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„Ich selber habe meine Arbeiten nie interpretiert“, sagt Ulrike Donié, deren Kunst mit der Ausstellung in Weilheim ihre Premiere in Oberbayern erlebt.

Stadtmuseum Weilheim

Bilder, die auf eine innere Reise führen

Weilheim - Es fehlt nicht an Vergleichen, an Parallelen und an Interpretationen für die Bilder von Ulrike Donié. Umso mehr überraschte, dass die Künstlerin in ihren Bildern gar keinen konkreten Inhalt anlegen will.

Dies betonte Malerin in der selbst gehaltenen Einführung zu ihrer Ausstellung „Untiefen“ im Stadtmuseum.

„Im Grunde entwerfe ich nur den Farbraum, und ich gestalte Farben, die spannend für mich sind“, erklärte die gebürtige Saarbrückerin. Gerne kombiniere sie Töne, die nur schwer miteinander harmonieren, und probiere aus, wie sie trotzdem miteinander „können“ – und so entstünden beispielsweise die Annäherungen von Grün und Violett.

Temperamentvoll zeigte die Künstlerin, die heute in Hennef bei Bonn lebt, ihre Ansätze und Ideen anhand des großen Triptychons, das die Stirnwand des Erdgeschossraumes bespielt. Die Nähe zur Sammlung alter Kunst habe sie schon lange am Weilheimer Stadtmuseum gereizt: Weil ihre Arbeit „auch ein bisschen Bezug nimmt auf die Deckenmalerei des Barock und auf die formale Gestaltung des Alten, wie hier mit der Dreiteilung“, habe sie sich schon 2013 erstmals um einen Ausstellungstermin bemüht.

„Diese Wartezeit demonstriert die Attraktivität unseres Raumes“, sagte Kulturreferentin Ragnhild Thieler zur Begrüßung leicht scherzend. Insgesamt neun Wechselausstellungen seien für 2017 geplant, ergänzte Vizebürgermeister Horst Martin vor der diesmal etwas dünnen Gästeschar, die wohl der Kälte wegen recht übersichtlich war.

Und wie sind sie nun, die Bilder von Ulrike Donié? Die mit Acryl auf Nessel gefertigten Werke sind sehr farbig, dies aber stets mit einer feinfühligen Tiefenwirkung, in denen sich die starken Töne in eine pastose Helligkeit verlieren. Kein Wunder, dass sich viele Betrachter an die Perspektive von Tauchern erinnert fühlen, auch wenn Donié dies gar nicht vorgibt.

Sie hat einfach ihr Repertoire an Formensprache und an deren spezifischer Gestaltung: Da sind lange, ruhige Linien, die dreidimensional schimmern wie Rhabarber-stängel, da sind ovale, reich gefleckte Kokon-Strukturen, ebenso aber auch kleine schwebende Ellipsen. „Nach der Archetypenlehre von C. G. Jung vermutet das Urbewusstsein darin sofort Tierchen, die vielleicht gefährlich sein könnten, anschließend sucht man mögliche Auswege und Sicherheit, und so hangelt sich das Gehirn durch diese Bilderwelt“, erläuterte die Künstlerin.

Gerne hält man sich lange vor Doniés Bildern auf, denn sie balancieren in spannungsreicher, geradezu lebendig-vibrirerender Atmosphäre die Gegensätze zwischen Detailreichtum und Verschwimmen, zwischen Farbkraft und Nebulosität, zwischen Irritation und einladender Neststruktur. Und ob man im Hintergrund noch an Weltraumnebel oder an Blutgefäße denkt, an Korallenwelten oder an die Ursuppe bei der Entstehung des Lebens, das bleibt immer offen und immer nur ein mentaler Gehstock, denn auf jeden Fall führt das Betrachten der Bilder auf eine innere Reise.

Zu sehen

bis 26. Februar, Di-Sa 10-17 Uh und So 14-17 Uhr.

Andreas Bretting 

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