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Quer durchs Stadtmuseum hat Thorsten Fuhrmann seine Werke verteilt – hier der Künstler mit den Musikern Moritz (l.) und Lenz Defregger, die zur Vernissage spielten.

Ausstellung von Thorsten Fuhrmann

Rätselraten im Stadtmuseum

Der Huglfinger Künstler Thorsten Fuhrmann hat derzeit eine Ausstellung im Stadtmusem Weilheim. Dabei stellt er die Besucher  gekonnt vor Rätsel

Weilheim – Der Huglfinger Künstler Thorsten Fuhrmann präsentiert seit Samstag im Stadtmuseum Weilheim seine Ausstellung „Passagen“. Dahinter verbergen sich Installationen, Fotografien, bemalte oder bedruckte Postkarten, vereinzelte Malerei sowie „arte povera“: Modellbau und Collagen aus Trivialmaterial.

„Augen auf und durch“, fordert ein Buchstabendruck und zeigt damit eines der Genres: die Sprachspielerei. Eine Zufallsfolge von „Ja“- und „Nein“-Karten irritiert an der Decke, und auch im Treppenaufgang suchen isoliert fotografierte Worte nach Anknüpfungspunkten bei den Betrachtern.

Bei den „alten Meistern“ im ersten Stock scheint ein Wortsalat-Druck aus Kunst-Vokabular eine Kommunikationsebene mit Besuchern und historischen Werken zu suchen. Daneben provoziert das Abbild zerrissener Werbeplakate unter Putten. Was Fuhrmann meinen könnte, ist stets vielschichtig. Hier vielleicht der Kontrast zwischen sorgsamer Schnitzarbeit und „Readymade“: einem fertigen Zufallsarrangement vor der Fotolinse des Künstlers. Nicht auszuschließen, dass hinterrücks auf die serielle Fertigung der Putti angespielt wird. Als ein „Multiple“ der Barockzeit wären sie ein Vorläufer serieller Kunst – und, obzwar für den Glauben gedacht, letztlich doch auch eine Form von Werbung: ein irritierender Gedanke.

„Thorsten Fuhrmann stört“: Diese pikante Spitze wählte Laudator Leopold Ploner zurecht als Motto seiner lebendigen Einführung bei der Ausstellungseröffnung. Der Schondorfer Kunst-Blogger zielte damit jedoch nicht auf eine Verurteilung des Künstlers, sondern hob ab auf das Verständnis des „Fluxus“: einer Kunstrichtung, die eine Art Hofnarren-Rolle für Künstler vorsehe.

Oft scheint tatsächlich Spaß der Antrieb, etwa im Dachspitz bei Steckdosen-Fotos auf Hundenasen-Höhe, „wo sie normalerweise einfach hingehören“, wie Fuhrmann sagt. Doch gibt es versteckte Inhalte: Die Elektro-Abbilder entstammen einem dänischen Museum für moderne Kunst. Inmitten der Artefakte früheren Lebens mindestens ein kecker Kontrast. Und in Sichtweite der Uniform Hippers, des Weilheimer Admirals im dänischen (!) Meer, wispern die Smiley-gesichtigen Steckdosen da nicht heimlich im Hippie-Unterton „Make art, not war“?

Oft stellt der Huglfinger Künstler die Betrachter einfach vor Rätsel. Rosen in Bierflaschen zu Füßen der Heiligenfiguren zitieren Otto Dix’ Portrait von Iwar von Lücken; dort waren die Vasen des verarmten Dichters ein Zusatz von Würde. Brauchen diese nun die Heiligen, die heute wenig beachtet werden, oder die Betrachter, denen ein roter Teppich einen Moment Starruhm verspricht…?

Überdies kann Fuhrmann auch augenzwinkernde Referenzen zaubern: Neben Vitrinen mit Urzeitfunden stellt er Glaskästen mit eigenen Fundstücken oder Pappmodellen – die Kunst liegt hier fürwahr im Auge des Betrachters, auf jeden aber wirkt der Überraschungseffekt. Selten wurde das Museum so effektiv verlebendigt; bei der Vernissage noch gestützt durch selbst komponierte Klassik der Eberfinger Brüder Moritz und Lenz Defregger.

Zu sehen

bis zum 8. April im Stadtmuseum Weilheim: Di-Sa 10-17, So 14-17 h. Am 2., 16. und 24. März gilt von 11-13 Uhr: „The artist is present“.

Andreas Bretting

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