+
Bei Iris von Huene (r.) in Aidenried zeigte auch Ulissa ihre Werke.

Ateliertage des Kunstforums Weilheim

Chaos oder Ordnung?

29 Künstler aus dem Landkreis und darüber hinaus machten bei den Ateliertagen des Kunstforums Weilheim mit. Wer wollte, konnte sie und ihre Arbeiten direkt vor Ort erleben.

Weilheim/Landkreis – Eine heftige Windböe hat die im Garten arrangierten Kunstwerke derangiert. Ulissa eilt herbei, um die herab gestürzten Bilder auf die Staffelei zurück zu stellen. Über die Seestraße hinweg kann man aus dem großen Garten des Ateliers von Iris von Huene in Aidenried einen Blick auf den Ammersee erhaschen. In dieser stürmischen Vorgewitter-Stimmung blitzt er türkis schimmernd durch die Bäume. Wie zahlreiche Kollegen in Böbing, Hohenfurch, Neu-Egling, Peißenberg, Polling, Schongau, Wessobrunn und Weilheim hat auch Bildhauerin Iris von Huene ihr Atelier für Besucher geöffnet. Und sie hat sich einen Gast ins Atelier geladen: Ulissa.

Die in Pähl lebende Künstlerin bezeichnet sich als „Reisemalerin“. „Ich reise leidenschaftlich gerne und gehe dann vor Ort auf Motivsuche.“ Bei der studierten Modedesignerin hat sich „die freie künstlerische Arbeit irgendwann Bahn gebrochen“. Hier im Aidenrieder Garten sind Arbeiten aus ihrer Serie „Brauchtum in Acryl“ zu sehen. Dekorativ im Baum hängt ein großes Gemälde, das die Kirtahutschn in Raisting zeigt. Daneben, passend zur Wiesneröffnung, ein Kettenkarussell auf dem Oktoberfest. Weiter hinten im Garten finden sich Arbeiten aus Schwemmholz mit Bronze-Elementen. „Im Schwemmholz sehe ich etwas Organisches, das in Spannung gesetzt wird mit Bronzedetails, also metallischen Elementen“, erklärt Ulissa. Als Klammer zum Schaffen ihrer Gastgeberin sieht die Malerin ihre „Skulpturzitate“: „Ich komme ja von der Zeichnung her, und hier zitiere ich Arbeiten verschiedener Künstler wie Egon Stöckle, Markus Lüpertz oder Egon Baselitz.“

Vom idyllischen Garten am Ammersee geht es auf kulturhistorisch bedeutsames Terrain. Das Atelier des Malers Michael Kreuter befindet sich in der Mühle des Pollinger Klosters. Ein äußerst atmosphärischer Arbeits- wie Ausstellungsraum! Großformatige Gemälde mit leuchtenden Farben hängen ringsum. Entspannte Jazz-Musik empfängt den Besucher. 2005, als er seine Tätigkeit für das Goethe-Institut beendete und einen neuen Wohnsitz suchte, landtete Kreuter zufällig in Polling, ohne mit der bedeutsamen Geschichte vertraut zu sein. „Dass wir ein ‚Thomas-Mann-Wohnzimmer’ unser Eigen nennen dürfen, das architektonische Juwel des Bibliotheksaales – das wurde uns erst nach und nach bewusst“, sagt er. Die alte Mühle eroberte sich Kreuter umgehend; in den fünf Stockwerken kann er walten wie er mag. Seine Arbeiten teilt der Maler in zwei Schaffensphasen ein: Die erste von 1968 bis 1986, und nach einer Übergangsphase begann 1996 die zweite. „Ich male nur noch mit der Hand“, erklärt Kreuter. Die großformatigen Werke wie die „Asphalt-Serie“ entstehen auf dem Boden liegend. „Da habe ich mit einem Besen die schwarze Grundfarbe aufgebracht und dann die Neonlichter hineingegossen.“ Beim Arbeiten verzichtet der Maler auf Musik: „Da bin ich ganz im Dialog mit dem entstehenden Bild. Das Bild spricht mit mir – und sagt mir, wo es weitergeht.“

Wer das Weilheimer Atelier von Wolf Schindler betritt, wird mit Mozarts „Don Giovanni“ empfangen. „Ich höre meist Musik beim Arbeiten“, erzählt der Hausherr. Von Mozart über Bach und Wagner bis Mahler reiche die Palette, aber auch irische Musik oder Balladen von Bob Dylan inspirieren ihn. „Meine Malerei hat viel mit Musik zu tun, denn Farbkompositionen sind für mich wie Musik.“ Er sei ohnehin ein „Freund der Grenzüberschreitung“, erklärt Schindler, der auch dichtet und bedauert, nicht selbst komponieren zu können. Doch er veranstaltet Abende, bei denen befreundete Musiker, angeregt von seinen Bildern, improvisieren. Das Malen sei immer „ein Prozess mit ungewissem Ausgang“: „Ich begebe mich auf einen Weg, ohne zu wissen, wo ich ankomme“. In letzter Zeit habe er sich viel mit dem Thema „Farbe“ beschäftigt, sagt der Maler. „Mein Antrieb ist, Farbräume zu erzeugen, in denen abstrakte Formen sich bewegen oder zur Ruhe kommen können.“

Schindler zeigt auf ein Gemälde im Format 80 mal 100: „Da haben wir einen ruhigen roten Grund, als Komplementärfarbe kaltes Grün, darüber ein Farbraum mit nachtschwarzem Blau. In diesem befinden sich einzelne Objekte: Wolken? Undefinierbare Gestalten? Ist das Chaos oder Ordnung? Aus dieser Spannung entstehen Rätsel.“ So müsse man immer wieder hinschauen, das Bild befragen, nach Antworten suchen. Das gelte schließlich für alle Künste: „Nur wo Rätsel bleiben, ist Spannung.“

Sabine Näher

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Mitten in der Stadt: Brand im Krankenhaus - Polizei veröffentlicht erste Informationen 
In der oberbayerischen Stadt Weilheim ist es am Mittwochabend zu einem Brand in einem Krankenhaus gekommen. Das Gebäude liegt mitten in der Stadt - der Einsatz läuft …
Mitten in der Stadt: Brand im Krankenhaus - Polizei veröffentlicht erste Informationen 
Illegales Autorennen am Walchensee: Fahrer (18) rammt Audi kurz vor dem Tunnel
Nach einem illegalen Autorennen auf der B11 kam es zwischen Urfeld und Walchensee zu einem Unfall. Zwei junge Männer wurden verletzt.
Illegales Autorennen am Walchensee: Fahrer (18) rammt Audi kurz vor dem Tunnel
Fortsetzung nach Max Giesinger und Co: Auch 2020 gibt es ein Open Air in Penzberg
Im Juni 2019 begeisterten Max Giesinger und „Dicht & Ergreifend“ ihre Fans beim Open-Air in Penzberg. 2020 gibt es eine Open-Air-Fortsetzung auf der Berghalde.
Fortsetzung nach Max Giesinger und Co: Auch 2020 gibt es ein Open Air in Penzberg
Am 11. 11., 18.11 Uhr: Machtwechsel im Peißenberger Rathaus
Schon Monate vor der Kommunalwahl gab es einen Machtwechsel im Peißenberger Rathaus: Der Faschingsverein „Frohsinn 2000“ hat die Regentschaft übernommen.
Am 11. 11., 18.11 Uhr: Machtwechsel im Peißenberger Rathaus

Kommentare