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Ein sogenannter Rottwagen an der Fassade des einstigen Hauses von Caspar Lindner in der Oberen Stadt. 

Blick in Weilheims Historie

Die Steuermoral anno 1758

Weilheim - Steuern zahlten schon früher die Bürger nicht gern. Das zeigt ein Blick in die Notizen des "Dirlpauli" Caspar Lindner aus dem 18. Jahrhundert. 

Mit der Steuermoral war es anscheinend schon immer eine recht heikle Sache – da hat sich in 258 Jahren nur wenig geändert. Im Winter 1758 erschien in der kurfürstlichen Stadt Weilheim plötzlich „der Rentmeister mitsamt seiner Frau Rentmeisterin und dem Kammermensch (der Kammerdienerin, Anmerkung der Redaktion), wie auch der Rentbote, zwei Schreiber und ein Kammerdiener“, um die alten Rechnungen zu prüfen. Dabei zeigte sich, dass ein gewaltiges Soll zu verzeichnen war: „Es hat die ganze Bürgerschaft auf das Rathaus gemusst und haben alle alte Ausstände und Schulden bezahlen müssen. Es sind wenig Häuser davongekommen, welche nicht haben bezahlen müssen.“

Die leere Stadtkasse war den saumseligen Herren Räten zu verdanken, die der Herr Rentmeister kurzerhand absetzte und durch einen neuen Rat, dem als vierter Bürgermeister der Bildhauer Franz Xaver Schmädl angehörte, ersetzte.

Lindner war nicht nur als Fuhrmann tätig, sondern handelte nebenbei auch mit Vieh, vornehmlich mit Pferden: „Anno 1759, den 28. Hornung (Februar, Red.) hab ich auf dem Aschermittwochmarkt zu München ein Ross gekauft um 42 Gulden 30 Kreuzer, sechsjährig, in der Farb schwarz. Und den 5. April haben wir es wieder verkauft um 56 Gulden auf dem Palmmarkt allhier zu Weilheim.“ Da machte der Dirlpauli kein schlechtes Geschäft, denn innerhalb von gut einem Monat hatte das Pferd einen Wertzuwachs von dreizehneinhalb Gulden. Dagegen nimmt sich der Verdienst für die von seiner Durchlaucht, dem Herrn Kurfürsten, anbefohlene Salzfuhre in das württembergische Ravensburg geradezu gering aus. Gerade einmal sieben Gulden verbuchten die vier Fuhrmänner als Einnahme für die Fahrt, die einfach 29 ½ Stunden dauerte. Heute braucht man für die Strecke mit dem Auto lediglich knapp zwei Stunden. Wie sich die Zeiten geändert haben.

Lindner berichtet nicht nur das, was ihn persönlich betraf, sondern überliefert uns auch stadtgeschichtlich wichtige Ereignisse und Unglücksfälle, die sich in und um Weilheim zutrugen. So erzählt er, dass am 10. Juni 1759 eine Kopie der „Mutter der Schönen Liebe“ von Wessobrunn in der Stadtpfarrkirche eingesetzt wurde. Dass dies mit allem nur erdenklichen barocken Pomp verbunden war, lässt sich denken. Heute findet sich von dieser Gnadenbildkopie in Weilheim keine Spur mehr. Zurückzuführen ist das auf seine Hochwürden, Herrn Stadtpfarrer Karl August Böhaimb, der das Bild, wie so vieles, was er als altes Graffel erachtete, am 2. Dezember 1862 öffentlich versteigern ließ.

Ein Eintrag Lindners verrät: Am 25. Juli 1759, „als am St. Jakobs-Tag hat in allhiesiger Stadt Weilheim bei dem Barthlmä Hipper, Bürger und Bierbräu, das Donnerwetter eingeschlagen und ihm den ganzen Stadel in Feuer verzehrt. Es hat ihm verbrannt den Ross- und Viechstall, aber kein Viech hat es verbrannt, außer 8 Schafen und 3 Schweinen. Und sein Heu hat es alles verbrannt und 7 Fuder Roggen, 3 Wägen, 30 Scheffel Hafer und viel anderes Korn. Und der Gättinger Anna hat es auch den Stadl verbrennt. Es hat gegen 3000 Gulden Schaden gemacht.“ In Zeiten, in denen es noch keine Brandversicherung gab, war ein solches Feuer ein Schicksalsschlag, der schwer zu verkraften war und die Abbrändler nicht selten auf die Gant brachte. So gut war sie also nicht, die „gute alte Zeit“.

Text: Dr. Joachim Heberlein

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