in München Arbeit in einem Labor fand, hat ihr das nicht so gut gefallen. „Ich hatte mir das ganz anders vorgestellt, nicht so stupide“, sagt sie. Besonders kreativ sein, so wie es ihr irgendwie liegt, das konnte sie in diesem Beruf nicht. Und so war es Astrid Stöppel sogar ganz recht, immer tiefer in den Familienbetrieb einzusteigen, dort in eigener Regie die zweite Etage aufzubauen.

Zeitgleich ging auch die Familienplanung los, Heirat, und mit 27 Jahren bekam sie ihre Tochter. Weiterhin verlief dann aber alles anders als geplant. Vor allem die Trennung von ihrem Mann natürlich nicht. „Ich musste da irgendetwas tun, was mich entspannt“, erklärt sie rückblickend. Sie grub ihr altes Hobby, das Malen, aus. Schon als Kind hatte sie gern mit Farben hantiert und experimentiert. Nichts Gegenständliches brachte sie auf die Leinwand, eher abstrakten Farbkompositionen widmete sich Astrid Stöppel von da an. „Ich habe alles ausprobiert, was es so an Farben gibt“, erinnert sich die Weilheimerin. Neben Aquarell-, Öl- und diversen anderen, blieb sie dann bei Acrylfarben hängen und begann, systematisch damit zu arbeiten.

Zunächst stattete sie ihr neues Eigenheim in Unterhausen mit Bildern aus. „Für jedes Zimmer wählte ich andere Farben“, sagt sie. Im Essbereich des großen, hellen Wohnzimmers hängen passend zu dunkelgelben und roten Stühlen zwei großformatige Bilder in dieser Farbkomposition. In einem Raum herrscht die Farbe Blau, in einem anderen Grau.

Gemalt wird meist entspannt im Sitzen

„Ich male meist sitzend auf der Erde und kann dabei total abschalten“, sagt Astrid Stöppel. Von der Arbeit in der Buchhandlung und auch von emotionalem Stress gelingt ihr das. Als sie mit dem Malrausch anfing, hat sie zuerst versucht, etwas abzumalen. Aber das ging irgendwie gar nicht. Astrid Stöppel liebt einfach Farben, das Mischen derselben und das Kombinieren. Sie stellte fest, dass manche Farben, die man nie zusammen verwenden würde, doch harmonisieren können, wenn man, ja wenn man eben einen eigenen Stil entwickelt und der Kreativität freien Lauf lässt, so wie sie das tut.

Ganz eigenartige Bilder sind es, in denen man sich beim Betrachten verlieren kann. „Entweder vertiefen sich die Menschen darin oder sie sind erst gar nicht interessiert“, sagt sie über ihren eigenwilligen Stil. „Alle Kunstrichtungen sind bewundernswert“, so Astrid Stöppel. Nicht nur die vielen Kunstbücher im Regal des Wohnzimmers bezeugen, dass sie sich von den Werken anderer Künstler inspirieren lässt. „Ich gehe unglaublich gern in Kunstmuseen“, erklärt sie. Dass sie in Paris, London, Mailand, Florenz und anderen bedeutenden Kunst-Städten die Chance hat, solche Museen zu besuchen, ist das Wunder, das Astrid Stöppel weiterhin passiert ist.

Alles fing damit an, dass ihre Mutter sie fragte, ob sie nicht einige ihrer schönen Bilder ins Schaufenster der Buchhandlung hängen wolle. So zur Dekoration halt. 2012 war das. Und was ursprünglich nur als Deko gedacht war, wurde der berühmte Stein, der ins Rollen kam. „Die Leute sind zu mir gekommen, und ich habe in kürzester Zeit alle Bilder verkauft“, sagt Astrid Stöppel. Eine vollkommen neue Erfahrung war das. Sie kannte sich als autodidaktische Malerin gar nicht aus mit den Preisen, mit dem ganzen verkaufstechnischen Drumherum. „Ich habe unheimlich viel hinzugelernt“, erklärt sie. Nach diesem überraschenden Erfolg stellte sie sich und ihre Kunst in verschiedenen sozialen Netzwerken vor. Eigentlich ohne einen konkreten Plan. Und dann wurde man auf ihre Bilder aufmerksam.

Erst Florenz, dann London

Es kamen plötzlich Anfragen von verschiedenen Galerien aus der ganzen Welt. „Ich hatte das gar nicht forciert“, sagt Astrid Stöppel. Sie ist der Meinung, dass bei ihr der Sprung in die Galerien nur gelang, da sie nichts erzwingen wollte. Und das brauchte sie auch gar nicht. Nach ihrer ersten Ausstellung 2014 in einer kleinen Galerie in Florenz bastelte sie ihre eigene Homepage, auf der sie auch ihre Bilder zum Verkauf anbietet. Und der läuft hervorragend. 2015 kam dann London auf sie zu. Nach dieser Ausstellung mit sehr viel Rückmeldung ging es Schlag auf Schlag weiter mit ihrer Karriere als Malerin. In Rom, Mailand, Bergamo und Riccione waren ihre Bilder zu sehen. Für sie als Italienfan ein wahres Fest. Aber auch in Weilheim stellte sie Bilder aus. Im August und September vergangenen Jahres konnte man im Sparkassenforum 15 ihrer „Colorful acrylics“ betrachten. „Ich war total dankbar für diese Chance, hier ausstellen zu dürfen“, sagt Astrid Stöppel. Drei Ausstellungen pro Jahr plant sie nun. Im April geht es schon nach Paris. Dort dürfen 50 Künstlerinnen jeweils ein Bild präsentieren. Welches sie nehmen wird? Astrid Stöppel überlegt kurz: „Ich entscheide das aus dem Bauch heraus“, lacht die 42-Jährige. Im Mai geht es dann nach Antwerpen.

Überraschenderweise haben aber noch andere Dinge Platz in ihrem Leben. Natürlich ist da das Lesen. „Ich mag derzeit Jugendbücher und bespreche sie mit meiner Tochter“, erklärt Stöppel. Dann zeigt sie auf das Bücherregal, in dem neben Kunst- auch eine Unmenge Backbücher zu finden sind. Backen ist eine weitere Leidenschaft der Malerin. So schön haptisch. Aber die Bücher sind hierbei vollkommen sinnlos, denn Stöppel ist da lieber kreativ und denkt sich vom Brot über Kuchen und Plätzchen selbst etwas aus. Und dann reist sie gern mit ihrer Tochter und ihrem Lebensgefährten. Am liebsten nach Italien, vor allem auch der Farben wegen, die dort so einmalig sind. „Ich bin zufrieden“, sagt Astrid Stöppel. Für sie passt alles.

Regina Wahl-Geiger

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