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Symbolfoto.

Betrüger wollen PC kapern

Hier spricht – nicht – „Microsoft“

Mit einer neuen Betrugsmasche versuchen derzeit Kriminelle, an das Geld von Weilheimern zu kommen. Die Unbekannten geben sich als Mitarbeiter von „Microsoft“ aus.

Weilheim – Eine Frau sitzt an ihrem Laptop und arbeitet, als das Telefon klingelt. Eine deutsche Nummer ist auf dem Display zu sehen, die Weilheimerin nimmt ab. Es meldet sich eine Frau, die in gebrochenem Englisch erzählt, dass sie von der Firma „Microsoft“ anrufe und der Rechner der Weilheimerin ein ernsthaftes Sicherheitsproblem habe, das unbedingt behoben werden müsse. Sie verbinde die Weilheimerin mit einem Techniker, der das Problem – ein Computervirus – gemeinsam mit ihr beseitigen würde.

Auch der vermeintliche Fachmann spricht Englisch mit starkem Akzent. Er wiederholt, dass er von „Microsoft“ sei und wegen des Sicherheitsproblems anrufe. Die Frau solle seine Anweisungen befolgen. Er nennt eine Tastenkombination bei der sich ein Fenster am Laptop öffnet und diktiert eine Buchstabenfolge, die die Frau eingeben soll. Diese hat längst verstanden, dass sie mit Betrügern redet und bricht das Telefonat ab.

Was wäre passiert, wenn die Frau die Buchstabenkombination eingegeben und die Entertaste gedrückt hätte, wie es ihr der Mann am anderen Ende der Leitung auftrug? „Im schlimmsten Fall hätte dieser die Kontrolle über den Computer übernommen“, sagt Kurt Fauser von der Polizei in Weilheim, der auch Betrugsfälle bearbeitet. Dann hätte derjenige Zugang zu allen Daten auf dem Rechner gehabt und mit den entsprechenden Passwörtern auch Online-Banking machen können.

Manchmal werde das Opfer auch aufgefordert, einen bestimmten Betrag auf ein Konto zu überweisen. „Wer sich auf die Masche eingelassen hat, muss entweder seinen Computer wegwerfen oder platt machen“, sagt der Polizist. Wenn die Betrüger ihr Opfer an der Angel haben, kann das schlimm ausgehen: „Wir hatten schon einen Fall, bei dem das ganze Haus verpfändet wurde“, so Fauser. Damals wurde jemandem aus dem Bereich der Kripo Weilheim der Gewinn einer Hotelanlage in Aussicht gestellt wurde, wenn er zuvor rund 200 000 Euro zahlt.

Der Polizist hat die Erfahrung gemacht, dass solche Betrügereien eine Weile vermehrt auftreten und dann wieder Ruhe ist. „Das sind richtige Wellen“, sagt er. Dennoch sei es nahezu unmöglich, die Täter zu fassen: „Es ist letztlich ein weites Feld, aber wir kommen nicht dran, dazu reicht der Arm der deutschen Gesetze nicht weit genug“, sagt Fauser. In der Regel gingen diese Anrufe von Callcentern im Ausland aus. Die Telefonnummern seien manipuliert, sodass die angezeigte Nummer nichts mit der tatsächlichen zu tun habe.

Es ist gut möglich, dass die Frau aus Weilheim noch weitere Anrufe dieser Art erhält, denn laut Fauser ist davon auszugehen, dass ihre Telefonnummer auf einer Liste steht, die es im Darknet zu kaufen gibt. „Im schlimmsten Fall muss die Rufnummer geändert werden“, sagt Fauser, „dann ist meistens Ruhe.“

Für das nächste Mal rät der Polizist, sich auf kein Gespräch einzulassen und sofort aufzulegen, wenn wieder ein Anruf kommt.

Kathrin Hauser

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