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Achtung Stufe: Unmöglich ist es für Rollstuhlfahrer, in die Bahnhofs-Toilette zu kommen, die innen auch noch viel zu eng ist. Florian Streibl und Susann Enders zeigten das bei ihrer Inspektion im Januar. 

Barrierefreiheit in Weilheim

Zu hohe Stufen und zu schwere Türen

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Die Behindertenreferentin Susann Enders zeigte in Weilheim Stolpersteine auf. Die Stadt gibt in diesem Jahr 30.000 Euro für Barrierefreiheit aus. 

Weilheim – Starnberg und Traunstein, Günzburg und Marktoberdorf: Sie haben den Weg schon geebnet für das Programm „Die barrierefreie Gemeinde“, das der Freistaat aufgelegt hat. Auch Weilheims Kernstadt sowie das Bahnhofsumfeld sollen bis 2023 barrierefrei werden, wobei der Begriff „Barrierefreiheit“ weit gespannt ist: Nicht nur gehbehinderten Menschen, sondern auch jenen mit eingeschränktem Hör-und Sehvermögen soll beispielweise durch verschiedene Leitsysteme das Leben erleichtert werden. Einen entsprechenden Beschluss fasste der Stadtrat Ende September auf Antrag der Freien Wähler.

Dass es bis zu einer umfassenden Barrierefreiheit in Weilheim noch ein langer Weg ist, stellten Susann Enders, Stadträtin der Freien Wähler (FW) und Stadtrats-referentin für Menschen mit Behinderungen, sowie der FW-Landtagsabgeordnete Florian Streibl anhand von zwei Beispielen fest: der Bahnhofstoilette und einer Seniorenwohnanlage.

„Die Toiletten am Weilheimer Bahnhof sind alles andere als barrierefrei“, so Lilian Edenhofer vom Pressebüro von Florian Streibl über das Ergebnis der Kontrolle. Eine hohe Stufe und viel zu enge Eingangstüren versperrten jedem Rollstuhlfahrer den Weg. Auch im Inneren seien die Räumlichkeiten viel zu klein und eng. Laut Enders wird sich das mit dem Bau des Busbahnhofs aber ändern. Dort werde, nicht zuletzt auf Drängen der FW, eine neue barrierefreien Toilettenanlage erstellt.

Dass die Barrierefreiheit auch im privaten Raum noch nicht funktioniere, habe sich bei der Begehung einer Seniorenwohnanlage in Weilheim gezeigt. Dort wurde unter anderem bei der Abfahrt zur Tiefgarage der Bürgersteig in einem rund 30 Grad steilen Winkel abgefräst, „für Rollstuhl- und Rollatorfahrer unüberwindbar“, so Lilian Edenhofer .

Ebenfalls zur Barriere im Notfall können dort schwergängige Brandschutztüren im Keller und zur Tiefgarage werden, die für Rollstuhlfahrer unmöglich zu öffnen seien. Streibl zeigte sich entsetzt, als Bewohner ihm das vorstellten. „Brandschutz und Barrierefreiheit müssen sich ergänzen, die Barrieren müssen beseitigt werden, damit der Brandschutz nicht zur Falle wird“, fordert er.

Laut Susann Enders gibt es bei der zügigen Umsetzung von Vorhaben zur Barrierefreiheit immer wieder Probleme wegen „ständig wechselnder Fördertöpfen der Regierung“. Dies sei für die Kommunen verwirrend und führe zu einem erhöhten Verwaltungsaufwand, „der letztendlich hohe überflüssige Kosten verursacht.“

Für das Programm „Die barrierefreie Gemeinde“ wird laut Stadtbaumeisterin Andrea Roppelt demnächst der Auftrag an ein Architektur- oder Stadtplanungsbüro zur Erarbeitung des Maßnahmenkatalogs vergeben. Im Haushalt 2017 sind dafür und für erste Projekte 30 000 Euro eingeplant.

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