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Ein Zimmer  hinter Gittern statt in einer teuren Wohnung, das wird für einige Monate das Zuhause des Weilheimers. 

Hilfsarbeiter haute auf den Putz 

Aus der schicken  Wohnung in  den Knast

Ein Hilfsarbeiter (47) aus Weilheim hatte eine teure Wohnung in einem Stadtteil gemietet, konnte diese aber nicht bezahlen. Jetzt muss er ins Gefängnis.

Weilheim Der Mann lebte damals in einer Sozialwohnung. Aus nicht näher festgestellten Gründen mietete er im März letzten Jahres eine teure 3-Zimmer-Wohnung in einem Weilheimer Stadtteil an. Bei einem Besichtigungstermin gab der Vermieter dem Mann einen Selbstauskunftsbogen mit. Darin gab der 47-Jährige an, dass er seit geraumer Zeit als Busfahrer tätig sei und 2700 Euro im Monat verdiene – eine vollkommen erfundene Geschichte, wie sich in der Verhandlung zeigte.

Der Hilfsarbeiter ist vielmehr seit Jahren arbeitslos und Sozialhilfeempfänger, stellte sich heraus. Eine Lohnbescheinigung konnte er deshalb dem Selbstauskunftsbogen nicht beifügen. „Aber es wurde auch keine verlangt“, kritisierte sein Verteidiger Helge Müller-Roden das Verhalten des Vermieters.

Es sei seinem Mandanten sehr leicht gemacht worden mit der Anmietung der Wohnung, so Müller-Roden weiter. Der Verteidiger erklärte auch, dass der Angeklagte in die Sache hineingeschlittert sei. Sein Wunsch sei gewesen, eine schöne Wohnung zu haben, dann „wurde das Ganze ein Eigenläufer“. Der Eigenläufer dauerte ein halbes Jahr. Mehrmals hatte der Vermieter den Angeklagten angemahnt, die monatliche Miete in Höhe von 1080 Euro zu zahlen. Im Juli letzten Jahres erhielt er dann die Zusage von seinem Mieter, dass die rückständige Summe nun überwiesen werden könne, was aber nicht geschah.

„Sie sind in gar nichts hineingeschlittert“, sagte die Vorsitzende Richterin Karin Beuting zu dem Angeklagten. Er habe das Ganze gezielt geplant und durchgezogen. Das Gericht sah den Vorwurf des Betrugs, so, wie er in der Anklageschrift stand, somit als erwiesen an. „Sie haben von Anfang an gelogen. Bei der Selbstauskunft stimmte gar nichts“, sagte die Richterin.

Der Vermieter aus München, der auf über 7000 Euro Rückzahlung wartet, bestätigte eine erste Ratenzahlung des Angeklagten von 200 Euro, passenderweise eingegangen einige Tage vor der Gerichtsverhandlung.

Das und sein Geständnis sprach zwar in der Urteilsbegründung für den Angeklagten, aber seine fünfzehn auch einschlägigen Vorstrafen warfen kein gutes Bild auf den Mann. Er steht in offener Bewährung, war schon in Haft wegen Betrugs und Diebstahls. „Es wurde Ihnen zwar schon leicht gemacht, aber Sie haben keinen Respekt“, sagte die Richterin zur Urteilsbegründung. Der Mann muss nun acht Monate ins Gefängnis, eine Bewährung gibt es nicht mehr.

Sofort verkündete der Angeklagte, dass er in Berufung gehen werde. Das Urteil ist somit noch nicht rechtskräftig.

Regina Wahl-Geiger

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