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Bei der Eröffnung: (v. links) Andrea Jochner-Weiß, Behindertenbeauftragte Katharina Droms, Andreas Kurz.

Ausstellung über Herzogsägmühle

Auf dem Weg zum ganz normalen Dorf

Ausstellung im Landratsamt erzählt die Geschichte von Herzogsägmühle. Aber auch die Geschichte von Friedrich Löh, der von den Nazis vergast wurde. 

Weilheim Friedrich Löh wurde nur 36 Jahre alt. Am 24. April 1942 wurde er von den Nazis in Hartheim vergast. Der in Meersburg geborene Gelegenheitsarbeiter, der wegen Bettelns und Landstreicherei aktenkundig war, wurde am 4. August 1937 gegen seinen Willen in den Zentralwanderhof nach Herzogsägmühle eingewiesen. Dort geriet er mit einem SS-Mann in Streit, der durchsetzte, dass Löh ins KZ-Dachau kam. Dann begann eine Odyssee durch mehrere Lager, die mit seinem Tod endete.

Diese Lebensgeschichte erzählt eine neue Ausstellung im Weilheimer Landratsamt an der Stainhartsstraße (Zulassungsstelle). „Im Abseits oder mittendrin? 120 Jahre Herzogsägmühle“ heißt die Schau, die die Geschichte des Diakonie-Dorfs bei Peiting seit 1884 beleuchtet. Das dunkelste Kapitel sind die Jahre zwischen 1933 und 1945. Die vorher als „Arbeiterkolonie“ bezeichnete Einrichtung für Nichtsesshafte wurde zum „Zentralwanderhof“ für „Asoziale“, darunter fielen laut NS-Ideologie auch Menschen ohne einen festen Wohnsitz. Beleuchtet wird aber auch die jüngere Vergangenheit des Dorfes Herzogsägmühle, das jahrzehntelange Bemühen um Akzeptanz in der Bevölkerung. Und diese Akzeptanz ist mittlerweile gegeben, so Landrätin Andrea Jochner-Weiß bei ihrer Eröffnungsrede. Für sie selbst sei ein Besuch in der dortigen Gärtnerei eine „Selbstverständlichkeit“. Nach außen dokumentiert wird die Entwicklung der von der Diakonie betriebenen Einrichtung durch den Sonderpreis beim Landesentscheid „Unser Dorf hat Zukunft – unser Dorf sol schöner werden“.

Für Andreas Kurz, Leiter „Wohnungshilfe“ in Herzogsägmühe, bietet die Ausstellung eine gute Möglichkeit zu zeigen, „was bei uns läuft“. Immerhin sei das Diakoniedorf, das Menschen mit Problemen und Gebrechen eine Heimat bietet, heute der zweitgrößter Arbeitgeber im Landkreis. 

Die Ausstellung

im Foyer der Zulassungsstelle läuft noch bis Ende Juni.

Johannes Thoma

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