Da müssen die ausgefüllten Briefwahlunterlagen rein: Der Briefkasten der Stadt Weilheim.
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Da können die ausgefüllten Briefwahlunterlagen rein: der Briefkasten der Stadt Weilheim.

Bundestagswahl 2021

Begehrte Briefwahl: Im Landkreis Weilheim-Schongau wird schon jetzt abgestimmt

  • Katrin Kleinschmidt
    VonKatrin Kleinschmidt
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Noch eineinhalb Wochen sind es bis zur Bundestagswahl. Und während die Kandidaten um Stimmen buhlen, hat manch’ Wahlberechtigter längst seine Kreuze gesetzt. Die Briefwähler werden im Landkreis immer mehr – und sind heuer womöglich in der Mehrheit.

Landkreis – Tagtäglich trudelt im Rathaus Weilheim ein ganzer Stapel Briefe ein. Der Inhalt: streng geheim – Wahlgeheimnis. Denn obwohl die Bundestagswahl offiziell erst am Sonntag, 26. September, stattfindet, werden viele Menschen im Landkreis ihre zwei Kreuze vorher setzen. Die Briefwahl wird immer beliebter, ist in den Rathäusern zu erfahren. Nicht nur wegen der Corona-Pandemie.

„Das Interesse an der Briefwahl ist schon lange von Wahl zu Wahl gestiegen“, sagt Andreas Bayerlein, Leiter des Einwohnermeldeamts in Weilheim. Ihn wundert das nicht. „Es ist eine gemütliche, angenehme Alternative zum Gang ins Wahllokal.“ Von der Bundestagswahl 2017, als 5451 Weilheimer per Post wählten, ist es zu diesem Jahr ein Riesen-Sprung: 8319 der 16 979 Wahlberechtigten haben in Weilheim schon die Unterlagen angefordert. Der Anstieg „liegt auch daran, dass es eine spannende Wahl ist“, sagt Bayerlein.

Die Bundeskanzlerin tritt nicht mehr an - das verspricht Spannung

Das glaubt auch Martin Keßler, Leiter des Bürgerservice in Schongau. „Frau Merkel tritt nicht mehr an, das macht die Wahl vielleicht interessanter“, sagt er. Hinzu kämen andere Faktoren: Manche Wähler seien im Urlaub oder wollen den Sonntag für Ausflüge nutzen, andere meiden wegen der Pandemie Wahllokale. Zudem sei die Briefwahl denkbar einfach. „Man scannt nur den QR-Code auf der Wahlbenachrichtigung, schon kommen die Unterlagen nach Hause.“ Der Antrag kann auch schriftlich oder mündlich gestellt werden. Für den Wähler ist das Versenden seines Stimmzettels ans Rathaus obendrein kostenlos.

Bisher haben in Schongau rund 3750 der 8350 Wahlberechtigten die Unterlagen angefordert. Ende August, Anfang September „ging es rund“ bei den Anträgen zur Briefwahl, sagt Keßler. Schon jetzt ist klar, dass die Kommunalwahl 2020 im Hinblick auf den Anteil der Briefwähler getoppt werde – damals hatten sich 3500 Schongauer dafür entschieden.

Großes Interesse auch in Peißenberg und Peiting

Das riesige Interesse am „Wählen per Post“ zeichnet sich auch im restlichen Landkreis ab. In Peißenberg hatten bis Dienstagvormittag 4675 der 9500 Wahlberechtigten die Briefwahl beantragt. „Im Vergleich zur Bundestagswahl vor vier Jahren ist das eine hohe Quote“, sagt Michael Schnitzer, Leiter des Einwohnermeldeamtes. 2876 Peißenberger wählten da den Gang zum Briefkasten, bei der Corona-gebeutelten Kommunalwahl 2020 waren es 3994 Briefwähler – bei rund 10 000 Wahlberechtigten.

9156 Menschen sind es heuer in Peiting, die ihre Stimme abgeben dürfen. 4320 Briefwahlunterlagen wurden bisher ausgegeben. „Bei der Wahl sind wir bestimmt bei 5000“, sagt Marlene Habersetzer, Mitarbeiterin im Einwohnermeldeamt.

Briefwähler voraussichtlich in der Mehrheit

Viele Unterlagen wurden auch in Steingaden und Wildsteig versandt, sagt Franziska Eicher vom Einwohnermeldeamt der Verwaltungsgemeinschaft Steingaden. In den beiden Orten haben fast 50 Prozent der Wähler die Briefwahlunterlagen beantragt. In Prem, das ebenfalls zur VG gehört, ist das Interesse nur ein wenig gedämpfter.

In Penzberg wurde die 50-Prozent-Quote bereits überschritten. Etwa 6500 der rund 12 000 Wahlberechtigten haben sich bis Dienstag für die Briefwahl entschieden. Der Aufwärtstrend sei „eindeutig“, sagt Joachim Bodendieck, Abteilungsleiter „Ordnungsangelegenheiten“ im Rathaus.

Und so zeichnet sich ab, dass heuer im Landkreis mehr Wähler ihre Stimme per Post als im Wahllokal abgeben werden. Bis Freitag, 24. September, 18 Uhr, können Wähler die Briefwahl-Unterlagen anfordern. Keßler appelliert aber daran, sich frühzeitig zu melden, damit die Rathausmitarbeiter rechtzeitig alles versenden können. „Hoffentlich kommt nicht kurz vor Schluss die große Panik.“

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