+
Eine Bauanfrage für ein neues Einfamilienhaus in diesem Bereich der Gartenstraße führte zu einer sehr grundsätzlichen und kontroversen Diskussion im Bauausschuss. 

Bebauungsplan „Moosstraße und Sommerstraße“

„Eine Aufhebung wäre ehrlicher“

  • schließen

Eine Bauanfrage für ein Einfamilienhaus an der Gartenstraße hat eine grundsätzliche Diskussion im Bauausschuss des Stadtrates ausgelöst. Dabei hatte gegen den Neubau an sich kaum einer etwas einzuwenden (nur FW-Vertreter Walter Weber stimmte dagegen).

Weilheim – Anstelle des bisherigen „bescheidenen Siedlungshauses“ – so die Beschreibung des Stadtbauamtes – wollen die Antragsteller dort ein Kniestockhaus mit zwei Vollgeschossen und 23 Grad Dachneigung errichten. In Sachen „überbaubare Fläche“ würde der Neubau die Festsetzungen des dort geltenden, im Jahr 1959 aufgestellten Bebauungsplanes „Moosstraße und Sommerstraße“ einhalten. Bezüglich der Bauweise, der Gebäudegeometrie und der Dachneigung wären indes eine Reihe Befreiungen nötig.

Solche Befreiungen aber seien „eigentlich nur ein Instrument für den Einzelfall“, sagte Stadtbauamts-Mitarbeiter Stefan Kirchmayer in der Februar-Sitzung. Und von einem solchen könne angesichts der bestehenden Häuser in der Umgebung – mit „einer Vielzahl von Abweichungen vom Bebauungsplan“ – nicht die Rede sein. Das Stadtbauamt schlug deshalb vor, den Bebauungsplan entweder zu ändern oder sogar aufzuheben.

„Eine Aufhebung wäre ehrlicher“, warb Stadtbaumeisterin Andrea Roppelt für Letzteres: „Wir haben hier letztendlich nur noch einen Alibi-Bebauungsplan, von dem wir ständig befreien.“ Einen neuen Bebauungsplan „über das Viertel zu legen“, davon riet Roppelt ab: „Es gibt wenige Gebiete in Weilheim, die so charmant gewachsen sind.“ Würde der Bebauungsplan aufgehoben, müssten sich künftige Bauten an den vorhandenen Gebäuden orientieren.

Dann aber habe „die Stadt die Entwicklung nicht mehr in der Hand“, warnte CSU-Stadtrat Stefan Zirngibl. Und seiner Erfahrung nach werde bezüglich der Gebäudegrößen „bei jedem folgenden Bauantrag ein Stück draufgelegt“. „Dann verschiebt es sich immer mehr in eine Richtung, die wir nicht wollen“, ergänzte Zirngibls Fraktionskollege Klaus Gast, „und die Position der Stadt ist die Schwächste“. Deshalb plädierten die beiden CSU-Vertreter im aktuellen Fall für eine Einzelfallentscheidung.

Per „Antrag zur Geschäftsordnung“ drängte Gast darauf, die Entscheidung einen Monat zurückzustellen, um sich die Situation vor Ort genau anschauen zu können. Das lehnte jedoch eine knappe Mehrheit ab. Weitgehende Einigkeit herrschte dann bei der Abstimmung über die vorliegende Bauanfrage: Außer Walter Weber stimmten dem Neubau alle zu. Die nötigen Ausnahmen seien schlicht „dem alten Bebauungsplan geschuldet, der knebelt“, so begründete etwa Brigitte Holeczek (BfW) ihr Ja: „Dieses Haus wäre anderswo in Weilheim kein Problem.“ Klaus Gast nannte die neue Planung sogar einen „Gewinn“, denn die im Bebauungsplan geforderten steilen Dächer („das war Ausdruck der Zeit, die Handschrift des damaligen Stadtbaumeisters“) seien „eigentlich nicht typisch für unsere Gegend“.

Blieb nurmehr die Frage, auf welchem Weg der Neubau ermöglicht werden solle. Mit denkbar knapper Mehrheit (fünf zu vier Stimmen) votierte der Ausschuss dafür, den Bebauungsplan aufzuheben – gegen die Stimmen von Gast, Zirngibl, Weber und Grünen-Sprecher Alfred Honisch. Endgültig zu entscheiden hat darüber aber der Gesamt-Stadtrat – in seiner Sitzung am morgigen Donnerstag.

Die Stadtratssitzung

beginnt morgen, Donnerstag, 16. Februar, um 19 Uhr im Rathaus (großer Sitzungssaal).

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

„Rigi-Rutsch‘n“: 1897 Besucher am bisherigen Rekordtag
Nach einem Jahr Pause kann heuer wieder in der „Rigi-Rutsch‘n“ gebadet werden - allerdings ohne Warmbecken. Ob das Verluste bringt? Eine erste Bilanz:
„Rigi-Rutsch‘n“: 1897 Besucher am bisherigen Rekordtag
Bettlerinnen bestehlen Rentner (77)
Seine Gutmütigkeit wurde einem Weilheimer (77) zum Verhängnis. Er öffnete einer Frau mit Kind die Tür. Zum Dank stahl sie ihm mit einer Komplizin Geld.
Bettlerinnen bestehlen Rentner (77)
Autoverkauf: Auf den richtigen Zeitpunkt kommt es an
Jedes Jahr wechseln in Deutschland zehn Millionen Pkw den Besitzer. Doch wann ist der richtige Zeitpunkt gekommen, sich von seinem Wagen zu trennen?
Autoverkauf: Auf den richtigen Zeitpunkt kommt es an
Red Dot: Ein roter Punkt für „drawlk“ aus Penzberg
Anna Gmelin hat für ihre Internet-Plattform „drawlk“ den internationalen Design-Preis „Red Dot“ erhalten - was für die Architektin aus Penzberg völlig überraschend kam.
Red Dot: Ein roter Punkt für „drawlk“ aus Penzberg

Kommentare