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Verlieren Weilheim und Schongau ihre Krankenhäuser? Erste Details durchgesickert

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Von: Sebastian Tauchnitz

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Mit Millioneninvestitionen wurde der Krankenhausstandort Weilheim gerade erst umfassend modernisiert – etwa durch die Anschaffung neuer OP-Roboter. Nun stellt sich die Frage, wie lange hier noch ein Krankenhaus steht. ARCHIV
Mit Millioneninvestitionen wurde der Krankenhausstandort Weilheim gerade erst umfassend modernisiert – etwa durch die Anschaffung neuer OP-Roboter. Nun stellt sich die Frage, wie lange hier noch ein Krankenhaus steht. © Foto: KKH GmbH/Archiv

Nach den nichtöffentlichen Klausurtagungen des Kreistags dringen immer mehr Details aus dem Gutachten zur Zukunft der Krankenhaus GmbH durch. Das Schongauer Krankenhaus ist demnach wohl akut gefährdet. Das Landratsamt hüllt sich in Schweigen.

Landkreis – Der Landkreis Weilheim-Schongau sieht sich in den kommenden Jahren mit immensen Herausforderungen konfrontiert. Einem nach wie hohen Investitionsbedarf in Schulen, Verwaltungsgebäuden, aber auch beim MVV-Beitritt, dem Aufbau eines nennenswerten ÖPNV und Maßnahmen zum Klimaschutz steht eine stetig wachsende Schuldenlast gegenüber.

Landkreis Weilheim-Schongau: Droht Krankenhäusern das Aus?

Diese könnte in einigen Jahren dafür sorgen, dass kaum noch Investitionen möglich sind, da die Einnahmen größtenteils für Zins und Tilgung verwendet werden müssen. Um genau dies zu verhindern, begaben sich die Kreisräte gleich zweimal in Klausur.

Die Heimatzeitung fragte nun beim Landratsamt an, ob im Rahmen eines Pressegespräches über die Inhalte und Ergebnisse der Klausurtagungen informiert werden könne. Das wurde abgelehnt: „An den beiden nichtöffentlichen Klausurtagen wurden die Kreisräte über die aktuellen Aufgaben und Herausforderungen informiert. Beschlüsse wurden nicht gefasst“, schreibt der Pressesprecher des Landratsamtes, Hans Rehbehn, in seiner Antwort.

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Nun würden die Beratungen in den Fraktionen fortgeführt, bevor es am 17. November eine dritte nichtöffentliche Klausur geben soll. „Alle besprochenen Themen werden dann in einer öffentlichen Kreistagssitzung voraussichtlich am 26. November öffentlich beraten. Bis zu dieser Sitzung können wir leider zu den Inhalten keine Gespräche führen“, so Rehbehn weiter.

Keine Informationen zur Zukunft der Krankenhäuser vom Landratsamt

Das bedeutet auch, dass es bis dahin keinerlei Informationen zur Zukunft der Krankenhaus Weilheim-Schongau GmbH geben wird. Bereits seit Monaten liegt im Landratsamt ein Gutachten, das nicht nur die aktuelle Lage analysiert, sondern auch Vorschläge unterbreitet, wie die Zukunft der Krankenhaus GmbH gestaltet werden kann. Idealerweise ohne die derzeit immens hohen Zuschüsse, die der Landkreis Jahr für Jahr überweist: Bis zu 15 Millionen Euro werden für den Betrieb und Investitionen pro Jahr fällig.

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Einen ersten Einblick, was die Lösung sein könnte, gab Landrätin Andrea Jochner-Weiß bereits im Frühjahr. Damals sprach sie von der „Vision“ eines Großkrankenhauses für den Landkreis. Wie verschiedene Kreisräte im Anschluss an die Klausurtagung berichteten, ist das genau die Richtung, die das Gutachten vorschlägt.

Weilheim-Schongau: Völlig unklar, wo gemeinsames Krankenhaus entstehen könnte

Völlig unklar sei allerdings bislang, wo unter Umständen das gemeinsame Krankenhaus für den Landkreis entstehen könnte. Eines gilt aber als sicher: Schongau kommt als Standort nicht in Frage. Die in der Klausur vorgebracht Begründung ist einfach: Das neue Krankenhaus muss von allen Gemeinden aus binnen höchstens 30 Minuten zu erreichen sein. Damit dürfte auch längst nicht ausgemacht sein, dass automatisch Weilheim als Standort des neuen Krankenhauses in Frage kommt.

Eine mögliche Lösung, die immer wieder genannt wird, wäre ein Krankenhausstandort in Peißenberg. Schon bei der Wahl des Standorts des Impfzentrums war argumentiert worden, dass Peißenberg im Landkreis besonders zentral liegen würde.

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Auf die Frage einzelner Kreisräte, warum man dann in den vergangenen Jahren allein am Standort Weilheim rund 50 Millionen Euro investiert habe, hieß es angeblich, dass Planung und Bau eines neuen Krankenhauses sehr viel Zeit in Anspruch nehmen würden. So viel Zeit, dass sich die Investitionen auszahlen würden. Im Wettbewerb mit anderen Krankenhäusern im Oberland müsse man regelmäßig investieren, um für Patienten, aber auch Pflegekräfte und ärztliches Personal attraktiv zu bleiben.

Verbunden mit den Gedankenspielen um ein neues Großkrankenhaus ist die Erwartung, dass der Landkreis nach dessen Fertigstellung deutlich weniger für den laufenden Betrieb zuschießen muss als bisher. Einsparungen ließen sich vor allem dadurch erzielen, dass zahlreiche Einrichtungen, die derzeit an beiden Standorten vorgehalten und mit Personal bestückt werden – etwa die Notaufnahme – dann nur noch einmal vorhanden sind.

Ungewissheit über Krankenhäuser hat Auswirkung auf ganzen Landkreis

In den kommenden Wochen sollen nun die einzelnen Kreistagsfraktionen intern besprechen, wie sie sich zur Zukunft der Krankenhaus GmbH positionieren. Allerdings macht sich unter den Kreistagsmitgliedern schon wieder Besorgnis darüber breit, dass die eigentliche Entscheidung bereits im stillen Kämmerlein getroffen wurde. Denn angeblich hat das Landratsamt schon eine Fördermittel-Voranfrage für einen möglichen Krankenhaus-Neubau gestellt.

Die Ungewissheit, wie es zur mit den heutigen Krankenhäusern weitergehen soll, hat derweil Auswirkungen auf die gesamte Zukunftsplanung im Landkreis. So wird immer noch über den Bau von Appartementhäusern für Pflegepersonal am Standort Schongau diskutiert. Inwiefern das allerdings weiter sinnvoll ist, wenn womöglich das Schongauer Krankenhaus geschlossen werden sollte, ist unklar.

Auch der Geschäftsführer der Krankenhaus Weilheim-Schongau GmbH, Thomas Lippmann, hüllt sich in Schweigen. Es müssten noch Abstimmungen erfolgen, sagte er auf Anfrage.

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