Falsche Schätzungen

Berufsschule Weilheim: Ausschreibung aufgehoben

Fehlstart bei der Ausschreibung für die Berufsschule in Weilheim: Die Baumeisterarbeiten lagen um rund ein Drittel über den Schätzungen. Die Ausschreibung wurde deshalb aufgehoben.

Weilheim – 69,8 Millionen Euro soll die neue Berufsschule am Narbonner Ring in Weilheim kosten, enthalten ist darin auch eine Risikoreserve von knapp zwei Millionen Euro. Die wäre allerdings schon mehr als aufgebraucht gewesen, hätte der Landkreis die Ausschreibung nicht aufgehoben: 10,2 Millionen Euro waren für die Baumeisterarbeiten veranschlagt; die wenigen Angebote, die abgegeben wurden, waren deutlich höher. Wie zu erfahren war, lag das günstigste Angebot immer noch ein Drittel, also rund 3,4 Millionen Euro, über dem Ansatz der Planer.

Auf Anfrage bestätigte Kreiskämmerer Norbert Merk die Kostenmehrung und die Aufhebung. Zahlen will er allerdings nicht nennen, diese seien nichtöffentlich behandelt worden. Laut Vergaberecht sei es möglich, eine Ausschreibung aufzuheben, wenn die Angebote mehr als 20 Prozent über den Berechnungen liegen, so Merk, der auch darauf verweist, dass erste kleinere Vergaben im Rahmen gelegen hätten. Aus „finanzwirtschaftlicher Sicht“ sei die Mehrung noch kein „Notstand“ – erst wenn im Februar 2019 die Hälfte der Arbeiten ausgeschrieben seien, könne man eine konkrete Aussagen zu den Gesamtkosten machen. Der Kämmerer erinnert daran, dass andere Projekte des Landkreises in jüngster Zeit sogar günstiger ausgefallen seien. Er meinte das Gymnasium Weilheim, die Sanierung sei rund zwei Millionen Euro günstiger gekommen.

Ob die Steigerung bei den Baumeisterarbeiten für die gewerblich-technische Berufsschule ein singulärer Ereignis sei oder sich bei anderen Gewerken fortsetze, kann Merk nicht sagen. Fest stehe, dass relativ wenige Angebote abgegeben worden seien „und die Spreizung groß war“.

Wie berichtet, hatte es immer wieder Kritik an den Baukosten für die Berufsschule gegeben. Erste Schätzungen waren noch von 30 Millionen Euro ausgegangen, je genauer das Projekt geplant wurde, desto höher wurden die Kosten – zuletzt knapp 70 Millionen Euro. Das Vorhaben fördert der Freistaat mit 57 Prozent der förderfähigen Kosten, das dürfte tatsächlich etwa die Hälfte der kompletten Summe sein.

Der Spatenstich mit Ministerpräsident Söder wurde vor einem Monat groß gefeiert (wir berichteten). Ob sich durch die Aufhebung der Zeitplan mit der geplanten Fertigstellung im März 2021 verschiebe, könne er zum jetzigen Zeitpunkt nicht sagen, so der Kämmerer.

Von Johannes Thoma

Rubriklistenbild: © EMANUEL GRONAU

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