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Tanja Reder mit Sohn Lucas und ihrem Chef Cyrus Ahari. 

Beruf oder Familie?

Wie familienfreundlich sind Betriebe?

Im Landkreis gibt es eine Reihe familienfreundlicher Arbeitgeber. Doch nach Meinung von Experten müsste in dieser Hinsicht noch viel mehr getan werden.

Landkreis Tanja Reders Sohn Lucas ist acht Monate alt. Die 37-Jährige geht in ihrer Aufgabe als Mutter auf. Als Regionalleiterin bei der VR-Bank Starnberg-Herrsching-Landsberg ist sie aber gleichzeitig nach wie vor für alle sechs Filialen im Landkreis Weilheim-Schongau sowie weitere Niederlassungen im Landkreis Starnberg verantwortlich. Zunächst hatte sie acht Stunden in der Woche von zu Hause aus gearbeitet, mittlerweile ist sie an zwei Tagen pro Woche in der Bank. Um ihre Kinder kümmert sich dann ihre Mutter Marianne Welzmüller. Bei anderen berufstätigen Eltern übernehmen zum Beispiel „Leihomas“ die Kinderbetreuung – was Geld kostet.

Für die Verbindung von Familie und Beruf zeigen sich auch andere Unternehmen aufgeschlossen. Beim Bekleidungsunternehmen „K+L Ruppert“ in Weilheim kümmert sich Personalleiterin Sabine Salvamoser (50) intensiv um dieses Thema. „K+L“ hat 2012 auf seinem Betriebsgelände an der Paradeisstraße in Weilheim die erste unternehmenseigene Kinderkrippe im Landkreis eingerichtet, die auch für Firmen in der Nachbarschaft und die Öffentlichkeit offensteht. Beim Weil-heimer Maschinenbauunternehmen „Bauer“ ist Personalleiter Ralf Greif zuständig, mit einer eigens zu diesem Zweck geschaffenen Stelle.

Salvamoser sieht das Familienbüro des Landkreises sowohl als Anlaufstelle für Eltern als auch als Berater von Unternehmen. Sein Leiter, Johannes Lehnert, freut sich über alle familienfreundlichen Ansätze – doch von denen gibt es nach seiner Meinung noch viel zu wenige. Dabei meint er etwa Angebote der Kommunen, etwa für Kindertagesstätten: „Oftmals scheitern wir an den Gemeinde- und Stadträten.“ In Weilheim-Schongau sei die Koordination „ausbaufähig“. Manche Verhandlungen hätten sich schon zerschlagen.

Im kommunalen Bereich weist die Tendenz nach Lehnerts Eindruck „von den Kindern weg und eher in den Seniorenbereich“. Die Folgerung des Familienbüro-Leiters: „Der Einfluss auf die Kommunen muss sich verbessern.“

Auch für die betreffenden Mitarbeiter sei es nicht immer leicht, „das Elternsein hinzukriegen“, sagt Greif. Ob die Kollegen immer bereit sind, für einen Vater oder eine Mutter einzuspringen, wenn die zu ihrem Kind müssen? „Die Bereitschaft ist schon da“, sagt Salvamoser. Aber die Führungskräfte müssten auch darauf achten, dass es nicht zu Lasten anderer Kollegen gehe.

Tanja Reder, die aus Bauerbach stammt, hat, als sie im vorigen Jahr schwanger wurde, ein Konzept entworfen und ihrem Chef Cyrus Ahari vorgelegt. „Er steht voll dahinter“, sagt sie. Das ist nicht unbedingt selbstverständlich. Es ist ein offenes Geheimnis, dass Vorgaben der Unternehmensleitungen für Familienfreundlichkeit immer wieder an den direkten Vorgesetzten der Betroffenen scheitern.

Persönliches Engagement der Firmenchefs ist da oft hilfreich. „Unser Chef Klaus Bauer lebt es vor“, sagt Greif, „er hat selbst Familie.“

Lorenz Goslich

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