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Vor 20 Zuhörern las der in Sandhausen lebende Schriftsteller Hans Zengeler gestern im Foyer des Stadttheaters. 

Autorenlesung von Hans Zengeler 

Schonungslos realistisch, bestürzend offen

Es war keine leichte Kost, die  Hans Zengeler den 20 Zuhörern bei der Lesung aus seinem jüngsten Roman „Noch ein wenig Zeit – Bloch IV“ im Foyer des Weilheimer Stadttheaters präsentierte. Zengler schreibt schonungslos offen, realistisch, ehrlich.

Weilheim„Eine Telefonnummer zur Ewigkeit wäre schön“, wünscht sich die Romanfigur Josef Bloch, Rentner und seit kurzem Witwer. Orientierungslos und entwurzelt übersteht er nach dem Tod seiner Lebensgefährtin die Zeit. Einmal, nur einmal noch will er mit ihr reden.

 Zengelers  Buchreihe um den skurrilen Romanautor Josef Bloch beschäftigt sich mit oft unbequemen Themen wie Altenheimen, der persönlichen Auseinandersetzung mit dem Alter und dem Tod, dem langsamen Sterben.

Mit aller Düsterheit und bestürzender Offenheit schildert Zengeler die dramatischen Umstände, die langsame Erkenntnis Blochs, dass der Mensch nicht unsterblich ist. Und dann der Kampf des Weiterlebens nach dem Tod des Partners. „Sie, immer nur sie, bei jedem Schritt, und Bloch hält sich im Wortlosen auf“, schreibt Zengeler. Seine Sprache berührt, fasziniert, wühlt auf.

Zengeler hat zahlreiche Romane, Erzählungen, Satiren und Hörspiele verfasst, war über 20 Jahre Autor beim Hessischen Rundfunk und erhielt mehrere Auszeichnungen. In seinen vier Werken um Bloch vermittelt Zengeler aber nicht nur die brutale Wahrheit. Es ist der geschickt eingefügte Humor, die Verrücktheit, die hinter dem ganzen Wahnsinn oft steckt, die die harte Kost verdaulicher macht. Die Karikatur eines vollkommen übermüdeten Arztes in der Notaufnahme, die Beschreibung einer höchst unangenehmen Untersuchungsmethode bei einem Urologen, die Gedanken über die Erotik von Thrombosestrümpfen an Männerbeinen – all das lockert auf. Und auch der Pragmatismus, der hinter allem steckt und sich in einem Satz der Romanfigur äußert: „Ich bin Josef Bloch – und es gibt mich wirklich“.

Regina Wahl-Geiger

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