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Verwandelt Zweidimensionales in Dreidimensionales: Otto Scherer neben einem Teil seiner Werke. 

Ausstellung im Stadtmuseum

Otto Scherers eigenwillige Deutungen

Munteres Treiben am Samstagvormittag im Weilheimer Stadtmuseum: Zur Eröffnung der Ausstellung „Hommage an die Moderne“ hatten sich zahlreiche Besucher eingefunden, die miteinander wie mit dem Künstler Otto Scherer in lebhafte Gespräche verstrickt waren

Weilheim – Kulturreferentin  Ragnhild Thieler führte kurz in die Vita des 1955 im rumänischen Siebenbürgen geborenen Malers und Bildhauers ein. Ausgebildet an der Kunstakademie in Kronstadt übersiedelte er kurz vor Ende des Ceausescu-Regimes 1989 in die BRD und lebt seit 1991 in Pürgen. In München, Augsburg, Landsberg und rund um den Ammersee hat er seither vielfach ausgestellt.

In seine in Weilheim zu sehenden Werke führte bei der Vernissage Dr. Tobias Güthner, der Leiter des Stadtmuseums, ebenso kenntnisreich wie kurzweilig ein. Scherer lade hier zu einem Rundgang durch die Kunstgeschichte der Moderne ein, die unterschiedliche Kunstrichtungen mit dem subjektiven Blick des Künstlers auf diese zeige, sagte Güthner. Sein besonderes Interesse für bestimmte Strömungen habe ihn Werke aus Minimalismus, Konkreter Kunst sowie Konzept-Kunst als Vorlagen auswählen lassen. Typisch für seine Vorgehensweise sei dabei die Umwandlung der Zwei- in Dreidimensionalität, etwa in der „Hommage an Piet Mondrian“. Die habe dessen streng geometrisches Gemälde über einen Würfel gestülpt, der nun wie ein überdimensionaler Zauberwürfel anmute. Oder in der „Hommage an Kazimir Malevich“: Hier wird ein schwarzes Quadrat auf weißem Grund zu einem schwarzen Würfel auf weißem Sockel. Sinn für Ironie und Humor habe Scherer mit der „Hommage an Christo und Günther Uecker“ bewiesen: Im Sinne des von Urs Wehrli geprägten „Kunstaufräumens“ sind die Nägel aus Ueckers Nagelobjekten hier fein säuberlich im Einweckglas sortiert, mit Packpapier und Schnur á la Christo versehen. Witz strahlt die „Hommage an Ai Weiwei“ aus: Eine Fotoserie, die Scherer zeigt, der mit unbewegter Miene einen bunten Gartenzwerg hält, dann fallen lässt und schließlich vor dessen Trümmern steht. Weiwei habe aus Protest gegen die chinesische Kulturpolitik allerdings eine wertvolle, 2000 Jahre alte Vase zertrümmert, erklärte Güthner.

Auch abseits der von ihm erläuterten Werke ist einiges zu entdecken, etwa die „Hommage 1 an Kazimir Malevich“: Ein schwarzes Quadrat, fein durchlöchert wie poröser Lavastein, mit vier goldenen Flügeln, Flossen oder was auch immer. Ein Zauberwesen, das fliegt – oder schwimmt? Schlicht ein Kreuz, sagt Scherer lächelnd, der sich freut, wenn dem Betrachter Deutungen einfallen, die fernab seiner eigenen Intention liegen.

Ein wenig böse ist indes seine „Hommage an Douglas Gordon: Portrait eines Taugenichts“: Hier erblickt der Betrachter, der hinein schaut, sich selbst. Unbedingt lohnt ein Gang hinauf ins Obergeschoss, wo zwei weitere Objekte Scherers zu finden sind. Hier, umgeben von der barocken Kunst der Dauerausstellung, entwickeln sie einen besonderen Charme.

Die Ausstellung

„Otto Scherer: Hommage an die Moderne“ ist bis 14. Mai im Stadtmuseum zu sehen. Bis zum 28. Mai kann man im Fritz-Winter-Atelier in Dießen Skulpturen und Wandobjekte Scherers entdecken.

Sabine Näher

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