49,83 Meter lang, 29 Meter hohe Masten, 15 Segel: Das ist die „Thor Heyerdahl“, die als schwimmendes Klassenzimmer unterwegs ist.
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49,83 Meter lang, 29 Meter hohe Masten, 15 Segel: Das ist die „Thor Heyerdahl“, die als schwimmendes Klassenzimmer unterwegs ist.

Jahrelang darauf hingefiebert

Bereit fürs segelnde Klassenzimmer - Weilheimerin (16) reist durch die Welt

  • vonKatrin Kleinschmidt
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Es schaukelt, ab und an spritzt ein bisschen Wasser, doch die Schüler brüten über ihren Aufgaben. In etwa so muss man sich wohl das „Klassenzimmer unter Segeln“ vorstellen. Mit dem sticht Magdalena aus Weilheim bald in See. Dann beginnen für die 16-Jährige sechs Monate Abenteuer.

Weilheim – Es gibt verschiedene Dinge, auf die Kinder und Jugendliche hinfiebern. Für die einen ist der 18. Geburtstag das große Ziel, andere freuen sich einfach auf Weihnachten oder den nächsten Urlaub. Magdalena aus Weilheim aber träumte schon als Elf-, Zwölfjährige von der zehnten Klasse. Denn die sollte so ganz anders werden als all die Jahre davor und danach. Heuer ist es für die 16-Jährige soweit. Sie hat die angestrebte Jahrgangsstufe erreicht – und kann endlich für ein halbes Jahr in See stechen. Sie ist eine von 34 Schülern, die beim „Klassenzimmer unter Segeln“ dabei sind.

Die Idee kam von der Oma

Von dieser besonderen Möglichkeit hatte Magdalenas Oma vor ein paar Jahren in einem Zeitungsbericht gelesen. Sie erzählte ihrer Enkelin davon – und die war gleich hin und weg. Denn ihre Mama ist gebürtige Hamburgerin. „Ich hatte schon immer eine Vorliebe für Schiffe und große Frachter“, sagt die Weilheimerin, die das Gymnasium in ihrem Wohnort besucht.

Bereit zum Lossegeln: Magdalena aus Weilheim geht auf Schiffsreise.

Und so war für sie klar: Sie wird sich für die besondere Klassenfahrt bewerben. „Seitdem habe ich darauf hingefiebert.“ Und nebenbei die Blogeinträge ihrer Vorgänger verfolgt. Denn das „Klassenzimmer unter Segeln“ wird seit 2008 von der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg mit dem Institut für Erziehungswissenschaft und dem Institut für Lern-Innovation angeboten. Immer im Oktober startet die Reise der zuvor ausgewählten Zehntklässler und ihrer Lehrer.

Sie ziehen dann auf die „Thor Heyerdahl“, die rund 50 Meter lang ist. Die Schüler schlafen in Mehrbett-Kammern mit bis zu sechs Kojen. „Viel Platz ist da nicht“, sagt Magdalena. Das Gepäck muss also gut ausgewählt werden.

Spanisch und Portugiesisch statt Französisch

Auf dem laut Homepage „modernsten Traditionssegler weltweit“ mit seinen drei Masten kochen die Teilnehmer selbst, putzen und werden unterrichtet. Grundlage für die Schulstunden ist der bayerische Lehrplan – wenn möglich, werden die Themen den Orten angepasst, an denen das Schiff gerade ist.

Für die Weilheimerin zählt die Reise wie ein Schulbesuch im Ausland. Statt Französisch stehen allerdings Spanisch und Portugiesisch auf dem Plan. Denn bei den Landgängen sollen sich die Schüler auch selbst verständigen können.

Chemieunterricht an Bord: Das Foto entstand im Schuljahr 2012/2013 auf dem Segelschiff.

Die Route führte seit Jahren eigentlich quer über den Atlantik nach Costa Rica, Panama und Kuba. Corona-bedingt aber musste die Tour heuer angepasst werden. Unter anderem steuern Magdalena und ihre Mitstreiter nun die Kanarischen Inseln, die Azoren und Kapverden, eine Inselgruppe westlich von Afrika, an. „Wir besuchen keine großen Städte, sondern eher natur-orientierte Ziele“, sagt die Weilheimerin. „Das wird sicher interessant.“

Zwischendurch übernehmen die Schüler das Kommando und segeln selbst. Dafür werden auch mal alle Hilfsgeräte, die der Orientierung dienen, ausgeschaltet. „Wir segeln dann nach den Sternen“, sagt Magdalena, die bisher noch nie ein solches Schiff gelenkt hat.

Eiskalt duschen und im Freien schlafen

Und trotzdem hat sie beim sogenannten Probe-Törn überzeugt. Zu dem wurden 50 Schüler eingeladen. Normalerweise dürften sie dann schon das erste Mal aufs Schiff – heuer aber, corona-bedingt eben, fand das Auswahlverfahren online statt. Eine Woche lang tauschten sich die Teilnehmer mehrere Stunden täglich an ihren Bildschirmen aus, machten Gruppenspiele und lösten gemeinsam Aufgaben. Die Teamfähigkeit wurde damit getestet. Und auch die Robustheit der potenziellen Segler stand im Fokus. Unter anderem mussten sie im Freien schlafen. Und eiskalt duschen. „Denn auf dem Schiff gibt’s auch kein warmes Wasser“, sagt Magdalena, die seitdem immer wieder unter die kalte Dusche steigt – zum Abhärten. Auch der angeordnete Frühsport machte ihr wenig aus – sie geht ohnehin gern mal um 6 Uhr morgens zum Joggen. Ansonsten schwimmt sie, besucht ihr Leichtathletik-Training und turnt. „Ich mache so gut wie jeden Sport gern.“ Auf dem Schiff gibt’s weniger Möglichkeiten, um in Bewegung zu bleiben. Magdalena will trotzdem fit bleiben. „Wir haben ein Trimm-Dich-Fahrrad“, sagt sie und ergänzt schmunzelnd: „Und einen Masten kann ich ja auch raufklettern.“

Sie hat auch ihre Geige eingepackt, um an Bord gemeinsam mit anderen zu musizieren. Und auch jede Menge Hefte, Stifte, Kleidung, Lineale und Spitzer sind dabei – allerdings nicht für die 16-Jährige. Die sind als Spende für Grundschüler in Kap Verde gedacht. Nach einer Quarantäne ging’s am Mittwoch mit dem Bus nach Kiel. Dort machen die Schüler ihr Schiff klar, reparieren noch Kleinigkeiten, streichen die ein oder andere Stelle. An diesem Sonntag legt das Schiff ab. Und Magdalenas Traum geht endlich in Erfüllung.

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