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Der Bohrturm in der Lichtenau dürfte bald der Vergangenheit angehören: Der Energiekonzern „Enel“ baut das geplante Geothermie-Kraftwerk nicht.

Zu wenig heißes Wasser bei Probebohrungen in der Lichtenau

Aus für Geothermie-Kraftwerk bei Weilheim

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Die Pläne für Deutschlands größtes Geothermie-Kraftwerk bei Weilheim stehen vor dem Aus. 

Weilheim – Die vom italienischen Energieriesen „Enel“ geplante Anlage wird nicht gebaut, das Gelände wird renaturiert. Grund: Bei den Probebohrungen wurde zu wenig heißes Wasser gefunden, die Stromerzeugung wäre nicht rentabel.

Der Bohrturm in der Lichtenau ist hoch, und die Pläne waren groß: Rund 60 000 Haushalte hätten ab 2019 mit Strom aus dem Geothermie-Kraftwerk versorgt werden sollen, das auf dem Gebiet der Gemeinde Wielenbach, direkt an der Stadtgrenze von Weilheim, gebaut werden sollte. Bis zu 200 Millionen Kilowatt hätte der italienische Energiekonzern „Enel“ mit seiner Tochter „Enel Green Power“ dort erzeugen wollen. Rund 80 Millionen Euro hätte die Anlage kosten sollen. Der Baubeginn war für diesen Sommer vorgesehen. Doch es blieb beim „hätte“. Am Donnerstagabend war eine vierköpfige Delegation der Firma „Enel Green Power“ in der Sitzung des Weilheimer Stadtrates, und dabei platzte die Bombe: Simone Antonelli, ein Geschäftsführer der Firma „Enel Green Power“, teilte mit, dass die Menge des bei den Probebohrungen in der Lichtenau gefundenen heißen Wassers zu gering sei, um die Investition zu rechtfertigen. Das könne nur eine „einzige logische Entscheidung“ nach sich ziehen: das Aus für die Geothermie-Kraftwerks-Pläne in der Lichtenau, sagte er. Der Konzern „Enel“ habe aber noch keine abschließende Entscheidung getroffen, da die Testergebnisse erst seit letzter Woche vorlägen. Er nannte aber als „konkrete Möglichkeit“, dass „die Bohrung eingestellt wird und die Bohrlöcher geschlossen werden“. Die Einrichtungen auf dem Gelände sollen demnach zurückgebaut und das Areal soll renaturiert werden – „in Absprache mit dem Bergamt“, so Antonelli. Als Zeitraum dafür nannte er sechs Monate bis ein Jahr. Laut Projektleiter Antonio Marabotto wurde bislang ein Brunnen gebohrt, der werde versiegelt und mit Zement zugeschüttet. 

„Das ist eine starke Enttäuschung“, sagte Antonelli zum Aus der ehrgeizigen Pläne, denn es sei viel Geld und viel Einsatz in das Projekt geflossen. Die Bohrungen seien bis in eine Tiefe von 5000 Metern erfolgt, und dort sei auch 165 Grad heißes Wasser gefunden worden, 140 Grad waren erwartet worden. Doch die Schüttung sei zu gering. Kurz ging Antonelli auch auf Probleme während der Probebohrungen ein. Diese mussten vorübergehend eingestellt werden, „weil wir auf Erdgas gestoßen sind“. Menge und Zusammensetzung des Gases seien geprüft worden, dann sei es abgefackelt worden.

„Enel Green Power“ stieg 2015 bei der „Erdwärme Oberland“, die den „Claim“ und somit das Bohrrecht in der Lichtenau besitzt, mit einer Mehrheitsbeteiligung ein. Erste Anfänge nahm das Geothermie-Projekt im Jahr 2007. Gegen den Bau des Kraftwerks hatte sich eine Bürger-Initiative gebildet, die Stadt Weilheim hätte gern eine Fernwärme-Versorgung aufgebaut. Immer wieder gab es Kritik, dass „Enel“ die versprochene Transparenz nicht verwirklicht habe.

Die Reaktion auf die Nachricht löste im Weilheimer Stadtrat geteiltes Echo aus. Während bei den Freien Wählern, die von Anfang an gegen das Vorhaben waren, die Daumen hochgingen, bedauerten andere Stadträte das Aus. Das Projekt wäre gut für Weilheim gewesen, sagte etwa Uta Orawetz (CSU).

Der Wielenbacher Bürgermeister Korbinian Steigenberger sagte auf Nachfrage, dass ihm per Mail mitgeteilt wurde, dass die Bohrung eingestellt worden ist. „Ich habe mir schon länger gedacht, dass irgendwas nicht passt“, so Steigenberger, „weil Antworten auf unsere Anfragen immer wieder hinausgezögert worden sind.“ Für die Gemeinde sei die Einstellung kein Problem, denn sie sei immer schon gegen das Projekt gewesen. Steigenberger: „Jetzt werden ein paar Leute wieder ruhiger schlafen können.“ Über die neue Situation werde in der nächsten Sitzung des Gemeinderats gesprochen.

Brigitte Gretschmann/st

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