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Wunschkonzert im Stadtmuseum: Kulturreferentin Ragnhild Thieler zeigt Zeichnungen Alfred Kremers, Museumsleiter Tobias Güthner ein Foto Klaus Illmanns, hinten (v.l.) Werke von Otto Herbig, Ernst Wirtl, Philipp Geist und Reiner Heidorn. 

Ausstellung in Weilheim  

Eine schöne Chance, der Heimatstadt Gutes zu tun

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Das Stadtmuseum  Weilheim  lieh sich unter dem Motto „Wünsch dir was“ moderne Werke aus, die es gern  in seiner Sammlung hätte. Jetzt werden Stifter gesucht.

Weilheim – Es ist kein Zufall, dass man im Weilheimer Stadtmuseum heute erfahren, anschauen und genießen kann, was die Stadt vor drei- bis vierhundert Jahren berühmt gemacht hat: zum Beispiel die Werke der Bildhauer Petel, Krumpper, Degler oder Schmädl, die so qualitätsvoll und stilbildend waren, dass nach 1600 weitum und ehrfürchtig von der „Weilheimer Schule“ gesprochen wurde. Weil entscheidende und entschiedene Menschen vor 100, 150 Jahren eine kluge und weitsichtige Ankaufspolitik betrieben, kann das Museum heute mit einer ansehnlichen Sammlung zur Kunst des 15. bis 19. Jahrhunderts aufwarten.

Doch was wird Weilheims Stadtmuseum seinen Besuchern in 100, 150 Jahren von unserer heutigen Zeit, vom 20. und 21. Jahrhundert, zeigen? Nicht viel, so ist zu befürchten – wenn nicht auch heute ein paar entschiedene Menschen klug und weitsichtig handeln. Wenn sich nicht Gönner finden, die herausragende Kunstwerke der Gegenwart für die Zukunft sichern. Wie in vielen anderen regionalen Museen droht auch in Weilheim eine „Sammlungslücke“, sagt Museumsleiter Dr. Tobias Güthner – und geht nun mit einer pfiffigen Ausstellung dagegen vor. Bis zum 3. September präsentiert er ein visuelles Wunschkonzert im Galerieraum des Stadtmuseums. Unter dem Motto „Wünsch dir was“ sind Werke einheimischer Künstler aus den vergangenen 70 Jahren zu sehen, die das Museum für diese Schau geliehen hat – und die es gern dauerhaft hätte. Denn „ein Museum, das sich nicht selbst musealisieren und einmotten will“, so Güthner, „darf nicht aufhören, Kunst zu sammeln“. Nun sind also Stifter gesucht: Wer auch immer zwischen 190 und 7000 Euro erübrigen kann, besucht in den nächsten Tagen bitte diese Ausstellung, kauft dem Museum aus dieser feinen Auswahl ein Werk – und macht künftigen Generationen damit ein Geschenk. Selten war es so leicht und lustvoll, seiner Heimatstadt Gutes zu tun!

Der zur Ausstellung gewordene Wunschzettel des Stadtmuseums jedenfalls ist nachvollziehbar und sehenswert. Er umfasst große Arbeiten von Beate Oehmann und Reiner Heidorn, einen Entwurf Helmut Ammanns für ein Glasfenster der Apostelkirche und Philipp Geists Lichtprojektionen auf dem Marienplatz (in Form edler Leuchtkästen mit Aufnahmen vom Lichtkunst-Festival). Von Kurt Speckbacher und Egon Stöckle sind Entwürfe für Objekte im öffentlichen Raum zu sehen, von Ernst Wirtl die Skulptur „Ecce Homo“, die ihm 2011 den Georg-Petel-Preis einbrachte, von Klaus Illmann fein gegensätzliche Schwarzweißfotos. Dazu – für manchen echte Neuentdeckungen – ein Selbstporträt des „Brücke“-nahen Malers Otto Herbig, der 1963 von Weimar nach Weilheim gezogen war, sowie Zeichnungen von Alfred Kremer und Tom Rücker; Letzterer gestaltete jahrzehntelang die Plakate der Dichterlesungen am Gymnasium. Fünf stilsicher bestückte Mappen fassen schließlich je sechs Werke heutiger „Kunstforum“-Mitglieder zusammen.

Freilich enthält diese Ausstellung bei weitem „nicht alle für die Geschichte Weilheims relevanten Künstlerinnen und Künstler“, weiß Museumsleiter Güthner. „Aber irgendwo muss man ja mal anfangen.“ Weitere Vorschläge sind willkommen. Und überhaupt sind bei „Wünsch dir was“ nicht nur Mäzene gefragt. Jeder Ausstellungsbesucher kann kundtun, welches Exponat ihm am besten gefällt. Das Werk, das die meisten Stimmen erhält, wollen Stadt und Museum dann erwerben.

Zu sehen

bis 3. September im Stadtmuseum Weilheim: Di-Sa 10-17, So 14-17 h. Info: www.museum.weilheim.de.

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