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Kolping-Akademiebetrat Neuland Abschied von der Gartenidylle: (hinten v.l.) Moharena Ybrah, Tobias Großklaus, Betreuerin Hilde Widmann, Hussam Saffour und Mustafa Aboo sowie (vorn) Betreuerin Sigrid Stacklies und Kabatt Abdo. Die Boot-Skulptur hatte die Gruppe in der Kolping-Werkstatt als Symbol ihrer Flucht selbst gebaut – es soll in einen Weilheimer Garten kommen.

Minderjährige Flüchtlinge

Asyl-Wohngruppe wegen Erfolgs aufgelöst

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Fast drei Jahre lebten unbegleitete minderjährige Flüchtlinge in einer Wohngruppe in Weilheim. Jetzt wird sie aufgelöst. Die Bewohner sind erwachsen und starten ins Berufsleben. Die Kolping-Akademie ist mit dem einmaligen Projekt zufrieden.

Weilheim– Im November 2015 startete an der Böbinger Straße in Weilheim ein besonderes Betreuungsprojekt: Die Kolping-Akademie Landbergs hatte an ihrem Standort ein privates Reihenhaus angemietet. Sechs minderjährige unbegleitete Flüchtlinge zogen ein. Die Idee: Sie leben als Wohngruppe zusammen, betreut von einem täglichen Nachtdienst von 16.30 Uhr bis 8 Uhr. Die Akademie – die unter anderem Aus- und Weiterbildung, auch für Flüchtlinge, anbietet – betrat mit dem Projekt Neuland: Weilheim, mit Starnberg und Fürstenfeldbruck eine der drei Außenstellen, ist bis heute der einzige Standort. „Wir wollten den jungen Menschen ein Zuhause bieten“, sagt Regionalleiter Tobias Großklaus – „einen Ort der Ruhe, nach allem, was sie erlebt hatten.“

Nun wird die Wohngruppe Ende Juli aufgelöst. „Wir haben das Ziel erreicht“, bilanziert Großklaus. Die mittlerweile erwachsenen Männer haben einen großen Schritt in Richtung Integration und Berufsleben getan. Die jetzt fünfköpfige Gruppe hat Ausbildungsplätze gefunden beziehungsweise strebt einen Schulabschluss an. Großklaus blickt zufrieden auf das Erreichte. Wobei der Anfang nicht leicht für alle Beteiligten war. Größtes Problem: „Die Sprache war nicht da“, erinnert sich der Einrichtungsleiter an die Defizite seiner Schützlinge. Das erste halbe Jahr sorgte die Akademie selbst für Unterricht, die jungen Männer arbeiteten in der Werkstatt im Trifthof. Es folgten Sprachkurse. Doch auch im Reihenhaus musste eine Basis geschaffen werden. „Es ist nötig, dass man das Zusammenleben regelt“, betont Großklaus. „Es braucht gewisse Strukturen.“ Und so hängen im Flur Zettel mit Verhaltensregeln. Das reicht vom „Licht aus“-Hinweis über Küchenzeiten bis zu Behördeninfos, Busfahrplänen und einem Stadtplan.

Am großen Tisch im Wohnzimmer sitzen nun fünf junge Männer und erinnern sich an ihre Zeit in dem ruhigen Wohngebiet. Die Syrer Kabatt Abdo (20), Hussam Saffour (19) und Mustafa Aboo (19) sowie Moharena Ybrah (19) aus Eritrea. Ein 18-jähriger Syrer fehlt an diesem Tag. Sie waren über die Regierung von Oberbayern aus der Münchener Bayernkaserne und über das Landratsamt an die Akademie vermittelt worden. Großklaus hebt die „sehr gute Zusammenarbeit“ mit dem Jugendamt hervor. Damals Ende 2015 war er extra durch die Nachbarschaft gegangen und hatte das Projekt vorgestellt. Was den Start erleichterte.

„Wir standen mit Tüten vor der Haustür“, schmunzelt Kabatt Abdo über den Einzug. Sein Fazit: „Das Leben war gut hier.“ Der anerkannte Flüchtling fängt im September in Raisting eine Lehre als Spengler an. Sein Traum war Industriemechaniker gewesen, aber da gab es nur Absagen. Auch die anderen haben es geschafft: Mustafa Aboo startet in Weilheim eine Malerausbildung. Moharena Ybrah ebenfalls in der Kreisstadt als Landschaftsgärtner. Hussam Saffour drückt die Schulbank: Seit September 2017 besucht er an den Oberlandschulen den kaufmännischen Zweig. Sein Ziel ist der Realschulabschluss. „Ich will noch das Abitur machen.“

Die jungen Männer stehen nun auf eigenen Füßen. Dazu gehört eine eigene Wohnung. Kabatt Abdo hat seit zwei Wochen ein Domizil, dafür hatte er sich bei der Wohnbau Weilheim beworben. Mustaffa Abdo und Moharena Ybrah ziehen zusammen, die Räumlichkeit hat einer der Chefs organisiert. Nur Hussam Saffour sucht eine Bleibe. „Sie haben erlebt, dass nicht jeder Deutsche gern an Flüchtlinge vermietet“, sagt Akademie-Mann Großklaus.

Die Akademie führt das Wohnprojekt nicht fort. Es kämen keine Kandidaten mehr nach, so Großklaus.

Wohnungsangebote

an die Kolping Akademie in Weilheim unter Telefon 0881/9258950 (Trifthofstraße 58a), Tel. 0881/9247543 (Rathausplatz 15) sowie E-Mail an weilheim@die-kolping-akademie.de.

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