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Das Plakat in der Lichtenau weist auf das Geothermieprojekt hin, das mittlerweile gestorben ist. 

Aus für das Geothermiekraftwerk in der Lichtenau

Kein Strom, keine Fernwärme

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Auch wenn das Geothermiekraftwerk in der Lichtenau auf Wielenbacher Flur geplant war, das Aus für das Projekt trifft die Stadt Weilheim direkt. Die arbeitete fast zehn Jahren darauf hin, die bei der Stromerzeugung entstehende Wärme abzunehmen und in ein eigenes Versorgungsnetz einzuspeisen.

Weilheim – Peter Müller, Chef der Weilheimer Stadtwerke, ist ganz nah dran am Thema „Fernwärme“ und „Geothermie“. Die Stadtwerke hielten Kontakt zu dem italienischen Energiekonzerns „Enel“, dessen Tochter „Enel Green Power“ 2015 bei der Rechteinhaberin „Erdwärme Oberland“ einstieg. „Informationen haben wir nur auf Anfrage erhalten, aber dann haben wir sie erhalten“, so Müller. Ob das von einem Vertreter von „Enel Green Power“ in der Stadtratssitzung angekündigte Aus für die Bohrungen definitiv das letzte Wort der Konzernmutter ist, das weiß aber auch er nicht. Sollte es so sein, „ist das Thema ,Fernwärme’ erledigt“, stellt Müller fest.

Wobei das mit einer zentralen Wärmeversorgung so eine Sache sei. „In den Neubaugebieten wie am Gögerl braucht kein Mensch mehr Fernwärme“, so Müller. Die Häuser seien aufgrund der neuen Energiesparvorschriften quasi Selbstversorger.

Für ihn stelle sich nun die Frage, ob es andere Möglichkeiten gebe, das in Tiefen zwischen 4000 und 5000 Metern schlummernde heiße Wasser vor Ort zu nutzen. Gewächshäuser beispielsweise seien vorstellbar.

Mit der Abnahme der Wärme, die als Nebenprodukt bei der Herstellung von Strom aus heißem Wasser entsteht,verband die Stadt große Hoffnungen, die Energiewende vor Ort umsetzen zu können.

2009 gab sie beim Ingenieurbüro Sendl (Peißenberg) ein Energiekonzept „Fernwärme aus Geothermie für das gesamte Stadtgebiet Weilheim“ in Auftrag. Es kam damals zu einem positiven Ergebnis.

Im Juni 2011 stellten die Stadtwerke, denen vom Stadtrat zwischenzeitlich das das Geschäftsfeld „Energieerzeugung und -versorgung sowie Wärmeerzeugung und -versorgung“ übertragen worden war, Berechnungen über die Kosten einer Fernwärme-Versorgung an. Pro Kilometer Leitung, so hieß es damals vorsichtig, fielen Kosten in Höhe von einer Million Euro an. Im Januar 2012 sagte Bürgermeister Markus Loth, dass die Versorgung der Stadt mit Fernwärme aus dem geplanten Geothermiekraftwerk Priorität habe. Als Kosten wurden seitens der Stadt damals genannt: 20 Millionen Euro, inklusive Bau eines mit Holz beheizten Redundanzkraftwerks für den Fall von Störungen beim Geothermiekraftwerk. Im Herbst 2014 sollte die Versorgung der Stadt aus dem Geothermiekraftwerk beginnen.

Daraus wurde nichts. Und wie es ausschaut, sind alle weiteren Pläne Makulatur. Die sahen vor, dass das Kraftwerk ab 2018 gebaut wird und 2019 in Betrieb geht.

Während das Aus für das Geothermieprojekt von FDP-Mann Klaus Breil beim Neujahrsempfang seiner Partei bedauert wurde – „Das geht auch auf Kosten der Volkswirtschaft, weil die Verluste steuerlich abgesetzt werden können“ –, ist die Weilheimer Freie-Wähler-Stadträtin Romana Asam „sehr erleichtert“. Asam gehörte als Vorsitzende der „Bürgerinitiative fürs Oberland“ (BifO) zu den Wortführern der Projekt-Gegner, die die Risiken dieser Technik als zu hoch sahen. Angesichts der Pannen bei den Bohrungen sei sie nicht überrascht vom Ende des Vorhabens, so Asam. Nun gelte es aber darauf zu achten, dass das Bohrloch unwiederbringlich verschlossen werde.

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