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Inzwischen zu und verlassen: die Waldwirtschaft am Gögerl in Weilheim.

Ehemalige Gögerl-Wirte wollen klagen

Aus für Traditionswirtschaft: Pächter erheben schwere Vorwürfe gegen die Stadt

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Es war die Nachricht kurz vor Weihnachten: Die Waldwirtschaft am Gögerl in Weilheim schließt - wegen jahrelanger Querelen mit den Verpächtern. Jetzt erhebt das Wirtepaar auch Vorwürfe gegen die Stadt. Und kündigt juristische Schritte an.

Weilheim - Der große Knall kam am 14. Dezember 2017. Da verkündeten Heinz und Erika Hollerith, dass sie als Wirte der Waldwirtschaft am Gögerl aufhören. „Wir schließen für immer“, hieß es. Der Aufschrei der Weilheimer war - auf Facebook aber auch auf der Straße - groß. Die Gögerl-Wirtschaft hat Tradition, der Ausblick hinunter auf die Stadt und die Berge im Süden ist grandios. Die Gründe für die Schließung: Das in Erbpacht von der Stadt Weilheim an die Spatenbrauerei vergebene Wirtshaus sei so marode, dass es nicht mehr weitergeführt werden könne.

Nun, gut einen Monat später, kocht das Thema weiter. Für Oberland Inside.TV, einem regionalen Web-TV-Sender, gab das Ehepaar Hollerith ein Interview - und erhebt erneut schwere Vorwürfe gegen die Brauerei und, erstmals, auch gegen die Stadt Weilheim. Von „unglaublicher Ignoranz von der Stadt“, spricht Erika Hollerith da. Man habe sich erhofft, dass sie als Eigentümerin der Waldwirtschaft „in den Erbpachtvertrag“ geht und die Wirte unterstützt. Doch es habe nur geheißen, „man könne nichts machen“. Dabei sprechen Heinz und Erika Hollerith von einer „Schande, wenn es nicht weitergeht“, stellen aber auch fest: „Eine Wiedereröffnung wäre so unverantwortlich.“ 

Dem Wirtepaar wurde jetzt fristlos gekündigt

Das Problem sei, dass die Spatenbrauerei als Pächterin jeglichen Mangel, den die Holleriths (als Unterpächter) gemeldet haben, ignoriert haben soll. „Wir haben uns ernsthaft gewehrt“, so Erika Hollerith in dem Interview. Es habe aber entweder keine Resonanz seitens der Brauerei gegeben, oder bauliche Probleme seien nur „als Flickwerk“ behoben worden. Als Folge haben die Holleriths nach Absprache mit ihrem Anwalt die Pachtzahlungen eingestellt, wie sie erklären. Deshalb sei ihnen nun „fristlos gekündigt“ worden. Die Anheuer-Busch InBev, zu der die Spatenbrauerei gehört, war am Dienstag zwar zu erreichen, sah sich aber nicht in der Lage, eine zeitnahe Stellungnahme abzugeben.

Christoph Schorf, Kämmerer der Stadt, bestätigt hingegen, dass die Holleriths sich vor wenigen Jahren mit der Bitte an die Stadt gewandt haben, sich im Konflikt mit der Brauerei um Sanierungen einzubringen. Das habe man auch getan. „Wir haben die Brauerei gebeten, ihrer Verpflichtung als Verpächter nachzukommen.“ Schließlich sei die Gögerl-Wirtschaft doch ein „Aushängeschild“ und eine „Goldgrube“ für die Brauerei. Eine Antwort habe es seiner Kenntnis nach nicht gegeben. So bedauerlich das auch sei, habe die Stadt keine anderen Möglichkeiten gehabt zu intervenieren. „Haus und Grundstück sind im Erbbaurecht vergeben. Und die Brauerei ist verpflichtet, beides in ordentlichen Zustand zu versetzen.“ Die Stadt könne erst eingreifen, wenn die Brauerei sich nicht mehr an den Erbpachtvertrag hält - zum Beispiel, wenn das Restaurant nicht weiter betrieben wird oder die Gewerbeaufsicht eingreift.

Wäre das Gögerl ohnehin wegen Mängeln geschlossen worden?

Genau das ist laut dem ehemaligen Wirteehepaar jetzt geschehen. Zumindest schreiben die Holleriths auf Facebook, das Gögerl wäre bis zum 12. Januar „behördlicherseits“ ohnehin wegen der vorhandenen Mängel geschlossen worden. Welche Behörde hier eingegriffen haben soll, konnte am Dienstag nicht geklärt werden. Nur so viel: Weder baurechtlich noch gaststättenrechtlich habe eine Begehung stattgefunden, so eine Landratsamtssprecherin.

Nun gelte es noch, das Inventar wiederzubekommen, so die Holleriths. Allerdings wollen es die ehemaligen Unterpächter, die die Wirtschaft sieben Jahre betrieben haben, nicht bei der endgültigen Räumung belassen. „Wir streben eine Schadenersatzklage an“, so die Wirtin. Gewerbetreibende seien in Pachtverträgen nicht ausreichend geschützt. Um das nötige Geld für die Klage zu beschaffen, habe man eine Fundraising-Kampagne auf Facebook gestartet. Im Moment sind dort 520 Euro zusammen. Das Ziel: 25.000 Euro.

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