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Na, wer hat verrückte Ideen? Die „Improkiste“ mit (v.l.) Eva Maria Lier, Riccardo Schubert, Martina Sattler, Brigitte Schröder ließ sich vom Publikum inspirieren.

Theater in Weilheim

Bei der „Improkiste“ ist nichts unmöglich!

Theaterspiel auf Zuruf, sogenanntes Improvisationstheater, ist  derzeit in Mode. Die „Improkiste“ aus München setzte auch die verrücktesten Ideen des Publikums um. 

Weilheim –   Der Preis für die Spontaneität eines Improvisationstheater ist freilich ein Verlust an sprachlicher Exaktheit und thematischer Stringenz. Doch auch das passt in die heutige Zeit, in der in Radio und Fernsehen zunehmend Moderationsstrecken und Talkrunden, also das spontan gesprochene Wort, an die Stelle des vorher schriftlich fixierten und vorgetragenen Textes treten. Zu den vielen Ensembles, die sich dem neuen Genre widmen, zählt das Münchner Improtheater „Improkiste“, das am Freitag auf der Bühne unter der Apostelkirche in Weilheim gastierte.

Vermittelt hatte diesen Auftritt die Weilheimerin Brigitte Schröder, die die Schauspieler Eva Maria Lier, Martina Sattler und Riccardo Schubert mit musikalischer Improvisation auf der Harfe begleitet. Wer Improtheater kennt, weiß, dass hier nichts unmöglich ist – und so gelang es dem Münchener Trio, auch aus den verrücktesten Vorgaben des Publikums immer noch eine irgendwie stimmige Spielszene zu stricken.

Die wohl schwierigste Aufgabe hatte Lier, als sie einen Gegenstand umtauschen sollte, ohne zu wissen, worum es sich handelt. Unglaublich, dass es ihr gelang, zu erraten, was sie gekauft hatte, nämlich Stützstrümpfe. Auch nicht zu beneiden waren ihre Kollegen, die aus der Verszeile „Ausgesetzt auf den Bergen des Herzens“ spontan ein ganzes Gedicht entwickeln mussten, Sattler in sehnsüchtiger, Schubert in wütender Verfassung. Während sie bewundernswert schnell in die Gänge kam, brauchte er eine Weile, um in die Wut des verlassenen Liebhabers hinein zu finden. Sehr witzig war die Szenerie, die sich um das Thema „Giersch“ ranken sollte: Daraus entstand ein Dialog zweier Nachbarinnen am Gartenzaun, die dem Gewächs jeweils auf ihre Weise den Garaus machten, indem es die eine „ins Süpple nei“ tut und die andere daraus einen Smoothie zubereitet – bis der neue Nachbar mit dem Ökowahn auftaucht, der den Löwenzahn zum Entsetzen der Damen eigens anpflanzt.

Nicht alles lief so gut, doch irgendwie kriegten die findigen Akteure immer die Kurve. Am Ende stand der „heiße Stuhl“, auf dem die drei Akteure im Wechsel Platz nehmen und Geschichten über Ostern erzählen mussten. Grandios der Einstieg Sattlers: „Ich weiß nicht, wie die anderen Hasen das machen. Ich kann einfach keine Eier legen…“ Schön war auch der Beschluss der drei, die Figuren aus der Garten-Szene erneut zusammenzuführen: Gierschtee trinkend schauten sie entspannt auf das heikle Löwenzahn-Thema und sinnierten: „Dahoam samma dahoam!“ Die rund 30 Besucher applaudierten freigiebig.

Sabine Näher

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