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Gemeinsam zurück und nach vorne blicken: Zweiter Bürgermeister Horst Martin (l.) feierte mit rund 150 Gästen das fünfjährige Bestehen von „Asyl im Oberland“ im Weilheimer Stadttheater. foto : Gronau

fünf Jahre „asyl im Oberland“

Kritische Töne zur Asylpolitik

Musik aus Afrika und Bayern, Kabarett und ein Rückblick auf die nicht immer einfache Anfangszeit der Asylhelfer: Bei der Feier zum fünfjährigen Bestehen von „Asyl im Oberland“ erwarteten die Gäste lustige, aber auch nachdenklich stimmende Einlagen. Im Fokus standen vor allem kritische Töne zur deutschen Asylpolitik.

Weilheim – Gut 150 Gäste waren am Samstag zum Jubiläumsabend der Organisation „Asyl im Oberland“ gekommen, der im Stadttheater und anschließend im Pfarrheim „Miteinander“ abgehalten wurde. Bei bayerischer und afrikanischer Musik, darunter „Z’nachts bin ich spaat außiganga“, gesungen von Mohcine Ramdan, blickten die Asylhelfer zurück und nach vorn.

Vor über fünf Jahren, im Mai 2013, kamen die ersten Asylbewerber. Sieben von ihnen lebten damals in Weilheim, 24 in Wielenbach. Eine große Herausforderung war der starke Zuzug von Migranten vor zwei Jahren.

Die Helfer, die sich in 28 Unterstützerkreisen zusammengefunden hatten, besorgten Kleidung und organisierten Deutschunterricht. Die Kleidung ist heute kein Problem mehr, der Deutschunterricht für die Migranten, die in 24 Kommunen des Landkreises leben, ist aber weiterhin notwendig. Dass keiner der ersten Bürgermeister der betroffenen Kommunen anwesend war, lag nicht an deren Desinteresse, wie die Besucher aus einer Video-Botschaft von Werner Grünbauer erfuhren. Die Landrätin habe die Bürgermeister an diesem Wochenende „zu einem Trainingslager nach Südtirol eingeladen“, so der Pähler Bürgermeister. Anschließend wurden noch weitere Botschaften der Kommunalpolitiker präsentiert.

Der Direktor der Herzogsägmühle, Winfried Knorr, übte Kritik an einer Partei, die „Kreuze aufhängen lässt“, aber nicht deren Botschaft, die Nächsten- und Fremdenliebe, lebe. Dafür gab es lang anhaltenden Applaus. Karl-Heinz Grehl, der nicht als stellvertretender Landrat, sondern als Vertreter der „Grünen“ sprach, bemängelte die einseitige öffentliche Darstellung der Problematik. 1200 zu Unrecht bewilligte Asylanträge stünden so im Mittelpunkt des öffentlichen Interesses, nicht die 31 000 zu Unrecht abgelehnten Asylbewerber.

Die ernste Thematik wurde in teils heiteren, teil nachdenklich stimmenden Kabarett-Einlagen beleuchtet. So begrüßte Knorr bei der Fortsetzung der Feier im Pfarrheim „Miteinander“ die Anwesenden als „Industrielle“. Er beziehe sich damit auf eine Formulierung von Alexander Dobrindt, der die Asylhilfe als Anti-Abschiebe-Industrie bezeichnet habe. Auch für das aufhängepflichtige Kreuz hat Knorr seine eigene Interpretation. „Kreuz heißt – das weiß man aus der Fahrschu- le: Rechts hat Vorfahrt.“

Dass man Angst vor Kreuzspinnen oder selbstfahrenden Autos habe, dafür haben Silvana und Thomas Prosperi Verständnis, nicht aber für Angst vor Asylbewerbern. Dies sollten auch die „Halbleiter der deutschen Leitkultur“ verstehen. Freiheit komme nicht von selbst, man müsse sich dafür einsetzen.

Die Migration ist laut Jost Herrmann, der nach zwei Jahren als Koordinator der Helferkreise als Pfarrer nach Schongau geht, nicht beendet: „Solange die Probleme nicht vor Ort gelöst werden, begeben sich Menschen auf die Flucht.“ Alfred Schubert

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