Ausgefeilte Hygienekonzepte in den einzelnen Friseurgeschäften sorgten im vergangenen Jahr dafür, dass bei 700 000 Friseurbesuchen nur sechs Corona-Infektionen registriert wurden, so der Chef der Kreishandwerkerschaft.
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Ausgefeilte Hygienekonzepte in den einzelnen Friseurgeschäften sorgten im vergangenen Jahr dafür, dass bei 700 000 Friseurbesuchen nur sechs Corona-Infektionen registriert wurden, so der Chef der Kreishandwerkerschaft.

Einige Betriebe schon geschlossen

Bei den Friseuren brennt (noch) Licht - mit Aktionen wollen sie für Öffnung kämpfen

  • Sebastian Tauchnitz
    VonSebastian Tauchnitz
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Die Friseure im Landkreis wollen nicht länger die Füße stillhalten. Sie verfügen über ausgefeilte Hygienekonzepte, der Bedarf an einem Haarschnitt oder frischen Strähnchen ist bei den meisten riesig. Mit verschiedenen Aktionen wollen die Friseure dafür kämpfen, dass sie ihre Geschäfte wieder öffnen dürfen.

Landkreis – Zahlreiche Branchen sind von den Auswirkungen des Corona-Lockdowns betroffen: das Gastgewerbe, der Einzelhändler, zahlreiche Dienstleistungsunternehmen. Besonders hart trifft es aber gerade die Friseure.

Wenn der Lockdown wirklich am 14. Februar enden sollte – was längst noch nicht ausgemacht ist –, dann durften sie ihre Geschäfte zehn Wochen lang nicht öffnen. „Die Betriebe stehen in dieser Zeit komplett ohne Einnahmen da“, sagt der Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Oberland, Roland Streim, im Gespräch mit der Heimatzeitung.

„Die Gastronomen können wenigstens das To-Go-Geschäft machen, die Einzelhändler haben die Möglichkeit, wenigstens etwas Umsatz über Click&Collect zu machen“, erklärt er. „Aber ein Friseur kann kein To-Go-Geschäft machen.“ Sicher, die eine oder andere Tönung oder eine Dose Haarspray holen treue Kunden schon einmal beim Friseur ab – aber das falle angesichts der immensen Kosten, die die Unternehmen zu schultern haben, nicht ins Gewicht. Die Pacht wird fällig, auch wenn die Mitarbeiter in Kurzarbeit sind, müsse der Lohn erst einmal von den Friseurbetrieben vorgestreckt werden. Dass das Geld vom Staat viel zu lange auf sich warten lässt, habe man in den vergangenen Monaten immer wieder leidvoll erfahren müssen.

Einige Betriebe hätten mittlerweile schon die Segel gestrichen: „Das waren aber in der Regel Unternehmen, deren Chefs kurz vor der Rente standen und den Ruhestand angesichts der Corona-Pandemie einfach vorgezogen haben“, so Streim. Ob und wann allerdings die ersten Friseurbetriebe, für die das nicht gilt, aufgeben müssen, könne man nicht sagen. „Aber in Gesprächen mit den Betroffenen merkt man schon, dass die Lage ernst ist.“ Zudem sei das Friseurgewerbe „das einzige Vollhandwerk, das nicht arbeiten darf.“

Darauf, in welch auswegloser Situation sie sind, wiesen Bayerns Friseure am gestrigen Freitag mit einer landesweiten Aktion hin. Unter dem Motto „Wir lassen das Licht an“, blieben die geschlossenen Salons 24 Stunden lang erleuchtet. „Für Unternehmer im Friseurhandwerk sehen die aktuellen Programme letztlich keine Hilfe für ein würdiges Überleben in der Krise vor. Ihnen bleibt als bisher erfolgreiche Macher nur die Grundsicherung als Rettungsanker“, so die Landesinnungsmeisterin Petra Zander zu den Hintergründen der Aktion. „Wir kämpfen um unsere Existenz und wollen arbeiten. Wir haben seit fünf Wochen geschlossen und noch keinen Cent erhalten.“

Die Generalsekretärin der Freien Wähler im Landtag, Susann Enders, warnt derweil nach einem Gespräch mit Friseurmeister Jörg Mengel vor wachsender Schwarzarbeit in diesem Bereich. Mengel lehne Schwarzarbeit grundsätzlich ab. „Die aktuelle gesetzliche Regelung bringt die Menschen dazu, ihre Friseure um Schwarzarbeit zu fragen. Dabei ist in den Badezimmern, wo kein funktionierendes Hygienekonzept umgesetzt wird, die Infektionsgefahr enorm“, wird er zitiert. Ender stimmt dem nach eigenen Angaben zu: Corona sei eine ernste Bedrohung, betont sie. Falsche Entscheidungen setzen dabei Menschenleben aufs Spiel. Als Gesundheitspolitikerin fehle ihr in diesem Fall aber der Nutzen zur Eindämmung des Infektionsgeschehens.

Die Maßnahme, Friseursalons zu schließen, stehe in keinem Verhältnis zu den Auswirkungen. „Ein Gesetz ist doch nicht dafür da, dass man die besten Schleichwege sucht, um es zu umgehen. Mir wäre ein Haarschnitt unter den Voraussetzungen eines anständigen Hygienekonzeptes mit FFP 2-Maskenpflicht im Salon deutlich lieber, als der Gedanke, dass bayernweit Friseure täglich in 10 verschiedenen privaten Haushalten heimlich unterwegs sind.“ Außerdem komme dadurch eine ganze Branche unter Generalverdacht, von der der bayerische Ministerpräsident Markus Söders in einer Regierungserklärung noch behauptet hat, „dass Friseure ebenfalls systemrelevant sind“.

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