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Vier Frauen, ein Mann: Die Steuerungsgruppe des „Fairtrade“-Projektes Weilheim. Am Pult Anneliese Back, hinten am Tisch von links: Ursula Resch. Claudia Hanke, Horst Martin und Romana Asam. Rechts: Manfred Stork, Ansprechpartner der Stadt. 

Auftaktveranstaltung zur „Fairtrade-Stadt Weilheim“

Es geht um mehr als nur Kaffee

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Das Pflänzchen „Fairtrade“ ist im Weilheimer Weltladen und einigen Geschäften schon  gut verwurzelt. In der „Fairtrade-Town“ Weilheim fängt es langsam an, Blüten zu treiben. Ein öffentliches faires Frühstück auf dem Kirchplatz wird als erste große Aktion angepeilt.

Weilheim – Ende Januar wurde der Stadt Weilheim vom Verein „TransFair“ (Köln) das Siegel „Fairtrade-Stadt“ verliehen. Möglich wurde dies, weil sich verschiedene Geschäfte, Gaststätten, die evangelische Gemeinde und die „Oberlandschulen“ dazu bereit erklärt, das Projekt zu unterstützen. Bei einer Auftaktveranstaltung am Dienstagabend im evangelischen Gemeindehaus ging es nun zum einen ums Kennenlernen der verschiedenen Partner der Stadt, zum anderen aber auch ums weitere Vorgehen. Dabei wurde schnell klar, dass eine große gemeinsame Veranstaltung auf die Beine gestellt werden sollte, beispielsweise ein faires Frühstück auf dem Kirchplatz. Und dass es bei der Aktion um mehr geht als nur um Kaffee.

Dass fair zu handeln, oft gar nicht so einfach ist, davon berichtete Manfred Stork von der Stadtverwaltung. So habe der Verein „TransFair“ vor der Verleihung des Siegels an die Stadt darauf bestanden, dass in Stadtratssitzungen fair gehandelter Kaffee ausgeschenkt werden müsse. Das aber, so Stork, sei ein Problem, weil diese in Weilheim erst um 19 Uhr beginnen. Schließlich habe man sich auf Säfte von „Unser Land“ und Wasser aus der Leitung geeinigt. Michael Sendl, Inhaber des „Biomichl“, der diverse fair gehandelte Produkte im Angebot hat, sagte, dass er weiter Kaffee aus der Rösterei in Murnau anbieten werde. „Den kenne ich, dem vertraue ich“ sagte er. Für kleinere Betriebe sei das „Fairtrade“-Logo oft auch zu teuer.

Auf die Frage von Karl-Heinz Grehl (stellvertretender Landrat), was denn der Landkreis zum fairen Handel beitragen könnte, kamen von Ursula Resch und Claudia Hanke von der Steuerungsgruppe mehrere Vorschläge: fair gefertigte Bälle und Sportartikel für die Schulen kaufen sowie faire Produkte an den Schulkiosken und bei den Schulspeisungen anbieten.

Dass Fair-Handeln zwar vor allem partnerschaftliche Geschäftsbeziehungen mit Entwicklungsländern beinhalte, aber eben nicht nur, darauf wies Anneliese Back von der Steuerungsgruppe hin. „Wir müssen auch fair sein zu unseren Bauern und Produzenten“, so Back. Bio- und regionale Produkte gehörten deswegen auch dazu. Welche „Fairtrade“-Projekte in Weilheim über Angebote in den Supermarkt-Ketten hinaus am Laufen sind, zeigte sich bei der Vorstellungsrunde.

  • Die privaten „Oberlandschulen“ wollen „Fairtrade“-Schule werden, so die stellvertretende Leiterin Martina Schmidt. Laut Projektleiterin Dr. Sabine Schneider gibt es bereits eine „Fairtrade-AG“. Die Schülerinnen Ronja Karsch und Samira Hansel berichteten von ihren Aktionen mit „Fairtrade“-Rosen und „Fairtrade“-Nikoläusen.
  • Im Naturkostladen „Zauberberg“ werden laut Ellen Verwold verschiedene fair gehandelte Produkte verkauft – vor allem bei Bananen steige die Nachfrage. „Wir würden gern noch mehr Produkte ins Sortiment nehmen, aber das Angebot fehlt“, so Verwold.
  • Die Solidargemeinschaft „Weilheim-Schongauer Land“ plant laut Brigitte Honold, fair gehandelte Schokoladen in ihre Geschenke-Schachteln aufzunehmen.
  • Die evangelische Kirchengemeinde ist laut Tina Dieter dabei, ihre Mitglieder für den Gedanken „Fair und regional“ zu begeistern. Kirchenpfleger Martin Herzog schwebt ein „Fairtrade-Dekanat“ vor.
  • Das evangelische Kinderhaus ist laut Leiterin Brigitte Schmalz auf dem Weg zur „Einewelt-Kita“ und will weitere fair gehandelte Produkte verwenden.
  • Der „Weltladen“ bietet das am breitesten gefächerte Angebot an, auch Kleidung, und in Afrika gefertigte faire Schokolade, so Astrid Borris.
  • Partner in dem Aktionsbündnis will auch das Gymnasium Weilheim werden. „Das steckt aber noch in den Kinderschuhen“, so Michael Scharbert von der Schulleitung. Auch der TSV Weilheim will einsteigen. „Wir brauchen noch Hilfe“, so Albert Schencking, „wo beispielsweise können wir passende Sportkleidung oder Bälle kaufen?“ Mitmachen wird künftig auch die KAB, so deren Vorsitzende Sylke Martin.

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