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Zwischen Fischdosen-Mobilé und Plastikmüll-Stehtisch: Renate Hirtl in der Galerie.

Ausstellung von Renate Hirtl in Weilheim  

Müll kann so schön sein

Die Wessobrunner Künstlerin „RE-nata“ zeigt in der Galerie Kunstforum „Dinge aus Abfall“. Sie bietet aber auch Workshops an.

Weilheim – Sogar eine Toilette wird bei Renate Hirtl zum Teil der Ausstellung „Werte und Wandel“. Unter ihrem Künstlernamen „RE-nata“ beschäftigt sich die Wessobrunnerin mit der Verwertung von Abfallstoffen – mal zu praktischen Zwecken („da weiß ich auch nicht, ob es Kunst ist“), mal zum Anschauen und Verschönern. Und spätestens da gewinnt doch die künstlerische Komponente.

Eine Mischform beider Ansätze ist die fantasievoll hinter einem Paravent versteckte Toilette. Auf die Idee sei sie gekommen, weil es in der „Galerie Kunstforum“ noch kein „Örtchen“ gebe. Doch hinter der „Trenntoilette“ (einem industriellen Kaufgegenstand) stecke auch eine Frage: „Ist es wirklich sinnvoll, so viel Wasser für Spültoiletten zu verschwenden, wenn die einfachere Variante auch funktioniert?“ Einwandfrei Kunst ist der Paravent drumherum: Farbenfroh und gewitzt aufs Thema „Lokus“ ausgerichtet ist die Abfolge von bunten Popos, die „RE-nata“ aus Wahlplakaten einer Partei collagiert hat.

Es ist ein Impetus der Künstlerin, gegen das gedankenlose Wegwerfen und die überbordende Verpackungswut Zeichen zu setzen. Fotografien und Bilder illustrieren das Anliegen, genauso wie ihr „Fischschwarm-Mobilé“. Die aufwändig aus Sardellenbüchsen gebogenen Fische waren kürzlich schon im Stadtmuseum zu sehen; Hirtl sieht darin neben der schönen Optik auch ein Zeichen gegen die Überfischung der Meere.

Viele von Hirtls Arbeiten sind entlang des „Upcycling“- Trends angesiedelt: Recyclingmaterialien werden durch überraschende Zusammenfügungen neu im Wohnumfeld verwendbar. So entsteht aus einer Globushälfte und Vorhangtroddeln eine nostalgische Tischlampe. Bunte Plastikverpackungen, in einen Zylinder aus Kaninchendraht gesteckt und oben mit einem Verkehrsschild abgedeckt, ergeben einen coolen Stehtisch – sogar von innen beleuchtet.

Mit ihrem Ideenreichtum möchte die Künstlerin auch zum Mitmachen anregen. Dazu bietet sie in der Ausstellung Workshops an, beginnend diesen Freitag, 7. April: Ab 15 Uhr können Kinder und Erwachsene Reisegeldbeutel aus Tetrapack herstellen, gerne können Verpackungen mitgebracht werden. Am Donnerstag, 13. April, schafft Hirtl mit interessierten Mitstreitern ab 15 Uhr Teller aus ungebranntem Ton, die – versehen mit Samen – im Garten bunte, teils essbare Pflanzen austreiben. Besonders neugierig ist sie auf die „Rohstoff-Lieferung“ von Landwirten am 21. und 22. April (jeweils ab 15 Uhr): „Heuballen werden in ein Netz aus Fäden verpackt, und aus diesen Netzen kann man wunderbare Seile herstellen, etwa für Schaukeln im Garten.“ Sie bringe eigens eine Seilspinnmaschine mit, verspricht Hirtl. 

Zu sehen

bis zum 22. April in der Oberen Stadt 30: Do-Sa 16-19 Uhr (Karfreitag geschlossen). Die Künstlerin ist freitags und samstags sowie Do, 13. April, selbst anwesend. Workshopteilnahme auf Spendenbasis.

Andreas Bretting

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