1 von 2
Nach Karikaturen von Dieter Hanitzsch wurden die Strauß- und die Kohl-Puppe gefertigt. 
2 von 2
Mitten im Getümmel waren die Puppen der Dreschers bei der Eröffnung im Stadtmuseum. 

Ausstellung über die  „Weilheimer Puppenbühne“ 

Mit wackelndem Popo und kreisendem Kopf

Die „Weilheimer Puppenbühne“  wird im Stadtmuseum  bestens in Szene gesetzt. Auch „Robbi“ und „Tobbi“ sind zu sehen.

Weilheim – Wie in alten Zeiten rief die wuchtige Puppe des „Zirkusdirektors“ die Jazztrompeterin und dann den Dirigenten zum Auftritt. Beide Charaktere brachten das Publikum der Eröffnung der neuen Ausstellung im zum Bersten gefüllten Weilheimer Stadtmuseum sofort zum Lachen. Die geniale Wirkung der Drescher-Puppen – mit wackelndem Popo, Augenaufschlägen und kreisendem Kopf – war am Samstag bewiesen. Kein Wunder, denn der „Juniormeister“ der Bühne – Jörg Drescher (74), Sohn der Gründer Karl-Heinz und Hildegard – führte höchstselbst die Puppenstäbe.

Auch ohne Live-Aufführung wird die „Weilheimer Puppenbühne“ im Stadtmuseum bestmöglich in Szene gesetzt. Wie gemacht sind die Fensternischen, um Ausschnitte der Inszenierungen zu zeigen: Adaptionen von klassischen Märchen („Rübezahl“) genauso wie Unbekanntes, etwa die Theaterhandlung von der Troll-Familie.

Zwischen 1952 und 1993 seien die ausgestellten Figuren entstanden, erzählt der gebürtige Berliner Jörg Drescher. „Maestro Dirigissimo“ sei die älteste Figur, der Vogel an der Decke die jüngste: Er kam in der Oper „Diebische Elster“ zum Einsatz, als Drescher von der Decke des Gärtnerplatztheaters abgehängt in einem Korb, die zehn Meter langen Schnüre zog. Geübt hatte er diese „Fernsteuerung“ auf einer Ammerbrücke, so Jörg Drescher.

Weilheims Zweiter Bürgermeister Horst Martin war voller Empathie für den Wunsch, zugunsten der rund 500 „ausdrucksstarken Geschöpfe“ eine Interessengemeinschaft ins Leben zu rufen, „am liebsten natürlich in der Kunst- und Kulturstadt Weilheim“. Auch Laudator Günther Heil hofft auf eine lokale Präsentation. „Am besten so, dass die Puppen mindestens ein oder zwei Mal im Jahr zum Einsatz kommen“, ergänzte Jörg Drescher gegenüber dem „Weilheimer Tagblatt“ – eine ähnliche Lösung gebe es für eine Marionettensammlung in Starnberg.

Eine Schwierigkeit wurde am Samstag deutlich: Selbst wenn Platz gefunden würde, mangelt es an Puppenspielern. Bühnentochter Gisela Drescher aus Wilzhofen winkte wegen inhaltlichen Abstands ab; die gebürtigen Peißenbergerinnen, die „Bühnen-Enkelinnen“ Heike und Iris Drescher (beide 50), sehen sich wiederum wegen ihrer entfernten Wohnorte in Regensburg und am Chiemsee nicht in der Lage zum Aktivwerden.

Klar wurde aber: Die Stabpuppen sind nicht nur gestalterisch herausragend, sondern auch ein Kulturzeugnis. Die Erwachsenenwelt spiegelt sich in Franz-Josef Strauß und Helmut Kohl, gefertigt ausnahmsweise durch Gisela Drescher nach Karikaturen von Dieter Hanitzsch. Die Kinderwelt der 70er Jahre besitzt in „Robbi“ und „Tobbi“ sogar TV-Stars.

Horst Martin bekannte: „Ich sah sie in meiner Penzberger Jugend im Fernsehen, aber bis vor kurzem war mir nicht bewusst, dass sie mit Weilheim zu tun haben.“ Videos der Kultserie mit dem „Fliewatüüt“ muss man sich leider zuhause suchen, am besten mit dem Suchbegriff „24“ (der Zahl der Folgen). Im Stadtmuseum gibt es, neben der kostenlosen Fantasiereise, zudem einen kleinen Prospekt der Puppenbühne zu kaufen.

Geöffnet

ist die Austellung im Stadtmuseum bis 28. Januar 2018 außer montags von 10-17 Uhr (sonntags erst ab 14 Uhr)

Andreas Bretting

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgesehene Fotostrecken

Böbing
Das war das Böbing Open Air 2018 - „Wacken Süd liegt in Böbing“
Zwei Tage lang beste Stimmung, tolle Bands, Glück mit dem Wetter und fast ein neuer Besucherrekord. Der Verein Kunst & Krempl hat das 32. Böbing Open Air gestemmt und …
Das war das Böbing Open Air 2018 - „Wacken Süd liegt in Böbing“
Huglfing
Schlimmer Unfall auf der B472 bei Huglfing: Golf-Fahrer schwerstverletzt
Schwerer Unfall auf der B472 bei Huglfing: Der Fahrer ist schwerstverletzt, der Lkw-Fahrer erlitt einen Schock.
Schlimmer Unfall auf der B472 bei Huglfing: Golf-Fahrer schwerstverletzt
Weilheim
Das Komod-Festival in Bildern
 Super Stimmung an der Ammer in Weilheim: Dort wird gerade das Kommod-Festival gefeiert. Wir haben viele Bilder. Ein ausführlicher Bericht folgt.
Das Komod-Festival in Bildern
Altenstadt
Zu gierig? Kuh fällt in Futtergrube - Feuerwehr muss sie befreien
War das Frühstück nicht reichhaltig genug? Am Mittwochmorgen fiel eine Kuh in die Futtergrube. Alleine konnte sich das Tier nicht mehr befreien. 
Zu gierig? Kuh fällt in Futtergrube - Feuerwehr muss sie befreien