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Landrätin mit dramatischem Appell an die Bevölkerung: „Holt‘s Euch einen Impftermin“

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Von: Sebastian Tauchnitz

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Die Lage in den Krankenhäusern spitzt sich zu.
Die Lage in den Krankenhäusern spitzt sich zu. © dpa

Die Corona-Infektionszahlen im Landkreis steigen nach wie vor schwindelerregend an. Der einzige Ausweg, das wurde jetzt im Landratsamt betont, sei eine möglichst flächendeckende Schutzimpfung.

Landkreis – Mit einem dramatischen Appell hat sich Landrätin Andrea Jochner-Weiß via Pressekonferenz an die Öffentlichkeit gewandt: „Die vierte Corona-Welle ist ein Tsunami. Wir sehen uns mit einer Lage konfrontiert, die niemand hat kommen sehen.“ Nur mit dem Finger auf die Politik zu zeigen, reiche nicht mehr aus: „Auch die Gesellschaft hat eine Mitverantwortung. Holt‘s Euch einen Impftermin – ich verstehe die Diskussion nimmer, wenn man rausschaut, was gerade los ist.“

Zwar müssten in den Krankenhäusern im Landkreis noch keine Patienten abgewiesen werden, aber „wenn es so weiter geht, kann es passieren, dass die Ärzte entscheiden müssen, wer intensivmedizinisch behandelt wird und wer nicht“. Immer mehr Menschen würden sich mit gefälschten Impfzertifikaten auf Veranstaltungen einschleichen oder sich bei „Leberkäspartys“ vorsätzlich anstecken, um danach als Genesener zu gelten. „Sie spielen nicht nur mit ihrem Leben, sondern auch mit dem von anderen“, warnte sie.

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Gesundheitsamtsleiter Dr. Stefan Günther meinte: „Bei uns ist Feuer unterm Dach.“ Man bemühe sich zwar, alle Neuinfektionen tagaktuell abzuarbeiten und weiterzumelden, „wir schaffen es aber nicht ganz“. Dennoch würden derzeit täglich neue Höchstmarken bei den Infektionszahlen aufgestellt. Der gestrige Tag war mit 160 neu gemeldeten Fällen ein weiterer trauriger Rekord. Durch die Meldeverzögerungen stimme allerdings der Sieben-Tage-Inzidenzwert nicht, räumte Günther ein: „Wir liegen real sicher über 500.“

Keine Hotspots: Die vierte Welle grassiert flächendeckend

Keine klare Aussage traf er indes über die Gründe, warum sich derzeit so viele Menschen anstecken. „Da spielen sicher auch größere Veranstaltungen etwa in Weilheim eine Rolle“, meinte der Gesundheitsamtsleiter. Klare Hotspots seien aber nicht erkennbar, die vierte Welle grassiere flächendeckend.

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Nur ausweichend antwortete er auf die Frage, ob die geänderten Quarantänebestimmungen in Kombination mit der hochansteckenden Delta-Variante, die derzeit für 90 Prozent der Neuansteckungen verantwortlich ist, Mitschuld an den hohen Inzidenzen sei. Früher wurden die Kontakte jedes einzelnen Infizierten aufwändig nachverfolgt, sämtliche Kontaktpersonen sicherheitshalber in Quarantäne geschickt. „Nur noch Kontaktpersonen aus dem gleichen Wohnumfeld müssen in Quarantäne. Wer Symptome entwickelt, wird aufgefordert, Kontaktpersonen selbst zu informieren, damit diese sich testen lassen“, so Günther weiter.

Einige Ärzte im Landkreis verbreiten vorsätzlich Falschinformationen

Er warnte davor, die derzeitigen Infektionszahlen auf die leichte Schulter zu nehmen. Statistisch gesehen, würden 2,71 Prozent der Erkrankten stationär aufgenommen werden, jeder Dritte von ihnen auf der Intensivstation landen. Bei 100 Neuinfektionen am Tag würde das drei neue Fälle pro Tag bedeuten, die binnen 14 Tagen im Krankenhaus landen, darunter einer, der intensivmedizinisch behandelt werden muss.

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Chefarzt Prof. Andreas Knez bestätigte Günthers Aussagen. Er bekräftigte, dass eine Impfung zwar nicht zwangsläufig bedeute, dass man nicht an Corona erkrankt, aber sehr wirksam einen schweren Verlauf verhindere. Knez kritisierte einzelne Ärzte auch im Landkreis, die mit Falschinformationen ihre Patienten verunsichern würden. „Wir stellen fest, dass die Impfquote insbesondere bei jungen Frauen sehr gering ist, weil ihnen eingeredet wird, sie könnten dann nicht mehr schwanger werden“, so Knez. Man müsse nur nach Portugal schauen. Da sei die Impfquote immens höher als in Deutschland, „die Geburtenrate ist aber stabil geblieben“.

Eher ausweichend äußerten sich Knez und Thomas Lippmann, Geschäftsführer der Krankenhaus Weilheim-Schongau GmbH, zum Thema Impfpflicht für medizinisches Personal, das gerade bei den Koalitionsverhandlungen in Berlin diskutiert wird. „Das können wir nicht machen, dann wandert das Personal ab. Wenn, dann braucht es eine bundesweite Regelung“, meinte Knez.

Impfquote beim Krankenhaus-Personal nur bei rund 80 Prozent

Auf Nachfrage räumte Krankenhaus-Chef Lippmann ein, dass die Impfquote beim Personal seiner Häuser „bei rund 80 Prozent“ liegen würde. Dabei seien die Unterschiede zwischen den einzelnen Abteilungen aber deutlich: „Je näher die Leute am Patienten arbeiten, umso größer ist die Impfbereitschaft.“

Der Leiter des Impfzentrums in Peißenberg, Christian Achmüller, berichtete, dass dort gerade die Kapazitäten wieder hochgefahren würden, nachdem die Nachfrage nach Impfungen in den vergangenen Jahren stark zurückgegangen sein: „Wir werden aber noch bis Ende des Monats brauchen“, stellte er klar.

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