Die Ammer bei Weilheim im Frühling mit Spaziergängern am Ufer und Blick auf die Berge
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Welche Themen genau die neue Klimareferentin bearbeiten wird, etwa auch den Schutz der Ammer bei Weilheim, muss noch festgelegt werden.

Aus dem Kreisausschuss

„Ausschreibung? Brauchen wir nicht“

  • Sebastian Tauchnitz
    vonSebastian Tauchnitz
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Das Landratsamt hat demnächst eine neue Klimareferentin. Eingestellt wurde sie ohne Ausschreibung hinter verschlossenen Türen mit Segen des Kreisausschusses. Jetzt überlegte der Umweltausschuss, womit sich die neue Mitarbeiterin eigentlich beschäftigen soll.

Landkreis – „Die Dame“, wie sie Landrätin Andrea Jochner-Weiß immer im Umweltausschuss des Landkreises nannte, „die Dame“ wollte raus. Raus aus München, aufs Land. Da kam die Ausschreibung der Stelle einer Referentin für Wirtschaftsförderung beim Landratsamt Weilheim-Schongau gerade recht.

„Die Dame“ war wohl perfekt geeignet, aber eher als Klimareferentin

„Die Dame“ – ihren Namen durfte und wollte Jochner-Weiß aus Datenschutzgründen nicht nennen – wurde dann auch zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen und dabei passierte es. „Wir stellten fest, dass sie perfekt geeignet ist – allerdings nicht als Wirtschaftsförderin, sondern als Klimareferentin“, berichtete die Landrätin den staunenden Ausschussmitgliedern.

„Die Dame arbeitet beim Bayerischen Landtag und beschäftigt sich dort mit den Themenbereichen Klimaschutz und Mobilität“, erklärte sie weiter. Die Entscheider im Landratsamt waren begeistert, denn schnell war eine Idee geboren. Neben einer Klimareferentin und einem Referenten für Wirtschaftsförderung suche man schließlich auch noch einen Referenten für Verkehrsangelegenheiten. Warum sollte „die Dame“ für eine vorübergehende Zeit nicht beide Themengebiete beackern?

Bearbeitet werden sollen zunächst zwei Themengebiete

Die Idee habe Charme, sagte Jochner-Weiß. Schließlich beschäftige sich das Landratsamt derzeit nicht nur mit der Fortschreibung des Klimaschutzkonzepts, sondern auch mit der Erstellung eines Nahverkehrsplan in Vorbereitung der Erweiterung des MVV-Tarifgebietes. „Und beide Themen gehören zusammen“, so die Landrätin. Denn ein Ausbau des ÖPNV sei ein wichtiger Eckpfeiler der Bemühungen, die CO2-Emmissionen im Landkreis zu senken.

Eine Idee ward geboren und wurde gleich am Montag unter Ausschluss der Öffentlichkeit den Mitgliedern des Kreisausschusses präsentiert. Auch die seien angetan gewesen und hätten sich dafür ausgesprochen, „der Dame“ die Stelle anzutragen, die sie voraussichtlich Anfang Februar antreten wird.

Offensichtlich waren aber nicht alle Kreisausschuss-Mitglieder begeistert

„Jetzt müssen wir uns nur noch überlegen, was die Dame für Aufgaben haben soll“, meinte Andrea Jochner-Weiß freudestrahlend. Maiken Winter (ÖDP/Raisting) goss allerdings Wasser in den Wein. Sie habe ganz andere Sachen aus dem Kreisausschuss gehört, sagte sie. Begeistert seien mitnichten alle Mitglieder gewesen. Und überhaupt, eines würde sie sehr interessieren: „Kann man eine Stelle überhaupt besetzen, ohne sie vorher ausgeschrieben zu haben?“ Man könne, versicherte Jochner-Weiß umgehend. Sicher sei das ungewöhnlich, aber „wenn so ein Glücksfall des Weges kommt, kann man ihn nicht einfach weiterziehen lassen.“ Zur Debatte im Kreisausschuss könne sie nichts sagen – die fand ja unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt.

Schnell versuchte sie, die Debatte wieder auf das eigentliche Thema im Kreisausschuss zu lenken. Nun habe man also eine Klima- und Mobilitätsreferentin. Doch was soll sie im Landratsamt machen? Der Geschäftsleiter des Landratsamtes, Georg Leis, hatte sich schon einmal schlau gemacht und präsentierte einen Vorschlag. „Die Dame“ solle nur für einen begrenzten Zeitraum sowohl für den Klimaschutz als auch die Verkehrsfragen zuständig sein. Danach, sagte er und sprach von einem Zeitraum von rund einem Jahr, solle dann die zweite Stelle auch besetzt werden.

Bis dahin soll sich die neue Mitarbeiterin um die Fortschreibung des 2010 erstellten und 2014 überarbeiteten Klimaschutzkonzeptes kümmern. „Dabei soll es vor allem darum gehen, konkrete, umsetzbare Maßnahmen zu erarbeiten, um unser Ziel, dass sich der gesamte Landkreis 2035 komplett mit erneuerbaren Energien versorgt, zu erreichen“, merkte die Landrätin an. Auch in der Stadt Weilheim wurde gerade im Klimaausschuss darüber diskutiert.

Auch die Öffentlichkeitsarbeit soll zu den Aufgaben zählen

Zudem solle sich die Klimaschutzmanagerin in Zukunft auch darum kümmern, dass die im Konzept festgeschriebenen Vorhaben auch wirklich umgesetzt werden. Dazu gehöre auch die Kontrolle und Evaluation der Maßnahmen. Ein wichtiger Punkt in ihrem Aufgabenheft solle auch die Öffentlichkeitsarbeit sein. Man müsse ein stärkeres Bewusstsein für die Notwendigkeit der Erzeugung von Energie aus regenerativen Quellen schaffen, waren sich die Mitglieder des Umweltausschusses einig. Zu guter Letzt solle sich „die Dame“ möglichst gut vernetzen: mit Klimaschutzakteuren, aber vor allem auch der Energiewende Oberland, mit der die Zusammenarbeit intensiviert werden soll. Zudem sollen die Kommunen umfassend beraten und in die Umsetzung des Klimaschutzkonzeptes eingebunden werden. Der Ausschuss stimmte am Ende dieser Aufgabenbeschreibung zu.

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