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Mit Plakaten und Bannern zogen die Demonstranten am Sonntagvormittag vom Unterhausener Maibaum zur Ammer.

Rund 600 Bürger bei Demonstration 

Nein zur Umfahrung, Ja zum Kurztunnel

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Gut 600 Menschen demonstrierten in Unterhausen am Sonntag gegen eine oberirdische Umfahrung Weilheims. Ein (Kurz-)Tunnel aber, so hieß es, könne eine Lösung sein, „die die Stadt nicht spaltet“.

Weilheim – „Wie wollen wir leben?“, diese Frage hatte der Veranstalter, die Bürgerinitiative (BI) „Heimat 2030“, über die Demonstration am Sonntagvormittag gestellt. Antworten gaben einige Redner, aber auch zahlreiche Bürger mit Plakaten: Mit einer Umgehungsstraße im Osten oder Westen Weilheims wollen sie nicht leben, so der Tenor. Denn eine solche würde ihrer Meinung nach unzeitgemäßen Flächenfraß, eine Zerstörung von Natur, landwirtschaftlicher Fläche und Erholungsraum bedeuten – und das „bei geringem Nutzen“.

Bei der Auftaktkundgebung am Unterhausener Maibaum erklärte BI-Vertreterin Karin Knöthig Zahlen aus dem vom Staatlichen Bauamt in Auftrag gegebenen Verkehrsgutachten: Durchgangsverkehrsquoten von 35 bis 40 Prozent wurden demnach im so genannten „Außenkordon“, etwa an der Unterführung beim Dietlhofer See, ermittelt – wo kein Binnenverkehr zu Buche schlägt. Am Rathausplatz betrage der Anteil des Durchgangsverkehrs etwa 20 Prozent, an der Münchener Straße oder in der Oberen Stadt sei es ähnlich. „Über 80 Prozent der Autos würden da bleiben, auch mit einer Umfahrung“, sagte Knöthig zu den rund 600 Versammelten; „bitte machen Sie sich Gedanken: Ist es das denn wert?“

Ein Kurztunnel unter der B2 vom Amtsgericht bis zum Landratsamt, kombiniert mit einer Unterführung der Kaltenmoserstraße, könnte ein Kompromiss sein, wie mehrere Redner betonten. Ein solcher sei „technisch realisierbar, bezahlbar und am effektivsten von allen Varianten“, so Mit-Initiator Ullrich Klinkicht: Der Durchgangsverkehr könnte dann „ohne Ampel durch Weilheim fahren“, zugleich könne ein solcher Tunnel – anders als eine lange, bergmännische Variante – auch innerörtlichen Verkehr aufnehmen.

Für BI-Sprecher Oskar Handow wäre ein solcher Kurztunnel eine Lösung, „die die Stadt nicht spaltet“ – anders als eine West- oder Ost-Umfahrung. Mit Letzteren wolle das Bauamt vor allem „Verkehr ertüchtigen“, da gehe es „nicht um Weilheimer Bedürfnisse“. Auch auf die BfW-Broschüre mit dem Titel „Weilheim bremst“ ging Handow ein: „Ja, ich glaube, dass Weilheim bremsen sollte. Wir sollten innehalten und überlegen, wie wir in 20 Jahren leben wollen – und eine Lösung finden, die die Stadt nicht spaltet, sondern langfristig passt.“

In einer langen Schlange zogen die Besucher dann zur Ammer, dort hatten die Veranstalter markiert, wo eine ortsferne Westumfahrung über den Fluss führen würde. Für die Wirtschaft möge eine Umfahrung „vernünftig“ sein, sprach Bund Naturschutz-Kreisvorsitzender Helmut Hermann ins Mikrofon: „Für uns bedeutet Vernunft die Bewahrung unserer Lebensgrundlagen.“ Reinhold Schumacher , Vorsitzender der „Schutzgemeinschaft Weilheimer Moos“, erklärte, wie eine Straße dort die „Gesamtökologie“ und insbesondere geschützte Tiere und Pflanzen „massiv beeinträchtigen würde“. So habe eine Umweltverträglichkeitsprüfung vor zehn Jahren bereits „eine West- und eine Ostumfahrung ausgeschlossen“.

Zurück am Unterhausener Maibaum, gab es Musik, Weißwürste, Kuchen und Getränke sowie Infostände. Und drei Mädchen – Rebekka, Leonie und Lilith – luden alle Kinder zum Bildermalen und zur Unterschriftensammlung ein: „Die geben wir dem Herrn Bürgermeister persönlich.“

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