Die 2011 sanierte Grundschule am Hardt (Hardtschule) in Weilheim.
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„Ein tolles Gebäude“, für das aber wohl bald ein Anbau nötig ist: Die 2011 sanierte Hardtschule in Weilheim.

Steigende Schülerzahlen

Braucht Weilheim eine dritte Grundschule?

  • Magnus Reitinger
    vonMagnus Reitinger
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Die Schülerzahlen steigen, die Ganztagsbetreuung wächst: Weilheims Hardtschule muss dringend erweitert werden – da sind sich alle Beteiligten einig. Für den Stadtrat stellt sich aber eine weitere, noch folgenschwerere Frage: Braucht Weilheim bald eine dritte Grundschule?

  • An der Hardtschule in Weilheim steigen die Schülerzahlen an
  • Auch die Offene Ganztagsschule wird immer mehr nachgefragt
  • Nun wird über eine Erweiterung diskutiert - und auch über eine mögliche dritte Grundschule

Weilheim – Als Tobias Pupeter 2016 Rektor der Weilheimer Hardtschule wurde, haben diese rund 375 Schüler besucht. Heute, vier Jahre später, sind es schon 415. Und es werden wohl noch deutlich mehr: Gemäß den aktuellen Geburtenzahlen wird die Schülerzahl in der Grundschule am Hardt – wie sie offiziell heißt – in den kommenden fünf Jahren zwischen 460 und 485 liegen. Wobei die Zuzüge nach Weilheim in dieser Statistik noch gar nicht einkalkuliert sind.

Warteliste bei der Offenen Ganztagsschule

Immer mehr dieser Schüler werden nicht nur vormittags betreut: Für die Offene Ganztagsschule (OGTS) in der Hardtschule, betrieben vom Mütter- und Familienzentrum, waren vor zwei Jahren rund 125 Kinder angemeldet, im Jahr darauf 153, und heuer sind es schon 175 (plus sieben auf der Warteliste). Die Stadt hat dafür kurzfristig zwei Container aufgestellt, doch auch die reichen nicht aus, wie es jetzt im Bauausschuss des Stadtrates hieß: Der Mehrbedarf könne nur durch einen Erweiterungsbau gedeckt werden.

„Wir sind mehr als beengt“

„Wir sind als Schule mehr als beengt“, sagte Rektor Pupeter in der Sitzung, „die Erweiterung ist sehr dringend“. Bereits nächstes Schuljahr sind wohl fünf statt (wie bisher) vier erste Klassen in der Hardtschule notwendig. Ohne zusätzliches Klassenzimmer müssten dann die Räume der OGTS eingeschränkt werden. Man könnte dafür keine neuen Kinder aufnehmen und müsste sogar Kündigungen aussprechen, so Pupeter. Dabei wird es in Bayern ab 2025 einen Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung geben; die Nutzerzahlen dürften dann noch deutlich steigen.

Lesen Sie hier, was zurzeit direkt neben der Hardtschule gebaut wird

Im Blick auf diese Entwicklung hat die Stadt Weilheim Ende 2019 ein Beratungsteam aus Essen mit Durchführung einer so genannten „Phase Null“ für eine mögliche Hardtschul-Erweiterung beauftragt. In zahlreichen Besprechungen und Workshops mit Schülern, Lehrern, Eltern, Vertretern der OGTS, dem Schulamt sowie Stadträten und Stadtverwaltung haben die Berater erarbeitet, was für den Schulbetrieb und die Ganztagsbetreuung künftig nötig ist. Die Ergebnisse wurden nun in der September-Sitzung des Bauausschusses vorgestellt.

Der Hardtschul-Bau wurde bundesweit gerühmt

Dabei stellten die Pädagogin Britta Grotkamp und die Architektin Päivi Kataikko der vor zehn Jahren komplett sanierten Hardtschule ein gutes Zeugnis aus: Es handle sich um einen „Schatz“, um „ein ganz tolles Gebäude“, das in den 1970er Jahren in Fachkreisen bundesweit gerühmt worden sei. Deshalb solle man in das Bestandsgebäude baulich möglichst wenig eingreifen. Doch um den steigenden Schülerzahlen und den Anforderungen einer zeitgemäßen Ganztagsbetreuung gerecht zu werden, brauche es einen flächenmäßig ebenso großen „Ergänzungsneubau“, in dem insbesondere die OGTS und die Verwaltung Platz finden sollen – sowie Fach- und Multifunktionsräume, die Schule und OGTS gleichermaßen nutzen können.

Dem erarbeiteten Konzept zufolge braucht die Hardtschule insgesamt rund 3000 Quadratmeter Grundfläche. Bisher sind es etwa 1500 Quadratmeter. Auch das Außengelände gelte es umzugestalten – mit Bereichen für Bewegung, für Rückzug und auch für Unterricht draußen. „Schulen, wie wir sie jetzt kennen, spiegeln nicht wieder, dass sie Lebensraum für den ganzen Tag sein sollen“, erklärte Katrin Fischer, die das Projekt seitens des Stadtbauamtes betreut. Das müsse sich ändern.

Viel Diskussionsbedarf für die Stadträte

Das Beratungsteam aus Essen hat bereits ein genaues Raumkonzept für das bestehende Gebäude und für einen Neubau erstellt – aber noch keine Planung. Dafür ist seitens der Stadt ein Architektenwettbewerb angedacht. Zunächst jedoch sollen die Ergebnisse der „Phase Null“ ausführlich in den Stadtratsfraktionen diskutiert werden. Denn die Schul-Erweiterung wird ein „sehr umfangreiches und bestimmt auch teures Projekt“, wie Bürgermeister Markus Loth (BfW) sagte.

Hardtschul-Erweiterung reicht womöglich nicht aus

Läuft alles glatt, könnte ein „Ergänzungsneubau“ für die Hardtschule bis 2025 fertig sein. Doch angesichts der vielen neuen Wohnungen, die in Weilheim in den nächsten Jahren entstehen werden, würde die Hardtschule auch mit Fünfzügigkeit (also fünf Klassen pro Jahrgangsstufe –bisher sind es vier) bald an ihre Grenzen stoßen, betonte Fischer. Deshalb müsse die Stadt „eventuell auch über eine dritte Grundschule nachdenken“ – neben Hardtschule und Ammerschule.

Das darüber zu sprechen ist, räumten Vertreter aller Fraktionen ein, auch wenn die Realisierung einer zusätzlichen Schule „eine „gewaltige Herausforderung“ für die Stadt wäre, wie es hieß. Bürgermeister Loth kündigte an, dass er zu diesem Thema womöglich eine Stadtratsklausur ansetzen werde. Selbst wenn man sich für eine dritte Grundschule entscheide, bestehe aber auch an der Hardtschule „Handlungsbedarf“.

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