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Um den Garten in der Bildmitte geht es: Die rechte Hälfte davon soll schon bald mit vier dicht stehenden Wohnblöcken bebaut werden.

Geplante Bebauung am Krumpperplatz in Weilheim: Viel Kritik an Verdichtung

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Wenig Gutes lässt das Landratsamt an den Nachverdichtungsplänen für das Garten-Areal südlich des Krumpperplatzes in Weilheim: Dort werde zu viel Grün zerstört, heißt es in mehreren Stellungnahmen. Doch die Stadt bleibt bei ihrem Konzept – denn für so viel neuen Wohnraum seien die Eingriffe vertretbar.

Weilheim – Solche Stellungnahmen habe man aus dem Landratsamt noch nie erhalten, hieß es diesen Monat im Bauausschuss des Weilheimer Stadtrates: In ihren fachlichen Bewertungen der von der Stadt im November beschlossenen Bebauungsplan-Änderung für das große Privatgrundstück zwischen Krumpperplatz und Meisteranger verweisen die Vertreter der Kreisbehörde mehrfach und ausführlich auf den Klimaschutz. Es wird gefordert, dort einige große Bäume (insbesondere „Zukunftsbäume“ wie einen Mammutbaum), hochwertige Bepflanzung und mehr „wasserspeichernden Boden“ zu erhalten. Auch überschreite die geplante Dichte der Bebauung die per Baunutzungsverordnung vorgegebene Obergrenze und müsse deshalb gut begründet werden. In einer der Stellungnahmen wird der Stadt ungewohnt deutlich empfohlen, das Konzept „grundlegend zu überdenken und zum Wohl der Bürger zu gestalten“.

Für die eine Hälfte sind schon 29 Wohnungen geplant

Wie berichtet, will die Stadt auf dem gut 6000 Quadratmeter großen Areal insgesamt acht Wohngebäude ermöglichen. Für den westlichen Teil (hinter dem bestehenden Wohnhaus) gibt es noch keine konkreten Bauwünsche, doch für die östliche Hälfte hat ein Investor bereits genaue Pläne: In vier Blöcken, meist dreigeschossig, will er dort insgesamt 29 Wohnungen unterbringen. Darunter ist eine Tiefgarage vorgesehen, oberirdisch soll dieser Teil weitgehend autofrei bleiben.

Vom jetzigen Bewuchs dieser Gartenhälfte bleibt dabei nichts erhalten. Doch werde es „relevante“ Neupflanzungen um die Neubauten geben, wie die Stadt betont, und die Flachdächer würden zur Hälfte als Gründächer gestaltet (neben Photovoltaik-Anlagen und begehbaren Dachterrassen). Gewiss bleibe dennoch eine Verschlechterung in Sachen „Grün“, und man bedauere den Wegfall der Bäume, heißt es in der Abwägung des Stadtbauamtes zu den Einwänden des Landratsamtes. Doch angesichts der Gesamtplanung sei das gerechtfertigt. Nicht nur, dass solche Nachverdichtung in der Stadt Flächenverbrauch am Stadtrand erspare. „Man muss das umfassender betrachten“, betonte Stadtbaumeisterin Andrea Roppelt: Innenstadtnahe Wohnungen würden für kurze Wege der Bewohner sorgen, und das vermeide Verkehr.

Schon lange besteht beträchtliches Baurecht

Grünen-Stadtrat Alfred Honisch hatte dennoch Zweifel. „Ich frage mich in Zeiten des Klimawandels durchaus: Kann man noch so vorgehen und erst mal alles fällen für maximales Baurecht? Nein, das kann man nicht mehr!“ Doch Manfred Stork, Chef der Bauverwaltung im Rathaus, erinnerte daran, dass im derzeit gültigen, vor 25 Jahren aufgestellten Bebauungsplan für das fragliche Areal „kein einziger Baum als zu erhalten festgesetzt“ sei und auch dieser schon beträchtliches Baurecht zugestehe.

Auch interessant: Wie viel Wohnbau verträgt Weilheim?

Würde man das jetzige Änderungsverfahren „auf Null stellen, und der Bauwerber baut nach dem jetzt gültigen Bebauungsplan“, so die Folgerung von Rupert Pentenrieder (BfW), „dann bleibt auch kein Baum stehen – und wir bekommen deutlich weniger Wohnraum“. Und BfW-Kollege Claus Reindl sagte: „Angesichts ständiger Appelle, Wohnraum zu schaffen, kann ich die ganzen Einwendungen des Landratsamtes nicht nachvollziehen.“

„Planer hat sich zu wenig angestrengt“

Klaus Gast (CSU) fühlte sich hingegen bestätigt in seiner Ablehnung der geplanten Bebauung: „Zehn Meter Abstand zwischen dreigeschossigen Gebäuden ist einfach zu eng.“ Ähnlich Walter Weber (FW): „Ich hätte mir gewünscht, dass uns der Bauwerber da entgegenkommt und auf einen Block verzichtet.“ Auch habe sich der Planer „zu wenig angestrengt“, um Bäume zu erhalten. Stefan Zirngibl (CSU) wiederum verwies darauf, dass die Bebauung nebenan am Meisteranger „ähnlich dicht“ sei. Und: „Tatsache ist hier schlicht, dass der bestehende Bebauungsplan bereits Baurecht geschaffen hat. Das ist vielleicht nicht mehr zeitgemäß, aber da kommen wir nicht raus, sonst würde die Stadt schadensersatzpflichtig.“

„Insgesamt ein Gewinn für die Stadt“

Am Ende hat der Ausschuss – der in diesem Fall Beschlussgremium ist – die Abwägung des Stadtbauamts angenommen. Das heißt: Es bleibt bei der geplanten Bebauungsplan-Änderung. Dagegen stimmten Gast, Honisch und Weber.

Michael Lorbacher (SPD) begründete seine Zustimmung so: „Auch wenn ich hier sicher nicht begeistert reinspringe und sage: Toll, dass die Bäume weg sind... Gesamtgesellschaftlich ist es ein Gewinn für die Stadt.“

Lesen Sie hier von Verbesserungen im ÖPNV in Weilheim

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