Vier Monate auf Bewährung

Aus Frust wurde Münchnerin zur Diebin

Die Kleidungsstücke waren allesamt sehr hochwertig. Blusen, Röcke, Blazer, Kleider, Schals und einen Mantel im Wert zwischen 30 und 800 Euro entwendete eine 42-Jährige an verschiedenen Tagen im vergangenen Jahr in einem Weilheimer Kaufhaus. Schwerer Diebstahl wurde ihr vor dem Amtsgericht Weilheim zur Last gelegt.

Symbolfoto.

Weilheim – „Bitte glauben Sie mir, dass ich so etwas nie wieder tun werde“, sagte die 42-Jährige unter Tränen. Sie schilderte vor Gericht, wie es zu diesen Taten kam. So begleitetet die in München wohnende Frau 2019 einige Male ihren Mann nach Weilheim, der sich einen Gebrauchtwagen zulegen wollte. In ihrer Ehe habe es Schwierigkeiten gegeben, sie sei frustriert und depressiv gewesen, so die dreifache Mutter.

„Mir haben die Stoffe der Kleidungsstücke einfach gut gefallen“, sagte sie. Getragen habe sie die Sachen nicht. „Aber nicht jeder der Schwierigkeiten in seiner Ehe hat oder unter Depressionen leidet, begeht solche Taten“, warf die Vorsitzende Richterin Karin Beuting ein. Sie wertete zudem die Diebstähle als besonders schwerwiegend. Die Frau trug nämlich in ihrer Handtasche einen Seitenschneider, mit dem sie gezielt die Sicherungsetiketten an den Kleidungsstücken entfernen konnte.

Strafantrag wurde von der Filialleiterin gestellt. Beim letzten Diebstahl, einem Mantel im Wert von fast 800 Euro, war die Frau aufgeflogen. „Das alles war ein großer Fehler. Ich bin über mich selbst erschrocken“, erklärte die Angeklagte. Wegen ihrer Depression und der damit verbundenen Straftat hat sie sich danach selbst in eine Therapie begeben, die weiterhin fortgeführt wird. „Ich kann jetzt mit Stress besser umgehen“, sagte sie. Ein vorgelegtes Attest bestätigte eine erfolgreich verlaufende Therapie.

Der Verteidiger versuchte auf Grund ihrer nachweislichen Krankheit auf verminderte Schuldfähigkeit hinzuweisen. Aber davon wollte die Richterin nichts wissen. „Ihre Mandantin hat eine Strategie zur Problemlösung gewählt, die falsch war. Aber es war ihre Entscheidung“, stellte sie klar. Sie lobte aber den nun eingeschlagenen Weg der Angeklagten, durch therapeutische Maßnahmen aus dem Teufelskreis herauszukommen.

Die Münchnerin versuchte eindringlich, die Richterin zu einem milden Urteil in Form einer Geldstrafe im Rahmen der nicht zu einer Vorstrafe führenden 90 Tagessätzen. zu bewegen. Sie brauche für ihre Bewerbungsunterlagen ein sauberes Führungszeugnis. „Ich kann Ihnen versichern, dass ich das nicht mehr mache“, sagte sie zum wiederholten Male. Das Urteil fiel dennoch nicht in ihrem Sinne aus. Sie wurde zu einer Bewährungsstrafe von vier Monaten verurteilt.

„Die Tat ist nicht geeignet für eine Geldstrafe“, erklärte Beuting. Sie begründete ihr Urteil im Hinblick auf den hohen Wert der Kleidung und der gezielten Tatausführung. Die Bewährung wurde auf drei Jahre festgesetzt. Für diese Zeit bekommt die Angeklagte einen Bewährungshelfer zur Seite gestellt.

Regina Wahl-Geiger

Rubriklistenbild: © David-Wolfgang Ebener/dpa

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